Rennstall gibt sich kämpferisch
T-Mobile will auch ohne Ullrich auftrumpfen

Auch am Tag nach der Suspendierung von Jan Ullrich herrscht beim Team T-Mobile noch Katerstimmung. Trotzdem wird der Rennstall "ein sehr starkes Team" zur Tour de France schicken, sagte ein T-Mobile-Sprecher.

Jan Ullrich scheint immer mehr im Doping-Sumpf zu versinken. In den Dokumenten der spanischen Polizei wird Deutschlands "gestürztes Radsport-Monument" (L´Equipe) neben Blutdoping auch der Gebrauch von Wachstumshormonen (HGH) und Testosteron unterstellt. Dies berichtete das französische Sportblatt nach der Suspendierung des T-Mobile-Kapitäns von der Tour de France.

Auf die Spuren von Ullrichs sportlichem Leiter Rudy Pevenage kamen die Ermittler durch mehrere SMS, die der Belgier an "Dopingarzt" Eufemiano Fuentes nach Madrid schickte. Durch dessen eigene Notizen unter den Stichworten "Jan" und "Hijo Rudicio" (Rudis Sohn) wurde die Indizienkette geschlossen.

"Nie Auffälligkeiten entdeckt"

T-Mobile-Teamarzt Dr. Lothar Heinrich zeigte sich am Tag danach noch immer von den Vorwürfen und ihrem Ausmaß erschüttert. Der Mediziner von der Uniklinik Freiburg, der Ullrich seit rund einem Jahrzehnt betreut hat, sagte dem Sport-Informations-Dienst (sid): "Wir haben nie Auffälligkeiten entdecken können, weil sowohl Blutdoping wie auch HGH außerhalb von IOC-Labors bislang in keiner Weise nachweisbar sind. Diese Labors arbeiteten aber exklusiv im Auftrag des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und der Welt-Antidoping-Agentur Wada. Wir hätten ihnen nie eigene Proben zur Untersuchung schicken können, selbst wenn wir einen Verdacht gehabt hätten."

Durch dieses geschlossene System soll verhindert werden, dass Dopingsünder ihre Methoden aufgrund der Labor-Ergebnisse verfeinern. Heinrich stellte aber fest: "Wir Mediziner sind in der Bringschuld. Wir werden uns jetzt mit anderen Spezialisten zusammensetzen und ihnen unsere Untersuchungen vorlegen, um nach Wegen zu suchen, die uns möglicherweise nachträglich neue Erkenntnisse bringen. Auch, um künftig besser gewappnet zu sein."

Italiens Girosieger Ivan Basso (CSC) war unter seinem später geknacktem Code-Namen "Birillo" in einem Telefonat zwischen Fuentes und Jose Ignacio Labarta, dem sportlichen Leiter des von der Tour wieder ausgeladenen Rennstalls Comunidad Valenciana, als Mitglied des Kreises erwähnt worden, der wie Ullrich beim "Mai-Festival" (Giro) Unterstützung brauche. Der Ansbacher Jörg Jaksche (Astana-Würth) soll wie der Spanier Oscar Sevilla (T-Mobile) beim Betreten der Fuentes-Klinik beobachtet worden sein.

"Auch ohne Ullrich und Sevilla starkes Team"

Bei T-Mobile war zu Tour-Beginn "die Lähmung vom Vorabend" (Teamsprecher Christian Frommert) langsam gewichen. "Wir sind davon überzeugt, auch ohne Ullrich und Sevilla ein sehr starkes Team in die Rundfahrt zu schicken. Wir wollen gut über die erste Woche kommen und beim Zeitfahren der siebten Etappe ein erstes Zeichen setzen" Dann werde auch entschieden, wer die Kapitänsrolle erhalte.

Eine endgültige Entscheidung im Fall Ullrich ist von Seiten des Sponsors und der Teamleitung laut Frommert nicht kurzfristig zu erwarten: "Jan muss zu Hause Abstand gewinnen. Wir geben ihm wie auch Sevilla und Pevenage die Chance, ihre Unschuld zu beweisen, und üben dabei keinen Zeitdruck aus. Wir haben unsere Haltung schnell und deutlich klar gemacht, mit blindem Aktionismus ist niemandem gedient."

Astana-Team mit zu wenig Fahrern

Nach Basso und Ullrich war am Freitagabend die Tour auch für den dritten Top-Favoriten Alexander Winokurow vorzeitig beendet, obwohl der Kasache selbst nicht beschuldigt wird. Sein Astana-Team hätte durch den Ausschluss von fünf Fahrern nur noch ein Vierer-Aufgebot an den Start bringen können, eine Mannschaft muss jedoch beim Prolog aus mindestens sechs Fahrer stellen.

Damit war es Tour-Veranstalter ASO doch noch gelungen, den unerwünschten Rennstall auszuschließen, nachdem der Internationale Sportgerichtshof CAS dies am Donnerstag noch abgelehnt hatte. "Ich halte das Startverbot für absolut richtig", sagte Gerolsteiners Teamchef Hans-Michael Holczer. "Wir dürfen uns nicht mehr von unserer klaren Linie abbringen lassen."

Spanier Valverde mit Favoritenrolle

Der Amerikaner Levi Leipheimer (Gerolsteiner) ist nach dem Aus für das Top-Trio und den Vorjahres-Vierten Francisco Mancebo der bestplatzierte Fahrer des Vorjahres. Die größten Chancen werden jetzt allerdings dem Spanier Alejandro Valverde (Caisse d´Epargne), Phonak-Kapitän Floyd Landis (USA) und vor allem Discovery Channel eingeräumt. Das Ex-Armstrong-Team hat mit Jose Azevedo (Portugal), George Hincapie (USA), Jaroslaw Popowitsch (Ukraine) und Paolo Savoldelli gleich vier starke Rundfahrer in seinen Reihen.

© SID

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