Schießen International
WM ist kein deutsches Schützenfest

Nur eine Medaille konnten die deutschen Sportschützen bislang bei den Weltmeisterschaften in Zagreb einfahren. Selbst der dreimalige Olympiasieger Ralf Schumann patzte mit der Schnellfeuerpistole.

Die deutsche Bilanz bei der Weltmeisterschaft in Zagreb bleibt weiter hinter den Erwartungen zurück. Kein Edelmetall für "Mr. Perfect" Ralf Schumann und insgesamt nur eine Medaille in einer olympischen Disziplin bedeuten den Absturz ins Mittelmaß. Am Sonntag platzte der Traum des dreimaligen Olympiasiegers Schumann vom dritten WM-Titel mit einem siebten Platz mit der Schnellfeuerpistole. Auch Titelverteidiger Marco Spangenberg als Vierter und die Atlanta-Olympiazweite Susanne Kiermayer als Fünfte im Trap verloren die Nerven - beide hatten vor dem Finale noch auf Platz zwei gelegen.

"Natürlich bin ich enttäuscht, aber das Leben muss weitergehen. Wir haben uns in der Truppe so gut wie noch nie gefühlt, aber ich habe einen groben technischen Fehler gemacht", erklärte Schumann nach dem schlechtesten WM-Resultat seiner Karriere traurig. Der vor der WM ungeschlagene Stockheimer leistete sich sogar eine sieben und verpasste mit 579 Ringen das Finale der besten sechs um zwei Zähler.

Spangenberg tröstet sich mit Olympia-Qualifikation

Ein Grund zum Aufhören ist das für den 44-Jährigen, der sich selbst Schützen-Schumi nennt, nicht: "Ich plane bis Olympia 2012." Spangenberg verpasste Edelmetall um 0,5 Ringe, sicherte aber immerhin den 14. deutschen Olympia-Startplatz für Peking 2008. Gold gewann der Chinese Penghui Zhang mit 786,6 Ringen.

Der deutsche WM-Auftritt ist auch für Sportdirektor Heiner Gabelmann mit bislang nur einmal Bronze für Sonja Pfeilschifter nach zwölf von 15 Entscheidungen "eine klare Enttäuschung". Sein Ziel von sechs WM-Medaillen wie bei der WM 2002 in Lahti wird klar verfehlt. Der Sportdirektor kündigte mit Blick auf Olympia 2008 eine stärkere Arbeit im psychologischen Bereich an und will künftig keine WM-Touristen mehr zu großen Titelkämpfen mitnehmen: "Die Leute, die mit 20. Plätzen zufrieden sind, oder immer Ausreden suchen, schaden dem Anspruchsdenken im Team."

Rüger rügt die Organisatoren: "Die WM ist ein Witz"

Bezeichnend für den deutschen Auftritt war, dass die 37 Jahre alte Kiermayer mit dem zweitschlechtesten Finale und insgesamt 87 Treffern das Podest verpasste. Als Begründung erklärte sie, dass ihr "kotzübel" gewesen sei. Gold gewann nach einem Unwetter mit hühnereigroßen Hagelkörnen, das für eine Überschwemmung plus Stromausfall sorgte, die mit 55 Jahren wesentlich fitter als Kiermayer wirkende Kanadierin Susann Nattrass mit 90 Treffern. In der "Königsdisziplin" Dreistellungskampf komplettierte Maik Eckhardt (Dortmund) als 23. mit 1 164 Ringen beim Triumph des Russen Artem Kadschibekow (1 273,5) die Blamage der Gewehr-Herren: "Viele von uns sind halt bessere Freizeitsportler und haben gegen die Profis nicht immer eine Chance."

Viel Kritik gab es auch an der schlechten Organisation der WM, die faktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Bundestrainer Reinhard Rüger: "Die WM ist ein Witz. Man müsste fast alles im Sportschießen verändern. Aber das ist mit den alten Knaben nicht zu machen, da müsste schon neues Personal mit neuen Ideen her."

© SID

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