Russische Liga trägt an den Jahren des Umbruchs
Die Sehnsucht nach alter Größe

Mit dem Zerfall des kommunistischen Sportimperiums, der Eisstadien und der Jugendförderung hat sich auch die internationale Vorherrschaft der russischen Puckjäger pulverisiert. Doch inzwischen tut sich wieder etwas im dortigen Eishockey. Sinnbild dafür ist die schicke neue Moskauer Chodynka-Arena, eine der Spielstätten der am Freitag beginnenden WM 2007.

MOSKAU. Die Feuerwehr hat schon eine Übung in der Chodynka-Arena abgehalten. Nicht etwa weil die neue Mehrzweckhalle auf einen geschichtsträchtigen Platz steht - einem blutigen: Anlässlich der Krönungsfeierlichkeiten des letzen Zaren Nikolaus II. 1898 fand auf dem Chodynka-Feld ein Jahrmarkt statt. Eine Drängelei führte zu einer Massenpanik und über 1 000 Menschen wurden zu Tode getrampelt. Der Zar ließ weiterfeiern und hieß bis zu seinem gewaltsamen Ende "Der Blutige". Aber das ist Geschichte.

Die schicke neue Halle ist einer der Hauptaustragungsorte der Eishockey-Weltmeisterschaft. Sie steht für die Zukunft: Dafür dass russisches Eishockey wieder das wird, was es einmal war - das beste der Welt. In den Jahren von 1963 bis 1983 hatte die Sowjetunion bei den Weltmeisterschaften bis auf drei Mal immer die Goldmedaille abgeräumt. Nach dem Zerfall des kommunistischen Sportimperiums, der Eisstadien und der Jugendförderung schaffte es das russische Team noch einmal 1993 auf die erste Stufe des Treppchens. Seitdem hadern die russischen Fans damit, dass es früher eben doch besser war.

Immerhin: Im russischen Hockey tut sich etwas. Russland hat sich für die Winterspiele 2014 beworben. Sollte es mit der Austragung klappen, dann muss auch eine Goldmedaille sicher sein. Der russische Hockey-Verband unter der Führung des legendären Torwarts Wladislaw Tretjak, "dem Mann mit den tausend Händen", will kräftig in den nach wie vor sehr populären Sport investieren. Er hat ein Förderzentrum für junge Spieler gebaut, eine Obergrenze für Gehälter von 11 Mill. Dollar pro Team festgesetzt und die Schiedsrichter angehalten, für die Zuschauer attraktiver zu pfeifen. Die föderale Sportbehörde will noch etwas weiter gehen: Sie will offenbar eine neue euro-asiatische Liga ins Leben rufen und damit der amerikanischen Superliga NHL Konkurrenz machen. Mitmachen sollen alle Ex-Sowjetstaaten und am besten noch die Hockey-Nationen Schweden und Finnland. Viel ist daraus aber bisher nicht geworden.

Obwohl die nationale russische Liga nach wie vor zu den besten der Welt zählt, trägt sie an den Jahren des Umbruchs. Die meisten Clubs sind nicht profitabel, wer hinter so bekannten Namen wie ZSKA Moskau steht, ist nicht immer klar. Der Sportclub der Armee hat kein eigenes Eishockey-Team mehr, sondern seine Namensrechte verkauft. Traditionell haben auch die großen Industriekombinate Teams unterhalten - ihre Nachfolger tun das bis heute: wie Sewerstal, Lada Togliatti oder der Champion der Saison 2006/2007, Metallurg Magnitogorsk. Vor allem in den Regionen ist Eishockey sehr beliebt, die Konzerne sponsern fleißig weiter, zum Teil sehr großzügig. Das Team AK Bars aus Kasan, hinter dem angeblich auch die lokale tatarische Administration steht, habe ein Jahresbudget von 60 Mill. Dollar heißt es in Medienberichten. Doch Merchandising ist für die Vereine noch immer ein Fremdwort.

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