Radsport WM
Zabel und Klöden stehen im vorläufigen WM-Kader

Trotz dessen Doping-Vergangenheit gehört Sprinter Erik Zabel vom Team Milram zum vorläufigen deutschen Aufgebot für die Straßenrad-WM in Stuttgart (26. bis 30. September). Auch Andreas Klöden (Astana) wurde nominiert.

Erik Zabel darf bei der WM um den Sieg sprinten. Der 37-jährige Radprofi vom Team Milram wird bei den Straßenrad-Weltmeisterschaften in Stuttgart (26. bis 30. September) an den Start gehen. Das Präsidium des Bund Deutscher Radfahrer (BDR) nominierte den Vize-Weltmeister in den vorläufigen WM-Kader und widersetzte sich auf seiner Sitzung am Mittwoch in Frankfurt der Forderung des Stuttgarter Organisationskomitees. Damit hat Zabel die Chance, seinen letzten großen Traum doch noch zu verwirklichen und das Regenbogentrikot zu erobern.

Hoffnungen auf einen WM-Start darf sich auch Andreas Klöden machen. Der Tour-Dritte von 2006 galt als Wackelkandidat, da er seit dem Ausschluss seines Astana-Teams bei der Frankreich-Schleife kein Profirennen mehr bestritten hatte, wurde aber dennoch in den Kader des Gastgebers nominiert. Allerdings wird das 21-köpfige Männer-Aufgebot noch noch bis zum 18. September auf 14 Fahrer für das Straßenrennen und vier Starter im Zeitfahren reduziert.

Scharping: "Alle Umstände berücksichtigt"

"Wir haben bei der Entscheidung sportlichen Aspekte und alle anderen Umstände berücksichtigt", sagte BDR-Präsident Rudolf Scharping, der bei der Abstimmung nicht teilgenommen hatte. Am Ende fiel das Votum mit 6:2 Stimmen pro Zabel recht deutlich aus. Für Scharping eine logische Entscheidung, da Zabel sich nach seiner Doping-Beichte als reuiger Sünder präsentiert hatte: "Hätten wir ihn nicht nominiert, hätten wir eine Situation geschaffen, in der keiner mehr freiwillig etwas sagt."

Zabel, der ab Samstag bei der Spanien-Rundfahrt startet, war nach der positiven Mitteilung glücklich: "Ich freue mich, für Deutschland bei der WM starten zu dürfen. Ich werde kämpfen, damit ich möglichst so gut abschneide wie im Vorjahr." 2006 wurde der Sprinter in Salzburg Zweiter.

Damit kam der BDR der Forderung von Stuttgarts Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann nicht nach. Die Vorsitzende des Organisationskomitees wollte im Sinne eines Neuanfangs im Radsport den Ausschluss von Doping-vorbelasteten Radsportlern.

Zabel hatte am 24. Mai dieses Jahres gemeinsam mit seinem langjährigen Teamkollegen Rolf Aldag in Bonn gestanden, in seiner Telekom-Zeit gedopt zu haben. Das Geständnis des amtierenden Vize-Weltmeisters bezog sich auf ein "einmaliges" Vergehen vor und während der Tour de France 1996. Sportrechtlich war das Vergehen schon verjährt und hatte für Zabel keine Konsequenzen mehr. Die WM-Organisatoren hatten sich daraufhin von Zabel als Botschafter getrennt.

Um 13.00 Uhr war das BDR-Präsidium in Frankfurt/Main zusammengekommen und hatte über die brisante Entscheidung diskutiert. Im Vorfeld hatte Scharping viele Gespräche geführt und dem Präsidium auf der Sitzung detailliert darüber berichtet. Scharping selbst wollte bei der Abstimmung nicht teilnehmen, wohl auch deshalb, weil ihm als enger Zabel-Freund Parteilichkeit vorgeworfen worden wäre.

Damit darf der sechsmalige Gewinner des Grünen Trikot, der auf eine Olympia-Teilnahme im kommenden Jahr verzichtet hatte, weiter auf die Erfüllung seines letzten sportlichen Traumes hoffen. Über ein Jahrzehnt fährt der Ausnahmesprinter bereits dem WM-Titel hinterher. Mehrmals schaffte es Zabel auf das Podest, zuletzt als Zweiter 2006 in Salzburg. Für ganz oben sollte es aber bislang nicht reichen.

Formal war der Verband auch durch die Anti-Doping-Vereinbarung nicht gebunden, auf die sich alle beteiligten Parteien im Vorfeld geeinigt hatten. Sie sieht das WM-Startverbot für "jeden unter konkretem Dopingverdacht stehenden Fahrer" vor. Dies trifft auf Zabel nicht zu.

Auch nicht auf Klöden, der dem von Doping-Skandalen erschütterten Astana-Team angehört. Einen Pauschalverdacht gegen alle Astana-Profis konnte es nicht geben. In den vergangenen Wochen waren Klödens Teamkollegen Alexander Winokurow, Andrej Kaschetschkin (beide Kasachstan) und Matthias Kessler (Nürnberg) positiv getestet worden. Beim deutschen Rundfahrtspezialisten fiel bislang jede Kontrolle negativ aus.

"Ich denke, dass ich mir die Nominierung durch meine Leistung verdient habe. Ich werde mich nun mit meinem Trainer zusammensetzen und die Vorbereitung genau absprechen. Der Kurs in Stuttgart liegt mir", meinte Klöden.

Das WM-Aufgebot wird allerdings noch bis Mitte September reduziert. Neben Zabel und Klöden gehören Amstel-Sieger Stefan Schumacher (Nürtingen), Deutschland-Tour-Gewinner Jens Voigt (Berlin) und Tour-Etappensieger Linus Gerdemann (Münster) zu den aussichtsreichsten Medaillenkandidaten im deutschen Männer-Team.

© SID

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