Schweden schaltet USA aus
Sensation im Frauen-Eishockey

Eishockey-Fans auf der ganzen Welt staunen über das größte Eis-Wunder seit dem 4:3-Triumph der US-Männer über die Sowjetunion 1980 in Lake Placid.

HB TURIN. Mit dem 3:2 nach Penaltyschießen hatte der WM-Dritte am Freitag dafür gesorgt, dass es seit der Einführung von Weltmeisterschaften 1990 kein rein-nordamerikanisches Endspiel zwischen den bisherigen beiden Olympiasiegern gibt. "Das schadet nicht und freut mich riesig für Schweden", sagte Deutschlands Kapitän Christina Oswald, der die mitunter überhebliche US-Haltung gegenüber dem Rest der Welt missfiel. "Das ist toll für das Frauen-Eishockey", fügte Kanadas Superstar Hayley Wickenheiser hinzu, die nach dem 6:0 über Finnland mit dem Rekord-Weltmeister am Montag das Finale gegen die Schwedinnen bestreiten wird.

In der Vorrunde hatte es ein haushohes 8:1 für Kanada gegeben, das sich nach acht Titeln im Vorjahr erstmals den USA bei einer WM beugen musste. Schwedens Trainer Peter Elander erzählte, er habe seinen Schützlingen während der Vorbereitung immer wieder den Film "Miracle On Ice" gezeigt, der den unvergesslichen Sieg der US-College-Boys über die unschlagbar scheinende "Sborjana" vor 26 Jahren dokumentiert. Außerdem habe er Trainingsmethoden des legendären, damaligen US-Coaches Herb Brooks übernommen.

Aus seinem geschlossenen, konditionsstarken Team ragten Torjägerin Maria Rooth und Torhüterin Kim Martin noch heraus. "Ich bin so stolz und glücklich, um die Goldmedaille zu spielen. Diese Mannschaft hat ein riesiges Herz", sagte Rooth, die beide schwedischen Tore während des Spiels schoss und den letzten Penalty verwandelte. "Das ist die größte Sache überhaupt - nicht nur für das schwedische Frauen- Eishockey", erklärte Kim Martin.

"Ich bin geschockt", gestand dagegen US-Verteidigerin Angela Ruggiero. Jenny Potter meinte: "Ich bin den Tränen nah." Auf Kritik muss sich vor allem Trainer Ben Smith einstellen, der die über viele Jahre herausragende Cammi Granato nicht mehr nominierte. Seine Spielerinnen wussten laut Angela Ruggiero nicht einmal, wie es bei einem Unentschieden nach 60 Minuten weitergeht. Noch am Morgen vor der Sensation hatte der Präsident des Eishockey-Weltverbandes, René Fasel, um Geduld für die kleineren Nationen gebeten, damit sie den Abstand zur Frauen-Spitze verkürzen könnten. Fasel verwies auf Schwedens Männer: Sie mussten bei Olympia 64 Jahre lang auf den ersten Sieg gegen Kanada warten.

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