Schachendspiel um alleinige Vorherrschaft
Nervenkitzel in Kalmückien

Wenn der Bulgare Wesselin Topalow und der Russe Wladimir Kramnik heute am Schachtisch Platz nehmen, könnte ein Fehlzug schon das Ende ihrer Ära bedeuten. Nach dem Vereinigungskampf in Elista/Russland soll sich bloß einer von beiden Weltmeister nennen dürfen – so zumindest hatten sie es sich vorher gedacht.

DÜSSELDORF. Ob dies auch Wirklichkeit wird, hängt nicht zuletzt vom Ausgang der zwölften und letzten Partie ab: Kramnik führt heute, beim offiziellen Stand von 5,5:5,5 die weißen Steine, was etwa mit dem Vorteil des Aufschlags beim Tennis vergleichbar ist. Sollte er gewinnen, wäre die Sache erledigt. Bei einem anderen Ergebnis wohl noch nicht. Beispielsweise gäbe es im Falle eines Remis’ vier Tiebreak-Partien mit verkürzter Bedenkzeit. Ein solches Stechen werde er ebenfalls nur unter Protest spielen, verkündete Kramnik kurz vor der elften Partie, die am Dienstagabend nach 66 Zügen remis ausging (siehe Analyse).

Zudem wolle er den Weltschachbund Fide verklagen und Topalow nicht als Weltmeister akzeptieren, falls dieser am Ende aufgrund des kampflos zugesprochen Punktes in der fünften Partie zum Sieger erklärt werden sollte. Zur Erinnerung: Kramnik war zur fünften Partie nicht angetreten, weil man ihm nach einem Protest Topalows den Toilettenraum verriegelt hatte. In seinem jüngsten offenen Brief formulierte Kramnik „als Zeichen des guten Willens“ schließlich noch einen Vorschlag, der einen halbwegs fairen Ausweg biete, nämlich „die fünfte Partie direkt nach der zwölften auf dem Schachbrett auszuspielen“.

Unvorstellbar, dass sich die Fide oder Topalow darauf einlassen. Kramnik hat jedoch in Viswanathan Anand, dem Weltranglisten-Zweiten aus Indien, einen prominenten Unterstützer. „Diese fünfte Partie gehört nicht Topalow, sie müssen sie noch einmal spielen“, fordert Anand. Von Indien aus hat er den Kampf bislang verfolgt und sich über die „Comedy“ in Kalmückien gewundert. „Ich glaubte immer, Topalow und Kramnik hätten eine gute Beziehung, auch wenn sie nicht beste Freunde waren“, sagt Anand. „Keine Ahnung, was zwischen ihnen passiert ist.“

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