Reaktionen auf Pechstein-Urteil
„Wegweisend für den Kampf gegen Doping“

Der Internationale Sportgerichtshof CAS hat die zweijährige Dopingsperre der fünfmaligen Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein am Mittwoch bestätigt. Reaktionen zum Urteil.

Claudia Pechstein: "Das zu akzeptieren, ist für mich unglaublich hart. Nach dem wochenlangen, unwürdigen Hin und Her war das Urteil aber abzusehen. Ich bin nicht mehr über das Ergebnis geschockt, sehr wohl aber darüber, wie es zustande gekommen ist. Ich habe lernen müssen, dass es ausgerechnet vor Sportgerichten offenbar keinen Platz für das im Sport so oft beschworene Fair Play gibt. Ich habe nie gedopt und ein reines Gewissen."

Simon Bergmann (Pechstein-Anwalt): "Ich bin der festen Überzeugung, dass der CAS die Reichweite der auch im Sportrecht geltenden Unschuldsvermutung verkannt hat. Man muss damit rechnen, dass nun zahlreiche Verbände versuchen werden, Athleten auf Basis fragwürdiger Blutwerte zu sperren. Ich rechne mit einer Prozessflut. Bedenklich ist insbesondere, welch geringe Anforderungen der CAS an das Beweismaß der indirekten Beweisführung stellt. Der Athlet wird hierdurch gezwungen, den Beweis für seine Unschuld zu erbringen."

Thomas de Maiziere (Bundesinnenminister): "Das Urteil ist für Claudia Pechstein menschlich bitter. Sie war bis zum heutigen Tag für viele Sportbegeisterte, auch für mich, ein großes Vorbild. Das Disziplinarverfahren gegen Claudia Pechstein als Bundespolizistin wird wieder aufgenommen, wenn das Urteil rechtskräftig ist. Für den internationalen Sport ist das Urteil wegweisend. Es lässt den Indizienbeweis zum Nachweis von Doping zu. Der Nachweis eines einzelnen Dopings im konkreten Fall ist nicht mehr notwendig. Damit kann der internationale Sport sauberer werden. Als deutscher Innenminister erwarte ich allerdings, dass solche strengen Maßstäbe nicht nur gegenüber unseren Athleten, sondern weltweit angewandt werden."

Thomas Bach (Dosb-Präsident): "Dieses Urteil ist wegweisend für den internationalen Kampf gegen Doping. Es formuliert die Kriterien für den so wichtigen indirekten Dopingbeweis. Damit ist der Weg frei für weitere Verfahren. Deshalb fordern wir Verbände, denen entsprechende Testwerte vorliegen, auf, nunmehr umgehend Sanktionen zu verhängen. Jeder Dopingverstoß eines deutschen Athleten ist eine Enttäuschung für den deutschen Sport mit seiner Null-Toleranz-Politik im Kampf gegen Doping, zeigt aber zugleich, dass die Kontrollsysteme funktionieren. Die Enttäuschung ist insbesondere bei einer so erfolgreichen Athletin wie Claudia Pechstein groß. Doping mit dieser wissenschaftlichen Expertise kann von einer Sportlerin nicht ohne Hilfe von Fachleuten bewerkstelligt worden sein. Deshalb fordern wir Claudia Pechstein in ihrem wohlverstandenen Interesse zur umfassenden Aufklärung auf. Die Hintermänner müssen gemäß der gesetzlichen Anti-Doping-Bestimmungen des Arzneimittelgesetzes bestraft werden."

Michael Vesper (Dosb-Generalsekretär): "Der Dosb steht mit voller Überzeugung hinter dem indirekten Doping-Nachweis. Es ist gut und war notwendig, dass der CAS dafür in Anlehnung an die Position der Welt-Anti-Doping-Agentur Bedingungen formuliert hat, damit der Nachweis auch rechtssicher geführt werden kann."

Dagmar Freitag (Sportausschuss-Vorsitzende im Deutschen Bundestag): "Was sich abzeichnet, ist, dass der einzige Test mit A- und B-Probe verliert zugunsten einer Gesamtbetrachtung unterschiedlicher Faktoren. Diese Dinge werden wohl an Bedeutung hinzugewinnen. Damit erfährt die Dopingbekämpfung schon eine qualitative Änderung."

Gerd Heinze (Desg-Präsident): "Der CAS hat unsere Auffassung von Recht und Fair Play nicht geteilt. Das ist ein Tiefschlag für mein Rechtsempfinden. Wir müssen das Urteil akzeptieren und werden keine weiteren Stellen anlaufen. Wir sind dem Dopingkampf verpflichtet und müssen jetzt im Sinne unserer Satzungen und Richtlinien handeln. Es ist menschlich nicht möglich, Claudia wie eine heiße Kartoffel fallen zu lassen."

Dr. Michael Lehner (Rechtsexperte): "Dieses Urteil war zu erwarten. Wer zum CAS geht, muss mit einer ergebnisorientierten Entscheidung rechnen. So krass habe ich es allerdings nicht erwartet, das war ein Aburteilen. Mit den Werten, die der CAS als entscheidend ansieht, kann ich überhaupt nichts anfangen. Das Urteil ist ein herber Schlag für die Athletenrechte. Ich kann den Verbänden nur raten, das Urteil mit Vorsicht zu genießen und auf die neuen Verfahrensrichtlinien der Wada zu warten, die die Athletenrechte besser schützen. Es wird aber sicherlich nun Hardliner geben, die schon jetzt aus ihren Löchern kommen."

Fritz Sörgel (Dopingexperte): "Ich fühle mich in meiner Auffassung bestätigt. Ich habe nicht an ihre Blutkrankheit geglaubt. Aber nun hat zukünftig nicht jeder indirekte Beweis automatisch Erfolg. Es ist aber ermutigend für die, die an der Entwicklung indirekter Tests arbeiten."

Werner Franke (Dopingexperte): "Das kann niemanden überraschen. Das ist eigentlich schon Statement genug. Mehr will ich dazu sonst nicht sagen. Ich hatte vorher schon einiges gesagt und deshalb schon zuviel Zoff."

Jenny Wolf (500-m-Weltrekordlerin): "Das ist ein Schock. Ich war eigentlich positiv gestimmt, dass ihr Recht gegeben wird. Ich wünsche ihr weiter alles Gute, mehr kann ich nicht tun."

Helge Jasch (Desg-Teamchef): "Ich kann nur sagen, dass sie uns sportlich sehr fehlen wird. So viele von ihrem Schlag haben wir nicht."

© SID

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