Savoldelli setzt sich nach spannendem Rennen durch
Ein verdienter Gewinner beim Giro

Giorgio Albani ist so etwas wie das lebende Lexikon des Giro d?Italia. Als Radprofi und als technischer Direktor und Berater hat er 50-mal die Italien-Rundfahrt aus nächster Nähe verfolgt.

MAILAND. Seine Worte haben Gewicht. Albani schwärmte schon nach der vorletzten Etappe von Savigliani nach Sestriere ein wenig übertrieben. "Auch wenn ich keinen weiteren Giro mehr erleben sollte, wäre ich nach der heutigen Etappe zufrieden für alle Zeiten", sagte Albani. Gestern endete der Giro mit der 20. Etappe über 119 Kilometer von Albese nach Mailnd, des Tagessieg sicherte sich der italienische Sprinter Alessandro Petacchi. Danach sagte Albani, der diesjährige Giro sei außergewöhnlich gewesen und habe mit Paolo Savoldelli einen verdienten Sieger gefunden. Die gelungene Dramaturgie des 88. Giro sei "episch", und das würde, so Albani, auch vom neu erwachten Zuschauerinteresse belegt.

Paolo Savoldelli, der 32 Jahre alte Kapitän der Discovery-Channel-Mannschaft, hatte am Ende einen 28-Sekunden-Vorsprung gegenüber seinem größten Widersacher Gilberto Simoni ins Ziel retten können. "Es war die schwerste Etappe", sagte der Italiener Savoldelli. "Ich habe gewonnen, aber zehn Jahre meines Lebens verloren." Die Schlüsselstelle für Savoldellis zweiten Sieg beim Giro war der 18,5 Kilometer lange Anstieg zum Colle delle Finestre. Die letzten 7,5 Kilometer eine staubige Schotterstraße. Ivan Basso, der das Rosa Trikot getragen hatte, es dann aber an Savoldelli am Stilfser Joch verlor, suchte eine Revanche für seine unerwarteten Einbrüche in den Bergen. Mit seiner CSC-Mannschaft startete er bereits beim dritten Kilometer des Anstiegs einen überraschenden Angriff. Savoldelli: "Ich habe Basso überhaupt nicht verstanden, nach kurzer Zeit stand der ja fast."

Nach seinem missglückten Angriff verlor Basso viel Zeit auf Savoldelli. Dann aber griff er noch einmal an und fuhr davon. Zeitweise machte Basso seinen Rückstand auf Savoldelli wett und stand vor seinem dritten Giro-Sieg. Doch Savoldelli blieb in seinem gewohnten Rhythmus. Beim Aufstieg nach Sestriere hatte er sich wieder das Rosa Trikot erkämpft. Am Ende verlor Savoldelli nur 1:29 Minuten auf den zweitplatzierten Simoni. Den Etappensieg sicherte sich der Kolumbianer Josè Rujano, der als erster Südamerikaner den dritten Platz im Gesamtklassement des Giro belegte.

Savoldelli wird nach seinem zweiten Giro-Sieg nach 2002 bei der Tour de France wieder in die Rolle des Wasserträgers schlüpfen. "Ich werde Lance Armstrong helfen", sagte er. Von Starallüren und ehrgeizigen Siegesambitionen kann also beim Lombarden keine Rede sein.

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