Radsport WM
Grabsch gewinnt Gold im WM-Zeitfahren in Varese

Sensationelle Goldmedaille für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) bei der Straßenrad-WM in Varese. Bert Grabsch hat das Zeitfahren über 43,7km gewonnen. Tony Martin wurde Siebter.

Bert Grabsch stieg auf das Podium, schloss die Augen und atmete den Erfolg erstmal in tiefen Zügen ein. Eingehüllt in das Regenbogentrikot des Weltmeisters konnte der 33-Jährige sein Glück kaum fassen und schaute immer wieder ein wenig ungläubig auf die Goldmedaille, die um seinen Hals baumelte.

"Ein perfekter Tag, ein perfekter Kurs und eine perfekte Medaille - einfach traumhaft. Das war mein Rennen", beschrieb der Columbia-Profi seine Gefühlswelt. Grabsch ist als erster Deutscher seit Jan Ullrich im Jahr 2001 bei der Straßenrad-WM im italienischen Varese zum WM-Titel gerast. Sogleich verschickte er Grüße an seine Frau: "Das ist das schönste Geburtstagsgeschenk für Susanne." Grabschs Lebensgefährtin wurde am Donnerstag 28 Jahre alt.

"Der größte Erfolg meiner Karriere"

Der gebürtige Wittenberger hatte es offensichtlich eilig zu gratulieren: Grabsch legte die 43,7 km auf dem lombardischen Kurs in einer Fabelzeit von 52:01,60 Minuten zurück. Damit war der Columbia-Profi 42 Sekunden schneller als der Kanadier Svein Tuft - im Zeitfahren fast schon eine halbe Ewigkeit. Bronze ging an den Amerikaner David Zabriskie, der 53 Sekunden zurücklag.

"Das ist der größte Erfolg meiner Karriere. Ich wusste, dass ich schnell bin, aber nicht, dass ich so schnell fahren würde. Heute hat alles gepasst", berichtete Grabsch, nachdem er 24 lange Minuten warten musste, ehe sein Triumph unter Dach und Fach war.

Nach der Absage von Olympiasieger und Titelverteidiger Fabian Cancellara galt das Rennen im Vorfeld als offen. Doch Grabsch hatten nur die wenigsten Experten auf der Rechnung. Noch vor gut einem Monat hatte der Wahl-Schweizer bei den Olympischen Spielen mit Platz 14 enttäuscht. "Nach Peking war es schwer, mich zu motivieren. Doch bei der Deutschland-Tour lief es schon viel besser", meinte der deutsche Zeitfahrmeister weiter.

Dass er ein Spezialist im Kampf gegen die Uhr ist, hatte Grabsch in der Vergangenheit aber schon häufiger bewiesen. Vor einem Jahr in Stuttgart musste er sich noch mit dem undankbaren vierten Platz begnügen. Dafür gewann er 2007 das Zeitfahren bei der Vuelta, und bei den deutschen Meisterschaften trug er sich in diesem Jahr zum zweiten Mal in die Siegerliste ein.

Grabsch profitierte sicherlich auch davon, dass er in diesem Jahr bei den großen Rundfahrten nicht am Start war und sich so voll auf die Zeitfahren konzentrieren konnte. Bei Giro und Tour wurde er nicht nominiert ("Darüber war ich nicht glücklich"), bei der Vuelta war sein Columbia-Team nicht geladen.

Martin überzeugt als Siebter

Damit ist der Medaillensatz für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) bereits am dritten Tag komplett, nachdem zuvor Patrick Gretsch (Erfurt) Silber bei den U23-Männern und Judith Arndt (Leipzig) Bronze bei den Frauen geholt hatten. Das gute deutsche Bild rundete Grabschs Columbia-Teamkollege Tony Martin (53:17) als Siebter ab.

Ich war über die gesamte Distanz hoch motiviert, weil ich überall die Bestzeit hatte", sagte Martin: "Zum Schluss hatte ich aber muskuläre Probleme und ich bin froh, dass ich noch nah an die angestrebten Top fünf gekommen bin." Dabei hatte der Erfurter am Vortag noch seine ganz persönliche Schrecksekunde zu verdauen. Der 23-Jährige wurde im Training von einem Auto angefahren, blieb aber unverletzt.

Seine Zeitfahrmaschine war dagegen nicht mehr zu gebrauchen. So war Martin auf der Silber-Maschine von Gretsch unterwegs. Dass mit dem Youngster künftig zu rechnen ist, hatte er schon bei der Deutschland-Tour bewiesen, als er das Einzelzeitfahren für sich entschied.

Die WM wird am Freitag mit dem Straßenrennen der U23-Männer über 173,35 km fortgesetzt. Der Höhepunkt steht am Sonntag beim Straßenrennen der Männer über 260 km auf dem Programm.

© SID

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