Rasmussen unter Doping-Verdacht
Fang das Huhn

Der in Gelb fahrende Mickael Rasmussen hätte gemäß Wada-Code bei der Tour de France gar nicht starten dürfen. Doch statt Rede und Antwort zu stehen, übt sich der Däne in der im Peloton hoch geschätzten Kunst, quälenden Doping-Fragen zu enteilen. Der angerichtete Schaden ist immens.

PLATEAU-DE-BEILLE. Wenn es denn nur die Fans wären, dazu ein paar Fragen der Journalisten zum Zustand der Beine und ein paar zur Taktik des Tages. Es wäre so wie früher. Aber so: Über 100 Menschen standen am Start der 14. Tour-Etappe nach Plateau de Beille in Mazamet Spalier am Bus des niederländischen Rennstalls Rabobank, unters Volk gemischt Kamerateams und eben jene Journalisten, denen die Beine des Fahrers im „maillot jaune“ dieser Tage so ziemlich egal sind. Mickael Rasmussen, was für eine Überraschung bei dieser 94. Tour de France, steht unter dem Verdacht, in den Monaten vor der Tour mit den Antidopingjägern des Dänischen Radsportverbandes DCU und des Weltverbandes UCI Katz und Maus gespielt zu haben. Die fragende Schar vor dem Bus will Antworten.

Aber die bekommt sie nicht. Rasmussen, 33, der wegen angeblich vier versäumter Benachrichtigungen über seinen Aufenthaltsort aus dem dänischen Kader für die Weltmeisterschaft in Stuttgart im September und aus dem für die Olympischen Spiele 2008 in Peking gestrichen wurde, hat den Kanal restlos voll. Mit versteinerter Miene lässt er sich von Angestellten seiner Equipe und der französischen Gendarmerie durch die Menge geleiten.

Rasmussen erhält gerade eine Blitzunterweisung in der im Peloton hoch geschätzten Kunst, quälenden Fragen nach Doping zu enteilen. Er hält sich gut. Am Tag eins nach der Streichung versicherte Rasmussen, er sei sauber, zudem kenne er einen ganzen Haufen Fahrer, die ebenfalls Verwarnungen erhalten hätten. Am Tag zwei, nach dem Zeitfahren in Albi immer noch in Gelb, verbat er sich weitere Fragen zum Thema und erklärte mit stierem Blick, er beantworte nur noch die zum Rennen.

Vier Mal in den letzten 18 Mona-ten hat es Rasmussen unterlassen, DCU wie UCI über seinen Aufent-haltsort zu unterrichten. Jeweils zwei Verwarnungen hat er dafür kassiert. Die erste der UCI am 24. März 2006, da er nicht fristgerecht bis zum 15. März seine Reiseplanungen mitgeteilt hatte. Die zweite am 29. Juni dieses Jahres, da er sowohl am 8. Mai als auch am 28. Juni von UCI-Kontrolleuren nicht angetroffen wurde. In der Summe hätte dies zu einer Suspendierung von mindestens drei Monaten führen müssen. Nur zwei Verwarnungen sind erlaubt.

Doch nicht nur das: Rasmussens „kleines Versäumnis, es ist doch kei-ne große Sache“ (Rasmussen) nährt so den Verdacht, dass er sich in der Heimat seiner mexikanischen Ehe-frau Cariza Muñoz nicht nur auf dem Rad für die Tour de France vorberei-tet hat, sondern ebenfalls mit gelegentlichen Implikationen von Do-pingmitteln. „Ich sage nicht, dass er gedopt hat“, sagt DCU-Geschäftsführer Jesper Worr, aber Rasmussen verhalte sich so: „Es wirft Fragen auf.“

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