Reitsport
Profi-Reiter suchen neue Geldgeber

Bei über einer Million Pferde und Ponys und rund 1,2 Millionen Liebhabern hat der Pferdemarkt in Deutschland eine beachtliche Größe erreicht. Auch wenn den Großen Turnieren die Sponsoren abspringen: Das Reitpferd aus deutscher Zucht ist immer noch ein erfolgreiches Exportgut.

ESSEN. Von solchen Wertsteigerungen können die meisten Anleger derzeit nur träumen: Eberhard Senckenberg gab 120 000 Euro für ein Pferd aus, das inzwischen ein Vielfaches wert ist. „Ich habe bereits Angebote von mehr als einer Million Euro erhalten“, sagt der Leiter des Bayerischen Haupt- und Landgestüts Schwaiganger. Das Gestüt gehört dem Freistaat Bayern. Dessen wichtigste Aufgabe ist es, die bayerische Pferdezucht zu fördern und neue hochwertige Hengste zu züchten.

Und dabei hat der Landstallmeister – so die offizielle Bezeichnung von Senckenbergs Job – ein geschicktes Händchen bewiesen. Als er seinen Bestand an Hengsten erneuern musste, wurde er bei einer Auktion des Trakehner Verbandes in Neumünster fündig. Für 120 000 Euro ersteigerte er im Namen des Gestüts den dunkelbraunen Hengst „Imperio“.

Ein Glücksgriff, denn nach weiterer Ausbildung entwickelte sich das Pferd so prächtig, dass es im vergangenen Jahr das Bundeschampionat der fünfjährigen Dressurpferde in Warendorf mit Bestnoten gewann. „Imperio“ war damit im Jahr 2008 das beste fünfjährige Pferd in ganz Deutschland.

Das trieb den Preis des Hengstes in die Höhe. Verkäuflich ist er dennoch nicht – denn der Besitzer verdient mit ihm auch so Geld: Mit einer Decktaxe von 1 400 Euro pro Stute wird er schon bald nicht nur seinen Einstandspreis, sondern auch seinen aktuellen Marktwert einspielen. Liebhaber für schöne Reitpferde lassen sich nicht lumpen: 1,1 Mio. Euro war der Siegerhengst „Le Champion Ask“ des Springpferdezucht-Verbands Oldenburg beispielsweise dem dänischen Gestüt Blue Horse wert. Der hohe Einsatz wird sich für den neuen Besitzer ebenfalls rechnen, denn überragende Hengste stellen gewissermaßen ein Patent dar – sie bieten die Gene für eine weitere gute Pferdezucht.

Auch wenn solch teure Talente die Ausnahme bleiben: Bei über einer Million Pferde und Ponys und rund 1,2 Millionen Liebhabern in Deutschland erreicht der Pferdemarkt einen Wert von rund fünf Mrd. Euro. Zum Vergleich: Der gesamte deutsche Spielzeugmarkt kommt nur auf etwa 3,5 Mrd. Euro.

Der Markt rund ums Pferd reicht vom Hufkratzer für wenige Cent über einige Hundert Euro teure Sattel, spezielle Reitkleidung und Pferdeanhänger bis hin zur großen Reitanlage. Dazu kommt eine umfangreiche Literatur: Es gibt mehr als 1 300 Bücher, die das Pferd zum Thema haben. Auch Reiseanbieter locken Kunden mit Urlaubsreisen hoch zu Ross. Nicht zuletzt profitieren Tierärzte und Hufschmiede von der Begeisterung der meist kaufkräftigen Klientel. Insgesamt verdienen so mehr als 300 000 Menschen in Deutschland ihren Lebensunterhalt direkt oder indirekt durch Pferd und Pferdesport.

Wie groß das Interesse ist, kann jeder erleben, der sich in diesen Tagen nach Essen begibt, wo die weltgrößte Pferdesportmesse „Equitana“ stattfindet. Mehr als 200 000 Besucher können auf dieser Schau nicht nur Pferde der verschiedenen Rassen anschauen, Shows und Lehrveranstaltungen besuchen, sondern auch kräftig einkaufen – und dabei womöglich sogar ein neues Pferd erstehen.

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