Roter Teppich für Tony Martin 14 Kilometer trennen ihn von Gelb

Alles ist für Tony Martins Fahrt ins Gelbe Trikot zum Auftakt der 104. Tour de France am Samstag in Düsseldorf vorbereitet. Nur das Wetter spielt mit prognostiziertem Regen nicht mit.
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Der 32 Jahre alte deutsche Radprofi will sich zum zweiten Mal nach 2015 das begehrte gelbe Trikot beim Heimspiel in Düsseldorf holen. Quelle: Reuters
Tony Martin

Der 32 Jahre alte deutsche Radprofi will sich zum zweiten Mal nach 2015 das begehrte gelbe Trikot beim Heimspiel in Düsseldorf holen.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfDie Tour-Organisatoren haben ein Herz für die Gastgeber und Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin den Roten Teppich ausgelegt: 14 Kilometer, topfeben bis auf zwei Brücken-Überquerungen – Rheinufer, Königsallee und zurück. Der Parcours des Auftaktes der 104. Tour de France am Samstag ab 15.15 Uhr in Düsseldorf ist für den Katusha-Alpecin-Kapitän maßgeschneidert. „Der Kurs liegt mir – Gelb wäre ein Traum“, sagte der 32 Jahre alte deutsche Radprofi, der sich zum zweiten Mal nach 2015 das begehrte Trikot holen will und sich beim Heimspiel in der Karnevalshochburg in die Herzen der – hochgerechnet – eine Million Zuschauer fahren will.

Am Freitag absolvierte der Kandidat für Gelb noch einmal außerhalb der Stadt ein Training. „Bisher konnte ich etwa 90 Prozent der Zeitfahr-Strecke abfahren, allerdings nur im Verkehr“, erklärte Martin, der für seinen wichtigsten Samstag des Jahres zuversichtlich ist: „Ich bin total entspannt.“ Vor dem ersten Start wird er die 14 Kilometer auf abgesperrtem Kurs mehrmals abfahren. Der viermalige Weltmeister im Kampf gegen die Uhr gehört am Samstag mit zu den letzten Startern, was ihn wahrscheinlich auch nicht vor dem prognostizierten Regen bewahren wird. „Hauptsache, alle haben dieselben Bedingungen“, erhofft sich der Wahlschweizer, dem ein großer Familienkreis die Daumen drückt.

Die deutschen Sponsoren der Tour de France
Bora-Hansgrohe (Team)
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Bora tritt seit 2012 mit einem eigenen Radsportteam auf. Im vergangenen Jahr ist der deutsche Küchenarmaturenhersteller Hansgrohe als Co-Sponsor dazu gestoßen. Der Grund: Peter Sagan (im Foto). Der slowakische Radrennfahrer ist der Star der Szene und auch international bekannt. Genau das wollen Bora und Hansgrohe. Sie wollen ihre Markennamen bekannter machen. Dafür ließen sie sich Sagans Dienste einiges kosten. Der Slowake gilt als einer der teuersten Fahrer im Peloton. Neben Hansgrohe wird Bora auch von weiteren Unternehmen wie dem Versandhändler Paul-Lange gesponsert.

Krombacher (Sponsor von Bora-Hansgrohe)
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Der Bierkonzern hat dem Bora-Hansgrohe-Team die Zusammenarbeit vorgeschlagen. Geworben wird mit dem alkoholfreien Krombacher 0,0%, das angeblich besonders für Sportler geeignet sei.

Skoda
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Die VW-Tochter stellt die UCI-Fahrzeuge, die Teamfahrzeuge von FDJ, LottoNL Jumbo sowie Lotto Soudal und ist bereits seit 2004 offizieller Partner der Tour de France. Während der Tour sind 250 Fahrzeuge von Skoda im Einsatz. Der Skoda Superb der UCI (im Foto) ist eine Sonderanfertigung. Das Schiebedach wird so positioniert, dass man es von der Rückbank aus bedienen kann. Außerdem wird eine spezielle Schaltzentrale eingebaut, über die der Tour-Direktor sportliche und sicherheitsrelevante Anweisungen geben kann.

