Schalke 04 trauert Matchball hinterher
Schalke tröstet sich mit letztem Spieltag

Die Niederlage gegen den Erzrivalen aus Dortmund schmerzte. Doch Schalke 04 tröstete sich damit, dass sich die Champions League immer noch aus eigener Kraft erreichen lässt.

Von Josef Simon

HB BERLIN. Wer sich auf Schalke in die Riege der ganz Großen wie Ernst Kuzorra, Fritz Szepan, Stan Libuda oder Klaus Fischer einreihen will, der muss nicht nur Titel sammeln und sein fußballerisches Können dauerhaft in den Dienst der Knappen stellen. Für das Erreichen der «königsblauen Unsterblichkeit» ist es mindestens genau so von Bedeutung, dass man wenigstens einmal in seiner Karriere in einem Derby gegen Borussia Dortmund ein wichtiges, am bestens gar das entscheidende Tor erzielt.

So gesehen hatte Lincoln am Samstag die große, fast einmalige Chance, sich nach weniger als einer einzigen Saison bereits ein Denkmal auf Schalke zu setzen. Der brasilianische Spielgestalter der Gelsenkirchener hatte es im 125. Revierderby ganz allein auf dem Fuß, den eigenen Fans den so prestigeträchtigen Triumph über die verhassten Nachbarn zu schenken und gleichzeitig damit die direkte Qualifikation für die Champions League zu sichern. Doch dem genialen Regisseur der Schalker fehlte an diesem Tage der, wie es sein Trainer ausdrückte, «Magic Touch».

Gleich dreimal machten ihm freistehend vor dem überragenden Dortmunder Schlussmann Roman Weidenfeller die Nerven einen Strich durch die Rechnung. Und auch der Versuch, mit einer Schwalbe die erste Niederlage gegen den BVB nach sechseinhalb Jahren noch abzuwenden, scheiterte kläglich. «Das ist mehr als ärgerlich», so Lincoln, «ich allein hätte heute hier alles klar machen können. Jetzt müssen wir in Freiburg gewinnen.»

Nur gut, dass man bei aller Rivalität im Revier sich irgendwie doch immer noch auf seinen Nachbar verlassen kann. Gerade als der Schütze des Goldenen Tore Lars Ricken in der 58. Minute die Chance zum entscheidenden 3:1 auf dem Fuß hatte, präsentierte der riesige Videowürfel die Frohe Botschaft auf Bochum. «Das war wie ein Sechser im Lotto», so Manager Assauer, der im zweiten Durchgang nicht mehr an seine Jungs glaubte, «ich hatte nicht mehr das Gefühl, dass die das Dingen hier noch umbiegen.»

Im gegnerischen Lager war man von vornherein davon überzeugt gewesen, dass nach sechseinhalb Jahren der Schmach an diesem 14. Mai 2005 die Schalker Unbesiegbarkeit zu Ende geht. In einer Geheimaktion ließen Präsident Dr. Reinhard Rauball und sein Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke tausende Trikots mit dem «historischen Datum» versehen. «Wir werden diese am Montag den Fans zu einem Freundschaftspreis in den Verkauf geben», so Rauball. Der kühle und stets sachliche Jurist konnte seine Freude über diesen Triumph nicht verbergen: «Das heute ist ein Festtag. Es gibt sicher wichtigere Tage, der heute aber ist der schönste!»

Zu verdanken war dieser Triumph einzig und allein Roman Weidenfeller. Der Dortmunder Schlussmann, schon seit Wochen in Länderspielform, lieferte in diesem 125. Derby eine klasse Vorstellung ab. Dreimal rettete er gegen Lincoln, zuvor parierte er sogenannte «Unhaltbare» gegen Ebbe Sand, Ailton, Marcello Bordon und schließlich auch noch gegen Mike Hanke. «Ich habe immer gesagt, das Roman noch besser sein kann», so Trainer Bert van Marwijk, «aber besser als heute kann er nicht mehr halten.»

Und auch Ralf Rangnick sah in dem 24jährigen Schlussmann die Ursache für die vielleicht noch folgenschwere Niederlage der Schalker. «Der BVB war mit Fortuna und Roman Weidenfeller im Bunde. Eigentlich mussten wir dieses Spiel klar gewinnen. Die Mannschaft hat alles gegeben, sie hat gekämpft bis zum Schluss. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass jemand ein Drehbuch geschrieben hat, das aus dramaturgischen Gründen vorschreibt, dass die Entscheidung um die Champions- League zwingend erst am letzten Tag fallen darf.»

Während Schalke 04 einem erneuten Matchball hinterher trauert, darf sich die Borussia als die Rückrundenmannschaft schlechthin feiern lassen. Zum Beginn des Jahres noch als ein heißer Abstiegskandidat gehandelt, entwickelte sich die Truppe von Bert van Marwijk zum echten Renner, der mit den 34 Punkten aus den letzten 16 letzten Spielen sich die Chance erhalten hat, sich doch noch direkt für den Uefa-Cup zu qualifizieren. «Deshalb werden wir in den nächsten Wochen uns noch einmal voll auf unser Spiel gegen Rostock konzentrieren.»

Gleichwohl darf die Borussia schon jetzt das Saisonfinale als «vollen Erfolg» bezeichnen. Nach den Turbulenzen um Geld, Präsidium und Management ist der BVB wieder in ruhigere Fahrwasser gelangt. «Die Mannschaft passt jetzt einfach besser zusammen, sie hat auch unseren Trainer endlich begriffen», lieferte Rauball die Gründe für die Dortmunder Renaissance. Ein Stückchen davon wäre den Schalker im Schlussspurt auch zu wünschen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%