Rudern WM
Deutschland-Achter will zurück zu altem Ruhm

Der Deutschland-Achter soll nach elf Jahren Abstinenz wieder ganz oben auf dem Podest stehen. Dabei wird der Weg jedoch sehr steinig sein, zumal sich erstmals bei einer Ruder-WM 16 Nationen zur Teilnahme meldeten.

In diesem Jahr soll es endlich den seit elf Jahren ersehnten Titel geben: Der Deutschland-Achter hat im Mutterland des Ruderns das WM-Gold fest ins Visier genommen. Bei den heute im englischen Eton beginnenden Weltmeisterschaften (bis 27. August) übernimmt die Besatzung des traditionsreichen Großbootes gleichzeitig die Rolle der größten Titelhoffnung des Deutschen Ruderverbandes (DRV).

Mit viel Zuversicht ist Achter-Trainer Dieter Grahn auf der Insel eingetroffen. "Im letzten Jahr haben wir Bronze gewonnen, jetzt wollen wir mehr", sagt Grahn, der eine Saison mit vielen Experimenten hinter sich hat. Einerseits versuchten sich bei drei verschiedenen Weltcups drei verschiedene Schlagmänner, andererseits verzichteten die Riemenruderer erstmals in Grahns sechsjähriger Amtszeit auf ein Höhentrainingslager vor den Weltmeisterschaften.

Weg zu Gold ist steinig wie nie

Doch der Weg zum WM-Gold ist so steinig wie nie. Erstmals in der WM-Historie haben 16 Nationen für die Königsklasse gemeldet, weshalb in Eton das Programm um die Achter-Halbfinals erweitert wird. Bislang genügte eine Vorlaufsieg zum Finaleinzug.

Sollte der Achter den Goldplan nicht erfüllen, droht dem DRV die erste WM ohne Gold seit der Wiedervereinigung. Sportdirektor Michael Müller ist sich des Risikos durchaus bewusst, verweist aber auf den Umbruch im deutschen Team nach Olympia 2004. "Wir nutzen Eton noch als Probierphase und richten die Boote nicht nach Goldchancen aus. Das machen wir erst zur Heim-WM im nächsten Jahr und zu Olympia 2008", sagt Müller.

Überraschungen durch den DRV müssen aber nicht kategorisch ausgeschlossen werden, zumal zahlreiche Boote mit guten Aussichten auf einen Podestplatz das Turnier in Angriff nehmen. Dazu gehört auch Marcel Hacker im Einer. Der Frankfurter musste allerdings verletzungsbedingt das Weltcup-Finale in Luzern sausen lassen und weiß vor seinem Auftaktrennen heute (12.00 Uhr/Mesz) nicht genau, wo er steht.

Ruderinnen kämpfen gegen Unwägbarkeiten

Das gilt auch für die einzigen deutschen Titelverteidigerinnen Daniela Reimer (Potsdam) und Marie-Luise Dräger (Rostock). Das Duo, das im vergangenen Jahr im japanischen Gifu im Leichtgewichts-Doppelzweier das einzige DRV-Gold an Land gezogen hatte, kämpfte in dieser Saison gegen sehr viele Unwägbarkeiten. Reimer benötigte lange Zeit, um in Form zu kommen, Dräger plagte sich mit Schulterproblemen herum. "Ich hoffe, dass wir fit sind", sagt die Rostockerin.

Sportdirektor Müller sieht insgesamt acht bis neun Medaillenchancen für seine Athleten. Bei vier bis sechs Treffern wäre er zufrieden mit der Ausbeute. "Wichtig ist, dass wir in allen Klassen so dicht wie möglich an die Weltspitze heranrücken, um uns eine gute Ausgangsposition für die kommenden zwei Jahre zu verschaffen", sagt Müller.

Waleska muss Lücke füllen

Dabei hat es im Frauen-Einer die Dresdnerin Peggy Waleska besonders schwer. Nach dem Rücktritt von Olympiasiegerin Katrin Rutschow-Stomporowski (Berlin) und dem missglückten Ausflug der viermaligen Olympiasiegerin Kathrin Boron (Potsdam) in den Skiff muss die 26-jährige Waleska die Lücke füllen. "Sie hat es am schwersten von allen", so der Sportdirektor.

Kathrin Boron pausiert dieses Jahr erneut. Doch die achtmalige Weltmeisterin hat ihr Comeback für 2007 angekündigt. Auch die zweimalige Vierer-Olympiasiegerin Manuela Lutze (Magdeburg) kehrt dann in den Nationalkader zurück. "Das sind glänzende Aussichten über das Jahr 2006 hinaus", sagt Michael Müller.

© SID

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