Reaktionen auf den Dopingskandal in Österreich
Schadensbegrenzung in der Alpenrepublik

Die Erleichterung im österreichischen Lager nach den negativen Dopingergebnissen war groß. Dennoch bleibt der Dopingskandal beim nationalen Skiverband und dem Nationalen Olympische Komitee (ÖOC) ein großes Thema. Darüber kann auch die Freude über das beste Abschneiden der Alpenrepublik in der Olympia-Geschichte nicht hinwegtäuschen.

HB WIEN. Österreichs Wintersportler schafften den größten Triumph in der Olympia-Geschichte der Alpenrepublik: Mit neun Mal Gold und je sieben Mal Silber und Bronze lag die Mannschaft am Ende nur knapp hinter Deutschland und den USA. Doch so richtig mochte sich nach dem Olympia-Skandal um mögliches Doping und den umstrittenen Blutdoping-Trainer Walther Mayer niemand freuen.

Zumindest das offizielle Österreich betreibt jetzt öffentlich Schadensbegrenzung. Der nationale Skiverband (ÖSV) und das Nationale Olympische Komitee (ÖOC) kündigten Untersuchungskommissionen an, um die Hintergründe des Turiner Skandals rund um den höchst umstrittenen Trainer Mayer aufzuklären - zusätzlich zur offiziellen Drei-Mann- Kommission des IOC unter IOC-Vize Thomas Bach. Dazu versprach Innenministerin Liese Prokop die Verabschiedung eines Anti- Dopinggesetzes noch in diesem Jahr.

Österreichs Verbandschefs hatten zunächst erleichtert auf die negativen Dopingergebnisse ihrer zehn Athleten reagiert. "Nun sind wir rein gewaschen", meinte etwa ÖOC-Präsident Leo Wallner nach der Bekanntgabe des Ergebnisses durch das IOC. Der auch im eigenen Land heftig unter Beschuss geratene ÖSV-Präsident, Peter Schröcksnadel, sprach sogar von einer "Rufmord"-Kampagne der italienischen Polizei. Nun sei klar, dass alle österreichischen Athleten "sauber" gewesen seien.

Doch in Wien will man es dabei jetzt nicht bewenden lassen. Zwar kritisierte die Innenministerin und ehemalige Fünfkampf- Europameisterin Liese Prokop am Sonntagabend erneut die "Wildwest- Methoden" der italienischen Polizei bei der Durchsuchung der österreichischen Athletenquartiere, doch sprach sie sich auch für umfassende Aufklärung aus. Bis dahin müsse für alle Athleten "die Unschuldsvermutung gelten".

Die Kritik richtet sich erwartungsgemäß gegen den inzwischen entlassenen Blutdoping-Trainer Mayer (Motto: "Blöd kannst ruhig sei, Du musst Dir nur zu helfen wissen"). Aber zunehmend kommt auch ÖSV- Chef Peter Schröcksnadel unter Beschuss, der es zuließ, dass Mayer sich fast zwei Wochen trotz eines IOC-Verbots bei den österreichischen Athleten aufgehalten hatte. Schröcksnadel, lästerte der "Kurier" am Montag, werde wohl dafür sorgen, dass der Begriff "Krisenmanagement" am Ende zum "Unwort" des Jahres erhoben werde.

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