Reiten International
Kutscher muss sich vor FEI-Tribunal verantworten

15 Monate nach Olympia und anhaltender Doping-Vorwürfe hat sich der Reit-Weltverband dazu entschieden, den deutschen Springreiter Marco Kutscher vor das FEI-Tribunal zu zitieren.

Schwerer Schlag mit Verspätung gegen den deutschen Reitverband: Rund 15 Monate nach Ende der Olympischen Spiele hat der Weltverband FEI auf seiner Generalversammlung in Kopenhagen wegen der anhaltenden Doping-Gerüchte weitreichende Konsequenzen gegen die deutsche Mannschaft angekündigt. So muss sich Springreiter Marco Kutscher demnächst für die unangemeldete Behandlung seines Pferdes Cornet Obolensky vor dem Gericht des Verbandes (Tribunal) in Lausanne verantworten. Ihm droht eine Sperre oder eine Geldstrafe.

"Zu dem Thema ist eigentlich alles gesagt. Jetzt kann ich nur noch abwarten", sagte Kutscher in einer ersten Reaktion. Zudem soll der damalige deutsche Mannschaftstierarzt Björn Nolting von der Liste der FEI-Tierärzte gestrichen werden. Nolting war bereits nach Olympia von seinem Amt zurückgetreten.

Außerdem soll der ehemalige Generalsekretär des deutschen Verbandes (FN), Hanfried Haring, seinen Platz im FEI-Bureau, dem mächtigen Führungsorgan des Verbandes, verlieren. Beiden wird Mitwisserschaft im Falle Cornet Obolensky vorgeworfen. "Über Harings Abwahl kann nur die Vollversammlung am Donnerstag entscheiden. Deshalb muss man in dem Punkt abwarten", sagte FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach.

FEI hofft auf endgültige Klärung

Die FEI reagierte damit auf bislang unveröffentlichte Empfehlungen einer Untersuchungskommission unter dem Briten Lord Stevens. Die Kommission wurde einberufen, um die Vorfälle bei Olympia auf der "Stallgasse" von Hongkong endgültig zu klären. Kutschers Pferd Cornet Obolensky war nach dem ersten Umlauf im Nationenpreis unangemeldet mit den Substanzen Lactanase und Arnica behandelt worden, so dass der Verdacht einer verbotenen Medikation im Raume steht.

Auch Haring soll den Vorfall mitbekommen haben und deshalb seinen Platz im mächtigen Bureau der FEI verlieren. Seine Funktion als internationaler Richter soll er allerdings weiterhin ausüben können, weil er in diesem Amt in Hongkong nicht tätig war. Zudem sollen deutsche Funktionäre, die von den Vorfällen Kenntnis hatten, nicht mehr für ein Amt in der FEI-Führungsstruktur in Frage kommen. Dazu zählen der deutsche Reiter-Präsident Breido Graf zu Rantzau (Breitenburg) und der deutsche Springausschuss-Vorsitzende Peter Hofmann (Mannheim).

Soenke Lauterbach drängt auf Veröffentlichung

"Die Veröffentlichung dieser Inhalte wurde auch höchste Zeit. Wir drängen bei der FEI schon seit Wochen darauf, dass der gesamte Bericht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird", sagte Soenke Lauterbach, Generalsekretär der FN. Bislang waren immer nur Teile des Berichts an die Öffentlichkeit gelangt.

Der deutsche Verband betonte, dass er seine Mitglieder bei seiner Jahrestagung im Mai in Nürnberg über die Vorkommnisse in der deutschen Mannschaft bei den Olympischen Spielen informiert habe. Noch in Nürnberg habe die FN dem Weltreiterverband alle Erkenntnisse mitgeteilt, die seit Olympia vom deutschen Verband gesammelt wurden. Mehrmals hatte die FN die FEI aufgefordert, den kompletten Stevens-Bericht zu veröffentlichen, bis nun in Kopenhagen die Bombe platzte.

Derweil kassierte FEI-Präsidentin Prinzessin Haya bei der Versammlung in Kopenhagen eine Niederlage. Haya scheiterte bei ihrem Versuch, das Bureau als Führungsgremium der FEI umzugestalten. Die erwünschte Strukturreform wurde von den Deligierten in Kopenhagen abgelehnt und vertagt.

© SID

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