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„Riese“ Popp maßgeschneidert für Wimbledon

Wie einst Boris Becker kennt der 2,01 Meter große Alexander Popp nur drei Jahreszeiten: Vor Wimbledon, während Wimbledon und nach Wimbledon.

dpa LONDON. Wie einst Boris Becker kennt der 2,01 Meter große Alexander Popp nur drei Jahreszeiten: Vor Wimbledon, während Wimbledon und nach Wimbledon.

Vielleicht ist es das britische Blut, das in seinen Adern fließt. Vielleicht ist es seine Art zu spielen, die ihn auf dem Heiligen Rasen zu einem Riesen macht. Vielleicht ist es aber auch ganz einfach Wimbledon, das den Tennisprofi zu einem anderen Spieler werden lässt als die restlichen 50 Wochen im Jahr.

Wie so oft hatte das Jahr für den ruhigen und besonnenen Popp mit Verletzungspech begonnen. Eine Schulteroperation hatte ihn im vorigen Herbst nach den US Open sieben Monate auf Eis gelegt. Zurück auf der Tour konnte der vor seiner Zwangspause knapp unter der 100er-Grenze postierte Mannheimer vor Wimbledon nicht ein Match gewinnen. Selbst auf dem geliebten Rasen lief es erschreckend schlecht.

Doch als Popp endlich wieder die nach Tradition riechende Luft von Wimbledon einatmen konnte, sog er gleichsam Zug für Zug unaufhörlich Selbstvertrauen in sich hinein und feierte prompt den ersten Sieg der Saison. "Ich kann das auch nicht erklären", sagte er später und mühte sich nach dem hart erkämpften Einzug in die dritte Runde erst gar nicht mehr, das Phänomen zu ergründen. "Ich bin beeindruckt, vor allem von seiner Nervenstärke", sagte Daviscup-Kapitän Patrik Kühnen nach dem Krimi gegen den Australier Wayne Arthurs, den Popp nach über vier Stunden mit 14:12 im fünften Satz für sich entschied.

Nur Wimbledon gibt ihm diesen speziellen Kick. Mit stoischer Ruhe und unerschütterlichem Selbstvertrauen ist er schon zwei Mal ins Viertelfinale gestürmt und stand im Vorjahr in der vierten Runde. Das ist sein Minimalziel auch diesmal. Dazu freilich muss er den in Kalifornien lebenden Russen Dimitri Tursunow schlagen, der Britanniens Tennis-Idol Tim Henman vom Sockel gestoßen und Popp damit die erträumte Premiere auf dem Centre Court vermasselt hat.

"Ich bin schon ein bisschen enttäuscht. Und leichter wird es gegen Tursunow auch nicht, sonst hätte er Tim ja nicht geschlagen", sagte Popp. Allzu gern hätte er wie Nicolas Kiefer gegen Roger Federer auf dem berühmtesten Tennisplatz der Welt aufgeschlagen. Aber das kann bei den All England Championships ja noch kommen, zumal er als Sohn einer Engländerin zumindest ein halber Lokalmatador ist.

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