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Springreiter zittern nach WM-Fehlstart um Gold

Die favorisierten deutschen Springreiter haben bei der Reit-WM in Aachen einen klassischen Fehlstart hingelegt. Nach dem Zeitspringen belegt die Equipe von Bundestrainer Kurt Gravemeier nur den sechsten Platz.

Den Start in die Reit-WM in Aachen haben sich die deutschen Springreiter sicher anders vorgestellt. Die Gastgeber erlaubten sich im Zeitspringen vier Abwürfe und müssen plötzlich um das anvisierte Gold zittern. Vor der Entscheidung im Nationenpreis (Mittwoch und Donnerstag) liegt die deutsche Equipe nur auf dem sechsten Platz (10,16 Punkte).

Krisenmanager Beerbaum

Ausgerechnet Wackelkandidat Ludger Beerbaum erwies sich als Krisenmanager: "Ruhig bleiben, einen vernünftigen Job machen und den Glauben nicht verlieren - am Donnerstagabend wird abgerechnet", kündigte der Leader im deutschen Team an. "So richtig weiß ich auch nicht, woran es gelegen hat. Das waren halt alles so Fehler, die mal passieren können. Wir hatten einen schlechten Tag. Das darf man nicht überbewerten", meinte der 43-Jährige.

Auch Bundestrainer Kurt Gravemeier gab sich kämpferisch: "Das waren alles Reiterfehler. Wir liegen aber nur einen Abwurf zurück. Es ist noch alles möglich, wir müssen jetzt nur beißen." Der Bundestrainer hatte kurz daran gedacht, die Reihenfolge der Starter zu verändern: "Letztendlich haben wir aber doch darauf verzichtet."

Der Rückstand auf die mit 6,01 Punkten führenden Niederländer beträgt 4,15 Zähler, also bereits mehr als einen Abwurf. Dahinter folgen die USA mit 6,85 Punkten. Überraschend Dritte sind trotz des Ausfalls von Olympiasieger Rodrigo Pessoa die auf drei Starter geschrumpften Brasilianer mit nur 0,14 Punkten hinter den USA. In der Einzelwertung führt die US-Amerikaner Bezzie Madden mit Authentic vor dem Kanadier Eric Lamaze mit Hickstead und dem Niederländer Gerco Schröder mit Berlin.

"Das war katastrophal"

"Das war katastrophal, ein krasser Reitfehler. Das ist nicht zu entschuldigen. Das nehme ich auf meine Kappe", sagte Marcus Ehning (Borken), der in der Einzelwertung nur den 24. Platz belegt. Ausgerechnet der hoch eingeschätzte Weltranglisten-Erste patzte vor 45 000 Zuschauern im großen Reiterstadion und steuerte zwei der vier Fehler bei: "Bis zum ersten Fehler ist die Stute überragend gegangen. Doch dann wollten wir zu viel. Ich habe zuviel riskiert."

Ebenfalls Unsicherheiten zeigte Meredith Michaels-Beerbaum (Thedinghausen/30.), die mit ihrem 13 Jahre alte Wallach Shutterfly einen Abwurf hatte. Auch Christian Ahlmann (Marl/32.) erwischte mit dem 13 Jahre alten Wallach Cöster konnte nicht überzeugen und lieferte als Schwächster des Quartetts das Streichergebnis.

Lediglich Routinier und "Wackelkandidat" Ludger Beerbaum (19.) blieb mit seinem zehn Jahre alten Wallach L´Espoir fehlerlos. "Ich bin erleichtert. Wichtig ist, dass der Abstand zum Führenden nicht mehr als vier Fehlerpunkte beträgt. So hält man Anschluss zur Spitze", sagte Beerbaum.

Der 43-Jährige verzichtete wegen der Unerfahrenheit seines Pferdes auf ein zu hohes Risiko und lag damit richtig. Auch die originell gestalteten Hindernisse im Stadion bedeuteten für das Paar kein Hindernis: "Ob blaues Deutsche-Bank-Logo oder rote Currywurst mit Pommes, das ist doch egal", sagte Beerbaum mit einem Schmunzeln.

"Der Fehler hat mich selbst überrascht"

Seine Schwägerin Michaels-Beerbaum war hingegen enttäuscht: "Das ist schade. Ich hatte eigentlich ein super Gefühl. Vor dem Wassergraben habe ich einen Galoppsprung weniger genommen, bin früher abgesprungen und schon war es passiert", ärgerte sie sich. Der 31 Jahre alte Ahlmann wollte seinen Patzer ebenfalls nicht schönreden. "Das war nicht einmal der schwerste Sprung im Parcours. Der Fehler hat mich selbst überrascht."

Nach seinem Ritt nahm Beerbaum auch Stellung zu der Diskussion, die olympischen Reiter-Wettbewerbe im Jahr 2008 wegen des heißen Klimas von Hongkong nach Aachen zu verlegen. "So gerne ich in Aachen bin, das wird hier nicht stattfinden. Aachen ist zwar das Nonplusultra im Pferdesport, doch wir sollten nach den vielen Diskussionen das Kapitel jetzt schließen und Hongkong unterstützen."

Relativ gelassen reagierte Beerbaum auf die Kritik seines ehemaligen Championats-Kollegen Franke Sloothaak, der Beerbaums Nominierung wegen der Unerfahrenheit des Pferdes kritisert hatte. "Wenn das die Meinung von Franke ist, ist das in Ordnung. Ich nehme ihm das nicht übel. Wir haben uns heute schon wieder unterhalten. Ich glaube nicht, dass L´Espoir zu unerfahren ist." Den Beweis lieferte er schnell.

Überraschend nicht am Start war der irische Springreiter Cian O´Connor, der im Jahr 2004 wegen Dopings bei seinem Pferd Waterford Crystal die Goldmedaille bei den olympischen Spielen in Athen verloren hatte. "Mein Pferd hat sich beim Abschlusstraining am Montag eine leichte Knöchelverletzung zugezogen. Deshalb habe ich lieber auf einen Start verzichtet", sagte der Ire, der wieder mit Waterford Crystal starten wollte.

© SID

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