Reiten Springreiten
Michaels-Beerbaum holt Bronze im Einzel

Zum Abschluss der Weltreiterspiele in Aachen hat Meredith Michaels-Beerbaum auf ihrem Pferd Shutterfly Bronze in der Einzelentscheidung der Springreiter gewonnen. Es siegte der Belgier Jos Lansink auf Cumano.

Die deutsche Equipe hat zum Abschluss der Weltreiterspiele in Aachen noch eine Medaille eingeheimst. Meredith Michaels-Beerbaum aus Thedinghausen holte in der Einzelentscheidung der Springreiter die Bronzemedaille. Im Stechen des Vierer-Finales mit Pferdewechsel hatte die Amazone auf Shutterfly einen Abwurf und musste sich mit Platz drei zufrieden geben. Gold ging an den Belgier Jos Lansink auf Cumano, der als einziger fehlerfrei blieb.

"Natürlich bin ich etwas enttäuscht, doch ich kann auch stolz sein, dieses Finale und diese Medaille erreicht zu haben", sagte die 36-Jährige, die sich als einzige Deutsche für die Runde der letzten Vier qualifiziert hatte. Die 48 000 Zuschauer waren begeistert von der Leistung der gebürtigen US-Amerikanerin und feierten Michaels-Beerbaum, die zuvor bereits mit der deutschen Mannschaft die Bronzemedaille gewonnen hatte.

Die Enttäuschung hielt sich auch deshalb in Grenzen, weil die 36-Jährige vor der WM nie so richtig an das Einzelfinale gedacht hatte: "In der Mannschaft habe ich mir schon eine Medaille ausgerechnet. Da waren wir Favoriten. Aber an die Einzelwertung habe ich nicht gedacht. Umso mehr freue ich mich über Bronze."

Es war das erste Mal bei Weltreiterspielen, dass die Entscheidung in einem Stechen fallen musste. Der 45 Jahre alte Lansink verwies dabei die 42 Jahre alte US-Amerikanerin Beezie Madden auf Platz zwei und holte das erste Einzel-Gold im Springreiten für seine Wahlheimat. Madden verzeichnete zwar ebenfalls einen Abwurf, war aber 66 Hundertstelsekunden schneller als ihre deutsche Rivalin. Nur der undankbare vierte Platz blieb der 32 Jahre alten Australierin Edwina Alexander mit Pialotta.

Bundeskanzlerin Merkel in Aachen

Vor den Augen von Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigten alle Finalteilnehmer zunächst keine Nerven und blieben allesamt in den ersten drei Umläufen fehlerfrei. Nachdem Edwina Alexander patzte, gingen die drei Medaillengewinner mit ihren eigenen Pferden ins entscheidende Stechen, das Lansink für sich entschied.

Der Belgier gehört seit drei Jahrzehnten zur Weltspitze und hat seit 1988 an allen Olympischen Spielen teilgenommen. 1992 in Barcelona gewann er mit der niederländischen Equipe die Goldmedaille. Im Jahr 2001 wechselte der Weltranglisten-13. die Nationalität und reitet für Belgien, wo er als Bereiter im Gestüt von Leon Melchior arbeitete. Mittlerweile führt Lansink seinen eigenen Hof in Lanaken in der Nähe der deutschen Grenze.

Das deutsche Springreiten wartet weiterhin auf das erste Einzel-Gold seit 1994. Damals gewann Franke Sloothaak (Borgholzhausen) in Den Haag mit Weihaiwei. Zuvor hatte es fünfmal WM-Gold gegeben durch Hans Günter Winkler (Warendorf) 1954 mit Halla und 1955 mit Orient, Hartwig Steenken (Wedemark) 1974 mit Simona, Gert Wiltfang (Thedinghausen) 1978 mit Roman sowie Norbert Koof (Willich) 1982 mit Fire.

Ludger Beerbaum verpasst Finale

Der viermalige Olympiasieger Ludger Beerbaum war am Samstag als Fünfter "hauchdünn" an der Final-Teilnahme vorbeigeschrammt und wurde zur tragischen Figur. Der Einzel-Titel ist die einzige große Auszeichnung, die dem 43 Jahre alten Riesenbecker noch fehlt. "In solchen Momenten denkt man auch an Rücktritt. Ich habe aber noch mal die Kurve gekriegt und werde weitermachen", sagte der 43-Jährige.

Der Frust bei Beerbaum saß tief: "Das war eine ganz bittere Erfahrung, aber nicht unbedingt meine größte sportliche Niederlage. Der Sturz bei der WM vor vier Jahren in Jerez oder die aberkannte Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Athen 2004 haben mich genauso frustriert. Jetzt sieht es danach aus, dass ich 2010 in Kentucky noch einen Anlauf nehmen werde."

Am Abend nach dem WM-Aus flüchtete Beerbaum in die Nacht. Mit einigen Springreiter-Kollegen wie Marcus Ehning (Borken) wurde er noch lange am Bierstand auf dem Turniergelände gesehen. "Es ist ganz spät geworden. Gegen 3.00 Uhr morgens war ich erst wieder zurück", sagte Beerbaum, der jedoch kein schlechtes Gewissen hatte: "Das hat mir gutgetan."

Den Sprung ins Halbfinale der besten 25 hatten zuvor Marcus Ehning mit der neun Jahre alten Stute Küchengirl und Christian Ahlmann (Marl) mit dem 13 Jahre alten Wallch Cöster verpasst. Der ehemalige Doppel-Europameister Ahlmann rangiert im Endklassement mit 16 Fehlerpunkten auf dem 37. Rang. Ehning wurde aus der Wertung genommen, nachdem er im Parcour mit Küchengirl in die Mauer gerast war. "Seitdem habe ich einen neuen Spitznamen: Mauer Ehning", sagte der Weltranglisten-Erste mit einem Schmunzeln.

© SID

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