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Hans Günter Winkler feiert heute 80. Geburtstag

Der weltweit erfolgreichste Springreiter Hans Günter Winkler feiert heute seinen 80. Geburtstag. Sein Goldritt bei den Olympischen Reiterspielen 1956 in Stockholm gehört zu den Sternstunden deutscher Sportgeschichte.

Den Ruhestand hat Hans Günter Winkler längst noch nicht eingeläutet: Er fährt zur Jagd nach Österreich, spielt gern Tennis und ist Gast bei jedem größeren Reitturnier. Heute feiert der erfolgreichste Springreiter der Welt seinen 80. Geburtstag.

Goldritt 1956 ging in die Geschichte ein

Sein Goldritt bei den Olympischen Reiterspielen 1956 in Stockholm gehört zu den Sternstunden deutscher Sportgeschichte. Seit zwei Jahren jedoch steigt er nicht mehr aufs Pferd. Eine Operation an der Bandscheibe zwingt ihn dazu, mit beiden Füßen auf dem Boden zu bleiben.

"Ich habe noch oft 14-Stunden-Tage. Manchmal träume ich nachts von den Dingen, die ich noch alle erledigen muss", sagt der rüstige Jubilar. Der Geschäftsmann führt sein eigenes Marketing-Unternehmen, hat dem Reitsport etliche Sponsoren besorgt und organisiert Turniere in Eigenregie. "Ich habe großen Respekt vor einem, der im hohen Alter so viel für unseren Sport bewegt", sagt der viermalige Olympiasieger Ludger Beerbaum (Riesenbeck).

Weltweit erfolgreichster Springreiter

Wie kein anderer seiner Generation hat es Winkler verstanden, im entscheidenden Augenblick fit zu sein. Von 1956 bis 1976 nahm er an sechs Olympischen Spielen teil, und immer kehrte er mit einer Medaille heim. Die Bilanz von fünf Gold-, einer Silber- und einer Bronzemedaille bei Olympia weist ihn als weltweit erfolgreichsten Springreiter aus. Selbst Beerbaum mit viermal Olympiagold wird es schwer haben, den Altmeister einzuholen.

Mit einem unvergessenen Kraftakt leitete er am 17. Juni 1956 seinen internationalen Triumphzug ein und legte den Grundstein für die jahrzehntelange Erfolgsstory deutscher Springreiter. Zum zweiten Umlauf des olympischen Springens trat "HGW" auf seiner Stute Halla mit einer schweren Leistenverletzung an. Halla trug den sich vor Schmerzen krümmenden Winkler fehlerlos ins Ziel und damit zu Gold. "Halla war ein einzigartiges Tier, und wir waren ein eingespieltes Paar", sagt Winkler über seine Wunder-Stute, die am 19. Mai 1979 im Alter von 34 Jahren starb.

Erfolge hart erarbeitet

Mit dem Goldritt von Stockholm waren die große Karriere und ein Leben voller Ruhm und Luxus nach entbehrungsreichen Kriegsjahren vorgezeichnet. Viele sahen in Winkler einen Wunderknaben, doch er selbst bestritt dies, wusste nur zu gut, dass er sich die Erfolge hart erarbeiten musste und verlor nie die Bodenhaftung. "Man darf nicht abheben", lautete das Motto des Gentleman.

Winkler versteht sich heute mehr denn je als Repräsentant seiner Sportart, ganz so wie die von ihm geschätzten Max Schmeling oder Franz Beckenbauer. Auch zu seinem runden Geburtstag verschließt er sich nicht der Öffentlichkeit. Mit seiner Frau und 140 Freunden feiert er in der Nähe seines Heimatortes Warendorf in Westfalen.

Wenn im kommenden Monat die Weltreiterspiele in Aachen (20. August bis 3. September) starten, wird auch "HGW" wieder vor Ort sein, Verhandlungen mit Sponsoren führen, Autogramme schreiben und Erinnerungen austauschen. "Aachen ist die große Oper des Reitsports. Hier gibt es Zähneklappern, Heulen und Freudentränen", sagt der gebürtige Wuppertaler, der sich keinen besseren Ort für eine WM vorstellen kann: "Hier wird Reiten gelebt. Das Publikum ist einmalig."

"Wir sind wieder sehr stark"

Mit Blick auf die deutschen Reiter gerät Winkler ins Schwärmen: "Wir sind wieder sehr stark." Verdient hätte nach Einschätzung des 107-maligen Nationenpreisreiters Ludger Beerbaum den Einzel-Titel: "Er ist einfach mal dran, zumal ihm dieser Titel noch fehlt." Aber vor allem Marcus Ehning aus Borken sei ebenfalls ein heißer Kandidat: "Eine ruhige, ganz starke Persönlichkeit."

Wenn am 3. September die Entscheidung im Finale der Springreiter-WM fällt, wird "HGW" auf der Tribüne sitzen und die einzigartige Atmosphäre aufsaugen. "In der Soers habe ich große Erfolge gefeiert", erinnert er sich. Dort wurde er einst auch vom großen Sport verabschiedet. 1986, bei der letzten WM auf deutschem Boden in der Reitsport-Oper von Aachen.

© SID

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