Schalke 04 muss nach dem Verlust der Tabellenführung befürchten, dass das lange Warten auf den Meistertitel weitergeht
47 Jahre und kein Ende

Wieder war Schalke 04 der große Favorit. Und wieder gab das Team gegen einen Außenseiter wichtige Punkte ab. So war es Mitte Dezember beim 1:1 gegen den derzeitigen Tabellenletzten SC Freiburg gewesen, durch das Schalke die Herbstmeisterschaft verspielte.

MAINZ. So war es vor sechs Wochen beim damaligen Letzten Hansa Rostock, als Schalke erst in der Nachspielzeit das 2:2 erzielte. Und so war es am Sonntagabend im Mainzer Stadion am Bruchweg. Beim Aufsteiger allerdings reichte es nicht einmal zu einem Unentschieden, Mainz 05 siegte 2:1. 47 Jahre ist es her, dass Schalke 04 zuletzt den deutschen Meistertitel gewann, und so wie das Team in Mainz auftrat, ist die Annahme nicht unbegründet, dass die Warterei auch in dieser Saison kein Ende finden könnte.

Nach dem Sieg gegen den FC Bayern vor einer Woche schien die Meisterschale so nahe wie seit jenem tragischen Mai 2001 nicht mehr. Damals feierten die Schalker schon den Titel, als der FC Bayern in Hamburg in letzter Sekunde noch ein Tor schoss und doch noch Meister wurde. Diesmal reichte den Münchnern eine alles andere als überzeugende Leistung beim 3:1 gegen Rostock, um nach nur einer Woche wieder die Tabellenführung zu übernehmen. Wegen der deutlich besseren Tordifferenz (+24) gegenüber Schalke (+12) liegt der Rekordmeister nun wieder vor dem punktgleichen Konkurrenten.

Es gab nur Wenige bei Schalke 04, die in der Stunde der bitteren Niederlage reden wollten. Kapitän Frank Rost zum Beispiel. "Wir sind wahnsinnig enttäuscht", sagte er. Hatten die Schalker den Gegner unterschätzt? "Glaube ich eigentlich nicht." Seine Mannschaft dürfe jetzt nicht aufstecken. "Noch haben wir eine Chance." Sarkastisch fügte er hinzu: "Wir könnten auch Tabellenletzter sein, und dann wäre die Situation viel schlimmer." Allerdings könnte die Situation für eine Mannschaft, die noch vor wenigen Tagen mit Nachdruck vom Titel gesprochen hat, nun kaum trauriger sein. Das, was Rosts Vorderleute gegen Mainz ablieferten, war zu harmlos für ein Team, das Bayern München herausfordern will. Schalkes Trainer Ralf Rangnick versuchte dennoch, optimistisch zu wirken. Die Prognosen zum weiteren Verlauf der Saison seien ihm egal. Wie einstudiert plauderte Rangnick in Standardfloskeln: "Die Saison ist noch lang."

Beim verbalen Schlagabtausch im Streit um den Transfer von Mimoun Azaouagh von Mainz nach Schalke zeigten sich die Verantwortlichen aus Gelsenkirchen dann in besserer Form als ihre Spieler auf dem Platz. Der U-21-Nationalspieler ist schwerer verletzt als zum Zeitpunkt der Verhandlungen angeblich bekannt war, weshalb es Streit um die Zahlung der Ablösesumme von 650 000 Euro gibt. Schalkes Manager Rudi Assauer warf den Mainzern "unterstes Niveau" vor. Der Mainzer Präsident Harald Strutz sprach dagegen von "einer Frechheit, die wir uns nicht gefallen lassen". Die Mainzer wollen ihr Geld notfalls einklagen, gestern sollte die letzte Zahlungsaufforderung in Gelsenkirchen eintreffen. "Wenn dann nichts passiert, treffen wir uns vor Gericht wieder", sagte FSV-Manager Christian Heidel. Ob Azaouagh je wieder spielen kann, ist ungewiss.

Für die Schalker, so schien es, war der Fall Azaouagh ein willkommener Nebenschauplatz. Lenkte er doch davon ab, dass der Club das Rennen um den Titel mit dem FC Bayern vielleicht schon wieder verloren hat.

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