Russland im Dopingsumpf
Dopingtrainer in den Knast, Sportler nach Rio

International laufen Doping-Untersuchungen gegen Russland an – dem gesamten Leichtathletikteam droht der Ausschluss von den Sommerspielen in Rio de Janeiro. Nun will das Parlament die Strafen für Sünder verschärfen.

MoskauEs gibt nicht nur positive, sondern auch gute Doping-Meldungen für Russland dieser Tage. Diese zum Beispiel: 31 Teilnehmer der Olympischen Spiele in Peking wurden des Dopings überführt. Was daran gut ist? Die Athleten stammen aus zwölf Ländern. Russland ist also trotz medialen Dauerfeuers wegen zahlreicher Skandale nicht der einzige Doping-Sünder auf der Welt.

Trotzdem erinnert der russische Hochleistungssport derzeit an einen angeschlagenen Boxer. Ein Tiefschlag folgt dabei dem nächsten. So steht auch der ehemalige Box-Schwergewichtsweltmeister Alexander Powetkin auf der Liste der Dopingverdächtigen. Der in Moskau am 21. Mai geplante WBC-Titelkampf gegen Deontay Wilder muss wegen eines Meldonium-Befunds beim Russen verschoben werden – und platzt womöglich ganz.

„Er hat Meldonium im September genommen. Verboten ist Meldonium erst seit Januar dieses Jahres“, verteidigte Promoter Andrej Rabinski seinen Schützling. Bei dem Fund handle sich lediglich um minimale Restrückstände. Daher hoffe er auf eine „individuelle Entscheidung in den Verhandlungen mit dem WBC“, ergänzte Rabinski.

Die Sperre, der Powetkin noch auszuweichen hofft, hat vier russische Gewichtheber(innen) am Dienstag schon ereilt: Alexej Kossow, Alexej Lowtschew und Olga Afanassjewa wurden vier Jahre, Olga Subowa als Wiederholungstäterin für acht Jahre wegen der Einnahme illegaler leistungssteigernder Mittel disqualifiziert.

Doch dies könnte sich noch als das geringste der zu erwartenden Probleme erweisen. Dem gesamten russischen Leichtathletikteam droht bei den Sommerspielen in Rio de Janeiro der Ausschluss. Selbst die völlige Olympia-Sperre aller russischen Sportler ist laut IOC-Präsident Thomas Bach nicht ausgeschlossen. Die internationale Dopingagentur Wada hat Ermittlungen gegen Russland eingeleitet, das US-Justizministerium hegt sogar den Verdacht der Verschwörung und des Betrugs. Laut Bach ist der Bericht der Wada maßgeblich für die Teilnahme russischer Athleten. Als „eine schockierende Dimension des Dopings mit beispielloser krimineller Energie“ bezeichnete Bach in einem Gastbeitrag der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ die jüngsten Anschuldigungen gegen Russland.

Grund für die massiven Untersuchungen sind die Enthüllungen des bis vor kurzem noch höchsten Dopingaufsehers in Moskau: Grigori Rodtschenkow, ehemaliger Leiter des Moskauer Antidopinglabors, erhob in einem Interview mit der „New York Times“ den Vorwurf, dass bei Wladimir Putins Prestigeprojekt, den Olympischen Spielen in Sotschi, Dutzende russischer Athleten gedopt an den Start gegangen sein. 15 von ihnen gewannen demnach Medaillen – gedeckt von einem staatlich gelenkten Betrugssystem unter Aufsicht des Geheimdienstes FSB.

Im verantwortlichen Dopinglabor sollen durch ein Loch in der Wand nachts heimlich belastete Urinproben gegen saubere, aber bereits mehrere Monate alte Proben ausgetauscht worden sein. Es sei sogar eine Methode gefunden worden, die versiegelten Röhrchen für den Betrug unbemerkt zu öffnen und wieder zu verschließen, behauptete Rodtschenkow.

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