Radsportstar Peter Sagan
Vom Superinvestment zum deutschen Tour-Desaster

Peter Sagan, Sunnyboy und Topverdiener des Radsports, muss die Tour de France verlassen. Ein Desaster für das deutsche Bora-Hansgrohe-Team, das Millionen für den Weltmeister ausgibt, der nun zu Hause bleiben muss.
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DüsseldorfEs spielt sich in Sekundenbruchteilen ab, und auf den ersten Blick sieht es eindeutig aus: Die Top-Sprinter des Pelotons rasen der Zielgeraden in Vittel mit 70 Kilometern pro Stunde entgegen, plötzlich schiebt Weltmeister Peter Sagan, Star des deutschen Teams Bora-Hansgrohe und Sunnyboy der Radsportwelt, seinen rechten Ellenbogen raus – und Mark Cavendish landet in der Bande.

Als Cavendishs Team später in der Nacht verkündet, dass der der Brite wegen eins gebrochenen Schulterblatts nicht weiterfahren kann, ist schon längst klar, dass dieses Schicksal auch Sagan, in Vittel Zweiter auf der Zielgeraden und am Vortag strahlender Sieger der dritten Etappe, trifft.

Die Kommissionäre der Tour de France hatten Sagan wegen „unverhältnismäßigen Sprints“ erst mit einer Zeit- und Punktestrafe in der Sprintwertung belegt, dann aber von der kompletten Tour ausgeschlossen. Sein Team hat gegen die Entscheidung Protest eingelegt – vergebens. Der Radsportweltverband UCI lehnte den Einspruch des deutschen Rennstalls Bora-Hansgrohe ab, wie Sagan in einem kurzen Statement bestätigte. „Ich bin gegen die Entscheidung der Jury, aber ich akzeptiere sie“, sagte der Slowake.

Ein schwerer Schlag für das Team und den Bora-Gründer Willi Bruckbauer. Am Donnerstagmorgen habe das ganze Team noch gehofft, dass die Entscheidung revidiert werden könne, erzählt er am Telefon. Das Team habe Krisengespräche geführt und der UCI eine schriftliche Schilderung des Unfallherganges aus Sicht von Sagan und des Teams übermittelt.

Dass Sagan auch noch 200 Schweizer Franken Strafe zahlen muss, dürfte den Topverdiener, der Millionen Euro pro Saison verdient, weniger ausmachen. Aber der komplette Ausschluss von der Tour ist ein einmaliger Vorgang – und ein Desaster für Sagans Sponsoren, allen voran den Küchenabzugshersteller Bora und des Armaturenhersteller Hansgrohe, die Hauptfinanciers.

Noch am Abend zuvor, als das Team mit Champagner auf Sagans Sieg und den ersten Erfolg von Bora-Hansgrohe bei der Tour de France anstieß, war die Freude riesig: „Die Verpflichtung von Peter zahlt sich schon die ganze Saison aus“, sagte Teammanager Ralph Denk mit Blick auf die Bilder von Sagans Sieg, die live in 190 Ländern ausgestrahlt wurden – und mit ihnen die Logos von Bora und Hansgrohe. „Die Media-Werte sind extrem hoch. Er ist ein spezieller Typ, deshalb bezahlen wir ihm auch relativ viel Geld“, schwärmte Denk vom zweimaligen Weltmeister und freut sich über das „Return on Investment“.

Nun ist kein Investment ohne Risiko – und in diesem Fall für Sagans Sponsoren fraglos ein gewaltiges. Genaue Zahlen nennen die Unternehmen nicht, aber im Feld kursiere ein Summe von bis zu fünf Millionen Euro, wo das Mindestgehalt für festangestellte Jungprofis 36.000 Euro beträgt. Das wäre ein erheblicher Teil des gesamten Teambudgets von Bora-Hansgrohe.

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