Schily fordert schnelle Aufklärung im Wettskandal: Millionen statt Wiederholungsspiel für den HSV

Schily fordert schnelle Aufklärung im Wettskandal
Millionen statt Wiederholungsspiel für den HSV

Das manipulierte DFB-Pokalspiel zwischen dem SC Paderborn und dem Hamburger SV wird entgegen der Forderung des HSV nicht wiederholt, dafür erhält der betrogene Bundesligist vom DFB eine Entschädigung von zwei Mill. Euro mit einem Länderspiel in der AOL-Arena.

dpa FRANKFURT/MAIN. Das manipulierte DFB-Pokalspiel zwischen dem SC Paderborn und dem Hamburger SV wird entgegen der Forderung des HSV nicht wiederholt, dafür erhält der betrogene Bundesligist vom DFB eine Entschädigung von zwei Mill. Euro mit einem Länderspiel in der AOL-Arena.

Darauf einigten sich der Club, der seinen Einspruch gegen das am 21. August auf Grund der Fehlentscheidungen des ehemaligen Schiedsrichters Robert Hoyzer mit 2:4 verlorene Spiel zurückgezogen hatte, und der type="unknownISIN" value="Deutscher Fußball Bund DFB">DFB in Frankfurt/Main. "Wir können ein wenig wiedergutmachen, was der HSV an Schaden erlitten hat", sagte der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger.

Demnach bekommt der HSV als Ausgleich eine sofortige Einmalzahlung von 500 000 Euro sowie im Oktober ein Länderspiel voraussichtlich gegen Japan oder China in der AOL-Arena, das noch einmal 1,5 Mill. bringen soll. "Der Gesamtbetrag wird rund zwei Mill. Euro betragen, was noch fehlt, legen wir drauf", erklärte Zwanziger. Ob der DFB letztlich Schadensersatzklage gegen Hoyzer stellen wird, ließ Zwanziger offen.

"Ich bin sehr froh über diese Regelung. Für uns ist es wichtig, dass unsere Rechtsposition positiv beurteilt worden ist", meinte HSV-Präsident Bernd Hoffmann. Der Club sei zwar bereit gewesen, zu jeder Zeit in den Pokalwettbewerb wieder einzutreten. "Man muss sich aber dem Fairplay-Gedanken beugen." Die Lösung mit dem Länderspiel begrüßte Hoffmann ausdrücklich. Auf die Rücknahme des Einspruchs habe man sich wegen unüberbrückbarer Probleme geeinigt, erklärte HSV-Anwalt Christoph Schickhardt nach einer zweistündigen Unterredung mit den DFB-Verantwortlichen. Der Wiedereingliederung des HSV in den Pokalwettbewerb erteilte der DFB vor allem aus praktischen Gründen eine Absage. "Uns war sehr bald klar, dass eine wirklich wünschenswerte sportliche Lösung nicht möglich wäre", sagte Zwanziger.

"Es war eine sehr komplizierte juristische Verfahrenslage. Manipulationen sind in den Statuten des DFB nicht verankert", sagte der Sportgerichts-Vorsitzende Rainer Koch, der den Vergleichsvorschlag unterbreitet hatte. Bis zum Pokalfinale Ende Mai in Berlin sei eine juristisch rechtskräftige Lösung kaum möglich gewesen. So ist nach Paragraf 17 der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB ein Einspruch gegen eine Spielwertung nur binnen zwei Tagen nach der Partie möglich, mit Ausnahme von Dopingvergehen. Dann läuft die Frist zwei Tage nach Kenntnisnahme des Sachverhalts ab. Laut Paragraf zehn ist zudem eine Spielwertung im Pokalwettbewerb nicht mehr zu ändern, wenn die nächste Runde bereits ausgetragen ist.

Gleich zu Beginn hatte Koch diese Problematik dargestellt und fünf verschiedene Lösungsmöglichkeiten skizziert. Neben der Einigung war dies unter anderen auch der Spielverlust der Paderborner, da die Partie durch den Schiedsrichter und offenbar auch durch einen Spieler manipuliert worden war. Denn Hoyzer hatte bei seinen Aussagen bei der Staatsanwaltschaft Berlin und der zweiten Vernehmung durch den DFB "glaubhaft" die Mithilfe von Paderborns Kapitän Thijs Waterink zur Spielmanipulation bestätigt. Demnach hat der Paderborner Spieler vor der Partie von einem Kroaten Geld bekommen. Während des Spiels hatte sich Waterink nach Hoyzers Aufforderung "mach' doch mal was" im Strafraum fallen lassen - Hoyzer entschied auf Elfmeter. Daraufhin habe er gewusst, "dass Waterink mit im Boot sei", so der Ex-Referee.

Wenige Stunden vor der Sportgerichtsverhandlung hatte der DFB - Kontrollausschuss im Zuge der Ermittlungen im Wett- und Betrugsskandal Schiedsrichter Jürgen Jansen zweieinhalb Stunden lang vernommen. Über den Inhalt der Unterredung wurden keine Angaben gemacht. Der Essener Referee war von Hoyzer belastet worden und hatte auf einer Pressekonferenz vor einer Woche vehement seine Unschuld beteuert.

Laut Informationen der "Süddeutschen Zeitung" soll Hoyzer bei einer Vernehmung angegeben haben, er habe seinen Erstliga-Kollegen Torsten Koop (Lüttenmark) für Manipulationen anzuwerben versucht. Koop habe bei einer Befragung durch den DFB eingeräumt, dass Hoyzer ihm gegenüber mit Manipulationen geprahlt habe. Passiert sei dies bereits Anfang 2004. Er sei nicht darauf eingegangen, habe den Vorfall aber nicht beim DFB gemeldet, weil er ihn für Prahlerei gehalten habe.

Unterdessen forderte Bundesinnenminister Otto Schily vom DFB und allen ermittelnden Behörden eine rasche Aufklärung des Wettskandals. "Es geht darum, ohne Ansehen von Personen die Sache schnell aufzuklären. Bis zum Confederations Cup muss für Klarheit gesorgt sein", sagte der Minister in Berlin.

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