Rio 2016
Das Olympia der Reichen

Der größte Gewinner der olympischen Spiele dürfte ein 91-jähriger Milliardär werden. Das passt zu Sommerspielen, bei denen Armut nicht erwünscht ist. Selbst das olympischen Dorf wird später eine Luxussiedlung.

Rio de JaneiroWind peitscht über die Hochhaussiedlung. Hier schlafen während der Olympischen Spiele bald die besten Sportler der Welt. Am Eingang steht ein Aufsteller aus Plexiglas, darauf der Firmenname „Carvalho Hosken S/A“. Ein Arbeiter misst den Aufsteller mit einem Zollstock aus, er soll verhüllt werden. Denn den Namen soll keiner der Olympioniken im August zu sehen bekommen, wenn sie hier im Olympischen Dorf einziehen. Der Mann dahinter könnte aber der Gewinner dieser Spiele schlechthin werden, trotz seiner 91 Jahre.

Doch der Milliardär hält sich im Hintergrund, ab August werden rund 10.500 Sportler in der von ihm gebauten Siedlung, der „Ilha Pura“ in Rio de Janeiros Stadtteil Barra einziehen. Doch nach einer „reinen Insel“, einem Paradies, sieht es hier nicht aus. Auf einem Werbeplakat blickt ein Paar romantisch auf eine Wasserfläche, doch das hier ist eine Betonwüste. 31 Hochhäuser mit 17 Stockwerken.

Die Außenbereiche mit den Pools sind schick, aber die Einrichtung könnte Olympioniken eher an Sparta erinnern. Die Organisatoren stehen wegen akuter Finanzprobleme des Bundesstaats Rio de Janeiro unter Spardruck, Wohnungen sind mit Billigbetten und Plastik-Kleiderschränken bestückt.

Nach den Spielen kommt dann der Luxus. Es übernehmen dann wieder die Bauherren, die Unternehmen Carvalho Hosken und Odebrecht.

Gibt man „Ilha Pura“ im Internet ein, geht es hinein in Traumwelten. Da ist zum Beispiel der Komplex Saint Michel mit fünf Hochhäusern, darin 131 bis 160 Quadratmeter große Appartements. Natürlich gehört ein Pool zum Haus. Der Preis: 1,52 Millionen Reais (380.000 Euro) für 160 Quadratmeter. Für europäische Verhältnisse billig, aber angesichts der Lage, 35 Kilometer weg von Copacabana, ein stolzer Preis.

Hier soll die Vision des neuen Rio realisiert werden, ohne lästige Favelas, das Rio der weißen Oberschicht. Der Luxusansatz - es wird auch Fitnessstudios, Kinos und Saunen geben - bildet einen großen Unterschied zu London 2012, wo das Olympiadorf im East End nach den Spielen Bürgern mit weniger dicken Gelbeuteln neue Wohnungen bescherte. Als gelungenes Beispiel einer erschwinglichen Wohnraumschaffung gilt auch München 1972.

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