Säumige Werbepartner
Biathlet-Ikone Björndalen kritisiert Sponsoren

Der Biathlon-Superstar Ole Einar Björndalen bricht mit einem Tabuthema: Im Handelsblatt-Interview erzählt der Serienweltmeister, wie häufig Sponsoren ihre vertraglichen Verpflichtungen verletzen.
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Der erfolgreichste Biathlet aller Zeiten, Ole Einar Björndalen, prangert die Zahlungsmoral der Sport-Sponsoren an. In einem Interview mit dem Handelsblatt sagte der sechsfache Olympiasieger: „Ich könnte Ihnen Dutzende von Sportlern nennen, die monatelang auf ihr Geld warten mussten. Pünktliche Rechnungsbegleichung ist in diesem Geschäft praktisch unbekannt.“ Björndalen gab an, auch er selbst habe diese bittere Erfahrung in seiner langen Karriere mehrfach machen müssen. Das Problem der ausbleibenden Zahlungen von Werbepartnern sei international. Nur in Norwegen habe er sein Geld stets fristgerecht erhalten.

Björndalen kritisierte zudem, dass die Macht zwischen den Sportlern und den Sponsoren ungleich verteilt sei. „Ein Sponsor kann sofort kündigen, wenn sein geförderter Sportler zum Beispiel beim Doping erwischt wird“, sagte der Norweger. Umgekehrt sei es viel schwieriger, einen Vertrag zu beenden, auch wenn Skandale auf der Seite des Sponsors dem Image des Sportlers erheblich schaden. „Man kann als Athlet nicht sagen: Mein Sponsor produziert negative Schlagzeilen, ich lasse mich mit dessen Logo jetzt nicht mehr blicken“, bedauerte Björndalen. So etwas sei vertraglich nicht vorgesehen.

Björndalen war im vergangenen Jahr einem Image-Desaster nur knapp entgangen, als er sich rechtzeitig von seinem Werbepartner Teldafax trennte. Beim Troisdorfer Billigstromanbieter, der weiter für Bayer 04 Leverkusen wirbt, ermittelt derzeit die Staatsanwaltschaft Bonn wegen des Verdachts auf Insolvenzverschleppung. Das Unternehmen wird überschwemmt von Kundenbeschwerden. Im Oktober 2010 wurde bekannt, dass der langjährige Kopf des Unternehmens, Michael Josten, schon 2007 wegen eines früheren Anlagebetrugs zu zweieinhalb Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt worden war. Josten agierte aber noch jahrelang als Vorstand und Aufsichtsrat von Teldafax, indem er seinen Wohnsitz in die Schweiz verlegte. Er wurde erst 2010 ausgeliefert und in der Justizvollzugsanstalt Bruchsal inhaftiert. Josten zog aber selbst danach als Freigänger die Fäden bei dem überschuldeten Stromdiscounter.

Nach Angaben von Björndalen war es reines Glück, dass ihn die Skandalwelle bei Teldafax nicht traf, denn er selbst wäre bereit gewesen, den Vertrag zu verlängern. „Mein Vierjahresvertrag lief im März 2010 aus. Ich hatte in den Monaten vor Vertragsende große Schwierigkeiten, die Teldafax-Leute überhaupt zu erreichen“, sagte Björndalen. „Und dann habe ich mit dem Sportgetränkehersteller Cantio einen Ersatz gefunden. Jetzt bin ich natürlich froh, mich rechtzeitig von Teldafax getrennt zu haben.“

Björndalen ist der mit Abstand bekannteste Biathlet der Welt. Neben seinen sechs olympischen Goldmedaillen gewann er 16 Weltmeistertitel und 95 Weltcup-Rennen. Zu seinen deutschen Sponsoren zählen der Ulmer Waffenhersteller Anschütz, der Automobilhersteller BMW, der Sportbrillen- und Sporthelmehersteller Casco aus Bretnig-Hauswalde und der Sportgetränkehersteller Cantio aus Heidelberg. 2014 will Björndalen in Sotschi (Russland) an seinen fünften Olympischen Spielen teilnehmen. Dann wäre er 40.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche

Kommentare zu " Säumige Werbepartner: Biathlet-Ikone Björndalen kritisiert Sponsoren"

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  • Schweizer Handelsregister, moneyhouse:
    "Bjørndalen Marketing AG, in Zug, CH-170.3.029.284-8, Aktiengesellschaft (SHAB Nr. 147 vom 03.08.2009, S. 27, Publ. 5175174).
    ...
    Eingetragene Personen neu oder mutierend: Josten Michael, deutscher Staatsangehöriger, Zug, Mitglied des Verwaltungsrates, mit Einzelunterschrift."

    Ich bin großer Fan, was das Sportliche betrifft, aber bei der Wahl seiner (noch bestehenden?)Partner, kann man auch etwas sorgfältiger sein, oder?

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