Radsport WM
Zweifel an Zabel-Nominierung für Straßenrad-WM

Das Präsidium des Bundes Deutscher Radfahrer steht vor einer schwierigen Entscheidung. Vier Wochen vor der Straßenrad-WM in Stuttgart müssen die Verantwortlichen über eine mögliche Nominierung von Erik Zabel diskutieren.

Die Straßenrad-WM von Stuttgart soll unter dem Motto "sauberer Neubeginn" stehen. Ob da ein geläuterter Dopingsünder wie Erik Zabel als Aushängeschild taugt, muss vier Wochen vor dem Ereignis das Präsidium des Bundes Deutscher Radfahrer entscheiden. Wie immer die Entscheidung ausfällt - heftige Kritik ist sicher.

Stuttgarts Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann hat als Vorsitzende des Organisationskomitees wiederholt gefordert, den 37-Jährigen zur unerwünschten Person zu erklären. BDR-Präsident Rudolf Scharping gibt sich über die Brisanz des Themas deshalb keinen Illusionen hin: "Es ist doch völlig klar, dass nicht nur sportliche Kriterien bei der Diskussion zu berücksichtigen sind."

Tendenz pro Zabel

Gerade deshalb hat es der langjährige Spitzenpolitiker im Vorfeld konsequent vermieden, durch öffentliche Aussagen weiteres Öl ins Feuer zu gießen: "Ich habe viele Gespräche geführt, aber ich trage sie nicht zu Markte." Dennoch scheint sich eine Tendenz pro Zabel abzuzeichnen. Auch deshalb, weil es für manchen darum geht, die Autonomie des Sports demonstrativ zu verteidigen und sich nicht von außen die Auswahl diktieren zu lassen.

Verderben könnte Erik Zabel den Festtag der 24. Mai dieses Jahres, als er und sein langjähriger Teamkollege Rolf Aldag gemeinsam bekannten, als Telekom-Profis gedopt zu haben. Zwar bezog sich Zabels Geständnis auf ein "einmaliges" Vergehen vor und während der Tour de France 1996, doch für die Verfechter einer harten Linie disqualifiziert ihn auch das als Träger des Nationaltrikots.

Die Gegenargumente: Zabels Verstoß liegt elf Jahre zurück und ist nach dem Sportrecht verjährt. Gerade durch sein Geständnis und das gleichzeitige Bekenntnis für dopingfreien Sport sei der 37-Jährige ein glaubwürdiges Vorbild für die junge Generation. Sein Ausschluss würde das "Kartell des Leugnens" nur wieder stärken.

Die Vorentscheidung fällt durch ein Trio, dem neben dem Präsidenten der - ebenfalls mit Dopingvorwürfen konfrontierte - BDR-Vize Udo Sprenger und Sportdirektor Burkhard Bremer angehören. Es gilt als sicher, dass ihr Vorschlag vom Präsidium abgesegnet wird.

Formal ist der Verband auch durch die Anti-Doping-Vereinbarung nicht gebunden, auf die sich alle beteiligten Parteien im Vorfeld geeinigt hatten. Sie sieht das WM-Startverbot für "jeden unter konkretem Dopingverdacht stehenden Fahrer" vor. Dies trifft auf Zabel nicht zu.

Auch Klödens Teilnahme nicht sicher

Gleiches gilt für Andreas Klöden, dessen Fall jedoch weit weniger Wellen schlagen dürfte. Einen Pauschalverdacht gegen den Astana-Profi wegen mehrerer Dopingfälle in seinem Team kann es nicht geben. Allerdings scheint die Einbindung des Einzelgängers ins Straßenteam aus sportlicher Sicht problematisch, naheliegend ist dagegen sein Start im Zeitfahren. Dort wäre er wie Zabel im Straßenrennen für eine Medaille gut: Ein Argument, das die Suche nach dem richtigen Weg nur noch erschweren dürfte.

© SID

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