Schmutziger Sport, reines Wasser
Zukunft von Team Gerolsteiner auf der Kippe

Der Mineralwasser-Konzern Gerolsteiner erwägt aufgrund der anhaltenden Doping-Skandale für die Zukunft einen Ausstieg aus dem Radsportgeschäft. Ob die Marke weiterhin bei der Tour de France Präsenz zeigen wird, entscheidet sich im August. „Die Chancen stehen 50:50“, meint Marketingchef Stefan Göbel.

HB JOIGNY. Für das Team Gerolsteiner um Stefan Schumacher und Markus Fothen steht bei der Tour de France die Zukunft auf dem Spiel. Die kommenden 17 Tage werden den Ausschlag geben, ob Deutschlands führender Mineralwasser-Hersteller nach 2008 Sponsor im skandalgeschüttelten Radsport bleibt. Neue Dopingvorwürfe bis zum Ende der Tour am 29. Juli würden die Entscheidung schwer belasten. „Es darf nichts Dramatisches passieren“, sagte Gerolsteiner- Vorstandchef Jörg Croseck in Compiègne. „Die Chancen stehen 50:50“, meinte Gerolsteiner-Marketingchef Stefan Göbel.

Ende August will das Getränke-Unternehmen die Karten auf den Tisch legen und mit Team-Leiter und ProTour-Lizenzhalter Hans-Michael Holczer sprechen. Der Vertrag läuft bis 2008, Holczer besitzt die vom Weltverband UCI vergebene Lizenz bis 2010. Maßgeblich für Gerolsteiner werden dabei die Entwicklung der Zuschauerquoten, das Leserinteresse und die öffentliche Akzeptanz des Radsports sein. Das sollen die Marktanalysen herausfinden, die Gerolsteiner seit Beginn seines Radsport-Engagements 1988 immer wieder unternimmt.

Der Verbleib im Radsport ist für das Unternehmen keine Geschmacksfrage. „Am Ende soll das Sponsoring der Marke 'Gerolsteiner' dienen“, sagte Croseck. Schmutziger Sport und reines Wasser passten nicht zusammen. Mit einem Jahresumsatz von rund 200 Mill. Euro hält der Sprudel-Fabrikant etwa zehn Prozent des mit rund 240 Anbietern heftig umkämpften Marktes für Flaschenwasser.

Ein schwerer Schlag wäre daher für Gerolsteiner, wenn ARD und ZDF bei einem neuen Dopingfall aus der diesjährigen Tour-Übertragung aussteigen. Zwar bekennt auch Croseck, dass der Radsport „einen Schlag“ bekommen hat und nun bis zur letzten Konsequenz aufgeklärt werden müsse. „Als Sponsoren können wir aber den Sport nicht sauber machen.“ Hier seien Teams, Fahrer und Verbände in der Pflicht.

Nicht begeistert sind Gerolsteiners Marketing-Leute von den schleppenden Tour-Quoten der vergangenen Tage und die auf Doping zentrierte Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sender. Croseck wünscht sich, dass bald wieder eine Balance zwischen Sport und Aufklärung gefunden wird.

„Wir fühlen uns mit Holczer ausgesprochen wohl“, versicherte der Chef des Konzerns aus der Vulkan-Eifel, der 1988 mit seinem Radsport- Engagement begann und bisher mit Danilo Hondo einen Doping-Fall in den eigenen Reihen hatte. Vor der Tour hatte der frühere Schullehrer Holczer mehrmals erklärt, er gehe von einer Fortsetzung des Gerolsteiner-Engagements aus, das jährlich zwischen acht und neun Mill. Euro liegt. Von der Gerolsteiner-Entscheidung hängen auch rund 60 Arbeitsplätze ab, darunter die der 26 Profifahrer.

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