Reichtum hat ihm der Sieg im Vorjahr nicht eingebracht
Immer schön locker bleiben

Faris Al-Sultan will am Samstag auf Hawaii seinen Ironman-Titel verteidigen – mit einer ungewöhnlichen Einstellung.

MÜNCHEN. Immer locker bleiben, selbst wenn man nach einen Erdbeben in Hawaii zum Triathlon antritt. „Wer verkrampft, der verliert Kraft“, sagt Faris Al-Sultan vor dem Ironman am Samstag. Normann Stadler, 2004 Sieger auf Hawaii, ist so ein besessener Typ, wie Faris Al-Sultan nie einer werden will. Im vergangenen Jahr hat Al-Sultan den Gegenentwurf seiner selbst auf Hawaii entthront. Stadler war nach zwei Reifendefekten entnervt vom Rad gestiegen, Al-Sultan lief wenige Stunden später als Erster auf dem Alii Drive in Kona über die Ziellinie.

Trotz Hungerast beim Radfahren. Die Helfer hatten gepennt und Al-Sultan an der Verpflegungsstation keine Tüte hingehalten. Bei einem Acht-Stunden-Wettkampf in sengender Hitze, der eigentlich aus vier Disziplinen besteht – schwimmen, Rad fahren, laufen und essen –, ist das der Anfang vom Ende. Al-Sultan aber trat unverdrossen in die Pedale, bis die nächste Versorgungsstelle kam. Der Mann mit dem arabischen Namen und dem bayerischen Dialekt erholte sich und gewann den härtesten Triathlon der Welt.

Anschließend ging Al-Sultan ins nächste Fastfood-Restaurant und schob sich sechs Portionen Burritos zwischen die Kiemen. In einer Branche, in der der Körper wie eine Höchstleistungsmaschine gehegt und gepflegt wird, praktisch ein Sakrileg. „Du musst dir auch mal was gönnen“, lautet dagegen Al-Sultans Maxime. „Nur dann bist du glücklich und kannst Leistung bringen.“

Wie leistungsstark er zurzeit gerade ist, wird sich am Samstag herausstellen, wenn er in Hawaii zur Titelverteidigung antritt. Für sein dafür nötiges Glück hat der 28-Jährige jedenfalls auch dieses Jahr gesorgt. Ab und an ist er mit Freunden in die Disco gegangen und hat ein Bierchen oder einen Wodka getrunken. Nicht jeden Abend. Aber zwischendurch mal. „Ich trainiere hart, fünf bis sechs Stunden am Tag“, sagt Faris Al-Sultan. Da brauche man mal Abwechslung. „Zumindest ich“, fügt er hinzu.

Obwohl der Sohn einer Deutschen und eines Irakers auch in der Saison Nummer eins nach seinem großen Triumph die Selbstkasteiung ablehnt und weiter auf den Spaß- und Wurschtigkeitsfaktor baut, musste er feststellen: Wenn man einmal den Ironman auf Hawaii gewonnen hat, ist es nicht mehr so leicht stets locker zu bleiben. „Der Druck ist größer geworden“, gibt Al-Sultan zu. Jener Druck, den sich der Champion selber macht und auch der, den die Öffentlichkeit aufbaut. Seit seinem Coup auf der Pazifikinsel ist der dritte deutsche Hawaii-Ironman-Sieger nach Hellriegel und Stadler ein gefragter Mann. „In den Jahren zuvor habe ich fünf Interviews in zwölf Monaten gegeben“, sagt Al-Sultan. „Jetzt gibt es fünf Interviewanfragen pro Woche.“

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