Schwalbe
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Der Familienbetrieb stattet das Astana-Team mit Reifen aus und ist einer der größten Fahrradreifenhersteller Europas. 2016 Konnte er einen Umsatz von 171 Millionen Euro erzielen.

Continental
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Schwalbes Konkurrent im Radsport heißt Continental: Der Reifenhersteller stattet die Teams Bahrain-Merida, FDJ, Movistar, Orica-Scott und Sky mit Reifen aus.

Canyon
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Das Unternehmen ist der Materialausstatter der Teams Movistar und Katusha-Alpecin. Der Radhersteller aus Koblenz, verkauft Fahrräder seit 2002 unter dem Namen Canyon im Direktvertrieb, ohne Zwischenhändler und Filialen. 2015 konnte er einen Umsatz von 160 Millionen Euro generieren. Seit Juni 2016 ist die US-Private-Equity-Gesellschaft TSG Consumer Partners Minderheitseigner von Canyon. Auf diese Weise will Canyon auf dem US-Markt expandieren.

Abus (Sponsor von Bora-Hansgrohe)
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Das Unternehmen vertreibt zahlreiche Fahrradprodukte, vom Fahrradschloss bis hin zum Fahrradhelm. Bei der diesjährigen Tour de France ist Abus Co-Sponsor von Bora-Hansgrohe. Der Konzern hat außerdem ein eigenes unterklassiges Pro-Tour-Team: Abus Nutrixxion. Abus beschäftigt weltweit circa 300 Mitarbeiter und soll 2014 einen Umsatz von 260 Millionen Euro gemacht haben.

„An der Entwicklung des aerodynamischen Rennanzuges hat sich Tony mitbeteiligt, als so ziemlich einziger wird er vorne nur mit einem Kettenblatt fahren“, nannte Teamsprecher Falk Nier am Freitag technische Details. Mit 58 Zähnen will er ins Maillot Jaune fahren. Die Spezial-Rennmaschine testete Martin zuletzt bei den deutschen Meisterschaften am vergangenen Wochenende in Chemnitz, wo er sich den siebten Zeitfahr-Titel holte.

Das war erst der erste Erfolg in diesem Jahr in seiner Spezial-Disziplin. Die große Generalprobe beim hochkarätig besetzten Critérium du Dauphiné zu Monatsbeginn hatte ihm Richie Porte über 23,5 Kilometer vermasselt. Der Australier war 12 Sekunden schneller. Aber nicht so sehr Porte, der bei dieser Tour seine ganze Energie in den ersten möglichen Gesamtsieg stecken will, sondern eher den ehemaligen Skispringer Primoz Roglic (Slowenien), den Schweizer Stefan Küng oder den Niederländer Jos van Emden nannte Martin als Hauptkonkurrenten.

Sein Angstgegner Rohan Dennis ist nicht am Start, dessen BMC-Team ist komplett auf Porte ausgerichtet und hatte keinen Platz für den Spezialisten. Bei einer ähnlichen Konstellation wie am Samstag hatte ihm der frühere Stunden-Weltrekordler 2015 beim Tourstart in Utrecht/Niederlande einen Strich durch die Rechnung gemacht. Topfavorit Martin war zum Tour-Auftakt vor zwei Jahren über 13,8 Kilometer fünf Sekunden langsamer als Dennis und verpasste zunächst Gelb.

Danach startete Martin einen nervenaufreibenden Kampf um Sekunden und die Spitzenposition. Auf Kopfsteinpflaster in Cambrai glückte ihm der Coup nach einer imposanten Soloflucht: Martin führte zum ersten Mal das Tourfeld an. „Ich erinnere mich noch ganz genau. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, man ist der Mittelpunkt der Radsport-Welt“. Zwei Etappen später in Le Havre war der Traum vorbei: Martin stürzte, brach sich das Schlüsselbein und musste im Gelben Trikot vorzeitig nach Hause. Einen Tag gab es keinen Fahrer in Gelb – Chris Froome hatte sich aus Respekt vor Martin geweigert, es zu tragen.

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  • dpa
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