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Rosenkrieg bei BMW-Williams: Scheidung unvermeidlich

Nach einem langen Rosenkrieg ist die Formel-1-Ehe zwischen BMW und Williams am Ende. Nach den Rennen in Montréal oder in Indianapolis wird erwartet, dass der bayerische Automobil-Hersteller die Scheidung von den ungeliebten Briten verkündet.

dpa MONTRéAL. Nach einem langen Rosenkrieg ist die Formel-1-Ehe zwischen BMW und Williams am Ende. Nach den Rennen in Montréal oder in Indianapolis wird erwartet, dass der bayerische Automobil-Hersteller die Scheidung von den ungeliebten Briten verkündet.

Neue Partner stehen schon bereit: BMW macht dem Rennstall Sauber Avancen und könnte von 2006 an mehr als nur Motoren-Lieferant für die Schweizer sein. Und Williams hat einen heftigen Flirt mit der "alten Liebe" Honda begonnen.

BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen mochte vor dem Großen Preis von Kanada der Entscheidung des Konzern-Vorstandes nicht vorgreifen, doch deutet alles auf eine Übernahme von Sauber hin. Denn spätestens nach den jüngsten Attacken von Williams-Teilhaber Patrick Head und Teamchef Frank Williams scheint eine Trennung unvermeidlich.

"Nach Indy gehen wir nach Hause, unsere strategische Ausrichtung auszuarbeiten", sagte Theissen zurückhaltend. "Wir werden sicher auch diskutieren, was diese Äußerung von Patrick Head für eine Rolle spielt. Aber ich bewerte das nicht zu hoch." Entscheidungen würden bei BMW "weder durch persönliche Ambitionen beeinflusst, noch durch die Tagesform an der Rennstrecke. Und ich kann hinzufügen, es wird sicher nicht durch emotionale Äußerungen beeinflusst".

Head hatte vor dem Grand-Prix-Wochenende in Kanada in dem italienischen Magazin "Auto Sport Moto" gepoltert und Gespräche mit anderen Motoren-Herstellern bestätigt. Dem Noch-Partner unterstellte er "einen schlechten Charakter" und "unprofessionelles Verhalten", Theissen nannte er "unehrlich". Dazu sagt der Angegriffene: "Das war nicht hilfreich für das Team."

Frank Williams hatte zuvor in der "Bild am Sonntag" BMW ebenfalls scharf kritisiert und sich an alte Zeiten erinnert: "Unsere früheren Teams mit Honda oder Renault waren wesentlich kooperativer und erfolgreicher." Das Vertrauen der Partner war allerdings schon länger erschüttert, nachdem Williams Anfang des Jahres die Verhandlungen von BMW mit Sauber öffentlich gemacht hatte.

Schon kurz nach dem Zusammengehen 1999 waren die Unterschiede in der Mentalität der Deutschen und der Briten deutlich geworden. BMW wollte mehr Einfluss auf den Bau des Chassis, Williams mochte sich jedoch nicht reinreden lassen. Der Autokonzern behauptete selbstbewusst, den stärksten Motor in der Formel 1 zu bauen, und schob die Schuld für die insgesamt enttäuschenden Ergebnisse indirekt Williams zu. Bisher hat die blau-weiße Kombination lediglich zehn Grand-Prix-Siege eingefahren. Nur 2003 war BMW-Williams nah am Titel.

Schon vor zwei Jahren stand die Beziehung vor dem Ende und eine Sauber-Übernahme auf der Agenda. Dann aber versprachen sich BMW und Williams im Juni 2003 noch einmal die Treue bis 2009. Jetzt liegt dem Vorstand ein ähnliches Konzept wie damals vor, das angesichts der enormen Kosten ein großes Risiko birgt.

Branchenkenner halten mehr als 100 Mill. Euro als Kaufpreis für Sauber für realitisch. Doch dann warten auf die Münchner weitere Kosten. Derzeit hat Sauber rund 300 Mitarbeiter, die Spitzenteams kommen aber nicht mehr unter 500 Leuten aus. Schätzungsweise 200 Mill. müsste BMW jährlich berappen, um Herr im eigenen Formel-1- Haus zu sein. Dazu kommen weiter die Aufwendungen für den Motor. Und bis zur WM-Reife braucht es dann noch einmal mindestens drei Jahre.

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