Radsport WM
Grünes Licht für Rad-WM in Stuttgart

Die im Raum stehende Absage der Straßenrad-WM in Stuttgart ist vom Tisch. Nach der Einigung über ein striktes Anti-Doping-Programm findet die Veranstaltung wie geplant Ende September statt.

Die Straßenrad-WM in Stuttgart (26. bis 30. September) findet wie geplant statt. Die WM wird allerdings mit einem strikten Anti-Doping-Programm über die Bühne gehen. Das teilte das WM-Organisationskomitee am Donnerstag nach abschließenden Gesprächen mit.

"Vielleicht die letzte Chance"

"Die Stadt Stuttgart steht auf Basis der beschlossenen Maßnahmen als Veranstalter zur Verfügung. Ich sehe eine wirkliche Chance für einen Neuanfang im Radsport. Vielleicht ist es aber auch die letzte Chance", sagte Sport-Bürgermeisterin und OK-Vorsitzende Susanne Eisenmann, die sich zuvor mit dem Bundesinnenministerium, dem Kultusministerium von Baden-Württemberg sowie den Fraktionsvorsitzenden des Stuttgarter Gemeinderates auf den planmäßigen Ablauf der Titelkämpfe geeinigt hatte.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble teilte nach der Entscheidung mit, dass der Bund die Veranstaltung wie geplant fördern werde, nachdem er im Vorfeld mit der Streichung des Zuschusses von 150 000 Euro gedroht hatte. "Mit den Beschlüssen der Steuerungsgruppe und der begonnenen Umsetzung zeigt der Radsport, dass er Ernst machen will mit einer neuen Qualität der Dopingbekämpfung und deutlich verschärften Dopingkontrollen. Trotz der aufgedeckten Dopingfälle bei der Tour ist eine Förderung vor dem Hintergrund der in Stuttgart beschlossenen Maßnahmen vertretbar", erklärte Schäuble.

Auch Rudolf Scharping begrüßte als Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) die Entscheidung. "Stuttgart kann für einen Wendepunkt im Radsport stehen und Beispiel für andere Sportarten werden. Eine Absage hätte die ehrlichen Sportler und die Zuschauer bestraft", sagte der frühere Verteidigungsminister.

Die WM ist an strikte Bedingungen geknüpft, die der Weltverband UCI vertraglich zusichern musste. Erst in der vergangenen Woche hatte sich UCI-Präsident Pat Mcquaid zu seiner Unterschrift durchgerungen, nachdem Schäuble offen über einen Stopp der Zuschüsse nachgedacht hatte.

Ein Neun-Punkte-Programm soll nun ähnliche Doping-Skandale wie bei der Tour de France verhindern. Dabei geht es einmal um eine deutliche Erhöhung der Trainings- und Wettkampfkontrollen, zudem soll es während der WM bei Kontrollen keine Schlupflöcher mehr für die Fahrer geben: Nach der Zieldurchfahrt werden sie bis zur Abgabe der Dopingprobe von einem Kontrolleur begleitet. Die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada überwacht die Maßnahmen als unabhängige Instanz. Wie schon vor der Tour müssen alle Teilnehmer eine Ehrenerklärung unterzeichnen.

Durchbruch schon am Mittwoch

Der entscheidende Durchbruch war den Verantwortlichen bereits am Mittwoch gelungen. In einem dreistündigen Gespräch hatte sich die Steuerungsgruppe mit Vertretern der UCI, des BDR sowie der Anti-Doping-Agenturen Nada und Wada auf eine gemeinsame Linie geeinigt. Eine große Rolle dürfte aber auch die Ankündigung der ARD gespielt haben, ab der Deutschland-Tour wieder in die Radsport-Berichterstattung einzusteigen. Allerdings wäre bei der WM das ZDF der übertragene Sender, eine Entscheidung ist dabei noch nicht gefallen.

Die Verantwortlichen hoffen mit einer schwarzen Null die WM abzuschließen. "Es ist bislang kein Sponsor abgesprungen, es ist aber auch keiner hinzu gekommen", sagte Eisenmann. Der Gesamtetat beträgt 5,3 Mill. Euro. Die Stadt Stuttgart steuert 2,3 Mill. Euro hinzu.

Nach der Welle an Doping-Geständnissen im Mai von Bert Dietz über Erik Zabel bis zu Ex-Toursieger Bjarne Riis waren Stimmen laut geworden, die WM abzusagen. Im Zuge der Skandale trennten sich die Organisatoren auch von den WM-Botschaftern Rudi Altig und Zabel. Ob Zabel als früherer Dopingsünder vom BDR nominiert wird, ist noch fraglich.

Letztmals hatte die Straßenrad-WM 1991 in Deutschland, ebenfalls in Stuttgart, stattgefunden. Den WM-Titel bei den Profis konnten bisher aus deutscher Sicht nur Heinz Müller (1952) und Altig (1966) gewinnen.

© SID

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