Radsport WM
Frauen und U23 gehen bei WM-Straßenrennen leer aus

Nachdem die Frauen bereits eine Medaille beim Straßenrennen der WM in der Schweiz verpasst hatten, ist auch der U23-Nachwuchs an den Medaillenrängen vorbeigeradelt.

Melde-Affäre statt Medaillen: Während die Frauen des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) erstmals seit sieben Jahren ohne WM-Medaille blieben und auch der U23-Nachwuchs die Erwartungen nicht erfüllen konnte, sorgte ein peinlicher Meldefehler von BDR-Sportdirektor Burckhard Bremer für zusätzlichen Frust im deutschen Team. Da auch die Männer im Straßenrennen am Sonntag in der Schweiz krasse Außenseiter sind, droht die Mannschaft zum ersten Mal seit 2002 wieder ohne Titel von einer WM heimzukehren.

"Wir wollten eigentlich um den Sieg mitkämpfen. Leider war ich im Finale auf mich allein gestellt", sagte Ex-Weltmeisterin Judith Arndt, die drei Tage, nachdem sie als Vierte im Zeitfahren knapp Edelmetall verpasst hatte, auch im Straßenrennen als Sechste beste Deutsche war. Zuletzt waren die BDR-Frauen 2002 im belgischen Zolder in beiden Disziplinen ohne Medaille geblieben.

Guderzo setzt sich bei den Frauen durch

Beim Sieg der Italienerin Tatiana Guderzo auf der 124,2km langen Strecke im Tessin erreichten die deutschen Starterinnen bis auf Arndt weit abgeschlagen oder gar nicht das Ziel. Guderzo, die nach WM-Silber 2004 und Bronze bei den Olympischen Spielen in Peking ihren ersten großen Titel errang, setzte sich nach einer erfolgreichen Attacke auf der letzten Runde im Alleingang vor Ex-Weltmeisterin Marianne Vos (Niederlande) und ihrer Landsfrau Noemi Cantele durch.

"Für mich persönlich ist der sechste Platz nach einer schwierigen Saison nicht schlecht", sagte Arndt, die in den vergangenen Monaten durch drei Sturzverletzungen zurückgeworfen worden war. Ohne die Unterstützung der Kolleginnen war die 33-Jährige in der Schlussphase des Rennens chancenlos. "Es war ein sehr harter Kurs. Ich habe schon nach der Hälfte der Strecke gespürt, dass die Beine schwerer werden."

Meldefehler von Sportdirektor Bremer

Für zusätzliche Unruhe im deutschen Team hatte zuvor Sportdirektor Bremer gesorgt, weil er es versäumte, die Allgäuerin Sarah Düster (Wangen) für das Rennen zu melden. Im Zusammenhang mit seinem Fauxpas, durch den die WM-Debütantin nicht startberechtigt war, hatte Bremer sogar seinen Rücktritt angeboten.

"Motivierend war dieser Vorfall nicht gerade. Für Sarah ist das ein Albtraum - da reicht eine einfache Entschuldigung nicht", sagte Arndt. Der BDR signalisierte allerdings, dass man Bremers Rücktrittsangebot nicht annehmen werde. Der 62-jährige besitzt noch einen Vertrag bis 2012.

Düster enttäuscht: "Das ist schon bitter"

Düster zeigte sich am Tag nach dem peinlichen Vorfall tief enttäuscht: "Das ist schon sehr bitter. Ich hatte mich sehr auf das Rennen gefreut", sagte die 27-Jährige, deren Startplatz von der ursprünglich als Ersatzfahrerin vorgesehenen Charlotte Becker (Waltrop) eingenommen wurde. Düsters Profiteam Cervelo forderte vom BDR eine Aufklärung der Affäre, zumal die Nichtmeldung offenbar schon am Montag aufgefallen und dennoch nicht reagiert worden war.

Beim U23-Nachwuchs gab es für die mitfavorisierten BDR-Starter ebenfalls nichts zu holen. Beim Sieg des Franzosen Romain Sicard kam kein deutscher Fahrer unter die Top10. Am Sonntag hofft das deutsche Team vor allem auf den Freiburger Fabian Wegmann, der gegen die favorisierten Italiener und Spanier aber wohl nur Außenseiterchancen hat.

Zu den am höchsten eingeschätzten Titelanwärtern zählt dabei auch der in Italien gesperrte Spanier Alejandro Valverde, dessen Startrecht trotz mutmaßlicher Kontakte zu Dopingarzt Eufemiano Fuentes vom Weltverband UCI nochmals bestätigt wurde. "Wir stellen Regeln auf und halten uns auch daran. Ehe der Internationale Sportgerichtshof keine Entscheidung in dem Fall getroffen hat, können wir nicht anders reagieren", erklärte der gerade wiedergewählte UCI-Präsident Pat Mcquaid.

© SID

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