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WM-Verzicht europäischer Reiter möglich

Der Präsident des deutschen Reiter-Verbandes FN, Breido Graf zu Rantzau, hält im Streit zwischen dem Reiter-Weltverband und nationalen Verbänden einen WM-Verzicht 2010 für möglich.

Im Streit zwischen dem Reiter-Weltverband FEI und zahlreichen nationalen Verbänden hält Breido Graf zu Rantzau, Präsident des deutschen Verbandes FN, sogar einen Verzicht der Europäer auf die WM 2010 in Kentucky für möglich. "Es ist denkbar, dass die europäischen Nationen nicht bei der WM antreten werden, weil dort ungleiche Bedingungen herrschen", sagte der Reiter-Chef am Samstag am Rande des 25. German Masters in der Stuttgarter Schleyerhalle.

Die FEI hatte am vergangenen Donnerstag auf ihrer Generalversammlung in Kopenhagen eine gelockerte Medikationsliste abgesegnet, die es Reitern erlaubt, Mittel einzusetzen, die vorher auf der Verbotsliste standen. Als besonderes Problem erweist sich dabei die wieder möglich gewordene Anwendung des Schmerzmittels Phenylbutazon für Pferde.

Widerstand angekündigt

"Dieses Mittel macht lahme Pferde fit. So etwas verstößt bei uns gegen das Tierschutzgesetz und wird mit einer Geldstrafe geahndet", sagte der FN-Jurist Joachim Wann. Ähnlich gelagert ist die Situation auch in anderen Ländern wie etwa in Frankreich, der Schweiz, Schweden und Norwegen, die ebenfalls bereits ihren Widerstand gegen die gelockerte Medikationsliste angekündigt haben.

Graf Breido zu Rantzau erklärte in Stuttgart, dass viele der FEI-Mitglieder offenbar bei der mit 53:48 Stimmen knapp ausgefallenen Abstimmung über die Zulassung der Medikationsliste getäuscht worden seien: "Viele hatten bei der Abstimmung gedacht, dass es sich um eine ältere Liste vom 20. Oktober handelt, die so genannte 'current list'. Dies ist auch am Vortag der Abstimmung bei einem Workshop so angedacht gewesen. Doch dann legte man plötzlich doch die im Workshop abgelehnte 'progressive list' vor. Doch offenbar hat dieser Vorgang viele Mitglieder verwirrt."

Rechtmäßigkeit wird geprüft

Breido zu Rantzau zweifelt daher an, dass diese Abstimmung rechtlichen Bestand habe. Zudem werde in vielen Mitgliedsländern geprüft, ob diese Liste mit dem nationalen Recht vereinbar ist. Der französische Verband hat bereits mitgeteilt, dass diese Liste gegen französisches Recht verstoße.

Die FN will bei nationalen Turnieren an seinem eigenen Regelwerk festhalten, wonach ein Pferd im Wettkampf frei von wirksamen Substanzen sein muss. Problematisch wird es aber bei den vielen international ausgeschriebenen Turnieren in Deutschland. Normalerweise habe das staatliche Recht immer Vorrang. "Hier müssen wir jetzt genau prüfen", sagte Jurist Joachim Wann.

"Desaster"

Von einem "Desaster" und "deutlichen Rückschritt auf dem Weg hin zu einem sauberen Pferdesport" hatte FN-Generalsekretär Soenke Lauterbach nach der Abstimmung gesprochen.

Die "Progressive List", die wohl vor allem auf Drängen der Pharmaindustrie Einzug ins Regelwerk gehalten haben soll, sieht vor, dass Phenylbutazon bis zu einem Grenzwert von acht Mikrogramm erlaubt wird. Das ist viermal so hoch wie vor dem Verbot in den 90er Jahren. Ebenfalls zulässig sind die Schmerzmittel Flunixin und Acetylsalicylsäure (ASS).

Bronchitis-Medikament auf der Liste

Enthalten sind auf der Liste auch Dichloroacetate (zur Behandlung von Muskelschäden), Isoxuprine (durchblutungsfördernde Mittel zur Behandlung bei Hufrollenentzündung) oder auch der Schleimlöser Acetylcystein (ACC), der zum Beispiel bei der Behandlung von Bronchitis zur Anwendung kommt.

Ebenfalls ermöglicht wird der Einsatz des Stärkungsmittels Lactanase, mit dem das Pferd Cornet Obolenski von Springreiter Marco Kutscher bei Olympia 2008 unerlaubterweise behandelt worden war.

© SID

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