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Reiter-Verband räumt Fehler im Fall Ahlmann ein

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung hat bestätigt, vor Olympia in den schriftlichen Vereinbarungen keine Sanktionen für einen Verstoß gegen die Dopingregeln aufgeführt zu haben.

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung FN hat im Fall des seit Olympia gesperrten Springreiters Christian Ahlmann (Marl) erstmals Fehler eingeräumt. Bei den schriftlichen Vereinbarungen, die der Verband im Vorfeld der Olympischen Spiele von Hongkong mit den Reitern getroffen hatte, seien keine Sanktionen für den Fall eines Verstoßes gegen die Dopingregeln aufgeführt worden. Das bestätigte die FN am Mittwoch in Warendorf.

"Vielleicht war ich da etwas naiv", meinte Reinhard Wendt. Der Geschäftsführer des Deutschen Olympiade Komitees für Reiterei (Dokr) war der Meinung, dass die Athleten durch die Abmachungen mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (Dosb) von drohenden Sanktionen unterrichtet gewesen seien. Außerdem habe er ein anderes Verhalten vorausgesetzt. "Ich bin davon ausgegangen, dass sich die Reiter auch ohne Androhung von Sanktionen an die Abmachungen halten. Da war ich wohl zu gutgläubig", sagte Wendt.

Reiter sauer auf die FN

In der vergangenen Woche hatte die FN gegen Ahlmann, dessen Pferd bei Olympia in Hongkong positiv auf das im Wettkampf verbotene Mittel Capsaicin getestet worden war, neben der viermonatigen Sperre durch den Weltreiter-Verband FEI zusätzliche Sanktionen ausgesprochen und sich damit den Zorn vieler Reiter zugezogen.

Warendorf hatte festgelegt, dass Ahlmann in den nächsten zwei Jahren nicht mehr für eine deutsche Mannschaft starten darf. Zudem wurde nach der FEI-Entscheidung der Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne angekündigt.

Verbands-Spitze dachte an Rücktritt

Wendt, FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau und Generalsekretär Hanfried Haring gaben zu, dass ihnen die Debatte um Ahlmann in den vergangenen Wochen sehr nahe gegangen sei und sie sogar an Rücktritt gedacht hätten. "Bei mir hätte das aber ein bisschen komisch ausgesehen, weil ich meinen Posten zum Ende des Jahres sowieso räume", sagte Haring. Wendt räumte ein: "Ich habe sehr intensiv über den Schritt nachgedacht. Doch ich wurde von vielen Seiten bestärkt, meine Arbeit fortzusetzen." Auch der ehrenamtliche Präsident Graf zu Rantzau sprach von Rücktrittsgedanken.

Das zuletzt arg beschädigte Verhältnis zwischen Verband und Reitern soll in naher Zukunft wieder gekittet werden. Der viermalige Olympiasieger Ludger Beerbaum (Riesenbeck) hatte nach der harten Strafe für Ahlmann angekündigt, dass er die weitere Zusammenarbeit mit der FN überprüfen müsse.

Neue Regelungen in Sicht

"Das ist doch klar. Wenn man so lange gemeinsam zu einem Team gehört, setzt man sich für seinen Kollegen ein. Aber ich bin sicher, dass Ludger Beerbaum wieder auf uns zukommt", sagte Haring.

Die Forderung der 27 wichtigsten Turnierveranstalter Deutschlands, dass sich der Verband in Zukunft einem nationalen Sportgericht unterwirft, welches auf der Basis des Nada-Codes Urteile fällt, begrüßte die FN generell. "In ein paar Punkten sehen wir aber Probleme bei der Umsetzung", sagte Haring. So würden die bei der Nationalen Anti-Doping-Agentur üblichen Trainingskontrollen eine große logistische Herausforderung darstellen.

© SID

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