Schwedischer Gegner zeigt derzeit Schwächen
Turbine will Titelsammlung komplettieren

Trainer Bernd Schröder hat mit den Fußballerinnen von Turbine Potsdam nahezu alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Den Uefa-Cup hielt der Klub-Macher indes noch nicht in seinen Händen.

HB BERLIN. Nach dem Finaleinzug im Uefa-Cup der Frauen war der Trainer des FFC Turbine Potsdam nicht zu bremsen. «Ich verspreche euch, wir holen den Europapokal», hatte Bernd Schröder während des Charterfluges aus Trondheim über das Bordmikrofon lauthals verkündet. Nun wollen die Potsdamerinnen auch Taten folgen lassen.

Am Sonntag geht es für sie im Final-Hinspiel beim schwedischen Vertreter Djurgården/Älvsjö erst einmal darum, sich eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel eine Woche später zu verschaffen. Die erste Partie wird um 13.00 Uhr im Olympiastadion von Stockholm angepfiffen.

Den Gegner hat der Langzeittrainer von Turbine Potsdam am vergangenen Wochenende selbst beobachtet. Die Stockholmerinnen verloren in der nationalen Meisterschaft mit 0:1 gegen Umea IK, den Uefa-Cup-Sieger des Vorjahres. Umea hatte sich vor Jahresfrist in den beiden Endspielen deutlich gegen den 1. FFC Frankfurt durchgesetzt. Die Hessinnen wiederum haben als bislang einziges deutsches Team im Jahre 2002 den Cup geholt.

Es sei schwierig einzuschätzen, wie stark der Endspielgegner wirklich sei, berichtete Schröder. Mannschafts-Kapitän Ariane Hingst schätzt die Chancen auf 50:50. Djurgården sei ein richtig starker Gegner. Gegen den zu gewinnen, «ist nochmal ein zusätzlicher Anreiz und Ansporn».

Sportlich läuft es bei Djurgården/Älvsjö derzeit jedenfalls nicht. Der aktuelle schwedische Meister ist mit einem Sieg und einer Niederlage in die neue Saison gestartet. Für Turbine Potsdam hat sich das Thema Titelverteidigung inzwischen erledigt. Auch Rang zwei ist nach der 0:2-Niederlage im vorgezogenen Spiel in Crailsheim unter der Woche nicht mehr drin. Dort verzichtete Trainer Schröder allerdings auf vier Stammkräfte. Die Spielerinnen sollten ihre leichten Blessuren für die wesentlich wichtigere Partie in Stockholm auskurieren. Im Finale wird Turbine wieder in Bestbesetzung auflaufen.

Die Bundesliga war aber für den Double-Gewinner des Vorjahres nach dem Finaleinzug ohnehin nur noch zweitrangig. Rein sportlich gesehen ist der Gewinn des Uefa-Cup wesentlich wichtiger. Nur so «können wir in der nächsten Saison international mitmischen», so Schröder.

Auch Ariane Hingst will den Uefa-Cup nicht missen. «Das spielerische Niveau ist ein anderes als teilweise in unserer Bundesliga. Das Drumherum, das Flair, das Feeling, die Atmosphäre bei den Spielen.»

Bei den Frauen ist - im Gegensatz zur Champions League der Männer - der Pokalverteidiger für die kommende Saison gesetzt. Anders sind allerdings auch die finanziellen Verhältnisse. Zu verdienen gibt es bei den Frauen praktisch nichts. «Die Partien in dieser Saison waren praktisch Null-Summen-Spiele, weil unsere Ausgaben wesentlich höher waren, als wir es uns vorgestellt hatten», betonte Schröder. Auch für die beiden Finalspiele zeigt sich die Uefa knauserig.

Zu verdienen gäbe es für den Verein nur etwas, falls die Zuschauerkulisse beim Rückspiel im Karl-Liebknecht-Stadion in Potsdam-Babelsberg (21. Mai, 13 Uhr) stimmt. Auf diesen Heimvorteil im entscheidenden Spiel bauen die Brandenburgerinnen. Denn im eigenen Stadion haben sich im Uefa-Cup bislang alle Partien gewonnen - und dies zu meist recht deutlich.

Zudem können sich die Frauen auf einen prominenten Gast freuen. Der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger wird in Babelsberg die Daumen drücken. Die Damen sind ein Teil, weshalb der 59-Jährige trotz Wettskandal Freude am Fußball hat. «Ich hoffe, dass sie den Europapokal gewinnen», sagte Zwanziger der «Netzeitung».

Sollte es wider Erwarten nicht mit dem ganz großen Coup klappen: Eine weitere Chance auf einen Titel hat die Mannschaft noch. Turbine hat auch in diesem Jahr das Finale um den DFB-Pokal in Berlin erreicht. Gegner ist wie im vergangenen Jahr der Dauerrivale aus Frankfurt. Doch der Uefa-Cup zählt mehr, da er in der Sammlung von Turbine noch fehlt. Das wäre selbst für den Coach eine Premiere - und dies nach über 30 Jahren im Verein.

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