Schwere Anschuldigungen
Dopingvorwürfe: Biathlon-Coach Ullrich kämpft um seinen Ruf

Die deutschen Biathleten geraten zunehmend unter Doping-Verdacht. Im Mittelpunkt steht Bundestrainer Frank Ullrich. Dieser wehrt sich vehement gegen Vorwürfe, in den 80er Jahren als Trainer in der DDR Athleten Dopingmittel verabreicht zu haben. Auch der deutsche Skiverband gerät inzwischen unter Druck und berät derzeit über das richtige Krisenmanagement in der Causa Ullrich.

HB DÜSSELDORF. Der Staffel-Weltmeister von 1987, Jürgen Wirth, wirft Frank Ullrich vor, damals von ihm die Anweisung zum Dopen erhalten zu haben. „Die Trainer Wilfried Bock und Frank Ullrich haben die Einnahme kontrolliert, damit jeder diese Tablette nimmt“, sagte Wirth. Der Staffel-Olympiasieger Jens Steinigen bestätigte indes, dass Ullrich 1986 bei Gesprächen, bei denen es um die Vergabe der Dopingmittel ging, anwesend gewesen sei.

Ullrich bestreitet dies: „Die Vorwürfe sind ungeheuerlich. Ich habe in keinster Weise weder Wirth noch sonst einem Athleten Dopingmittel verabreicht – weder im DDR-System noch heute“, sagte der Bundestrainer der deutschen Männermannschaft. Unterstützung erhält er vom Olympiasieger von Calgary 1988, Frank-Peter Roetsch, der angab, von Ullrich niemals Dopingmittel erhalten zu haben.

Der Deutsche Skiverband (DSV) beschäftigte sich am Dienstag mit den Vorwürfen. Eine Beurlaubung von Ullrich bis zur Klärung der Vorwürfe sei aber nicht geplant. Der DSV gerät dabei inzwischen selbst unter Druck. Entgegen der eigenen Darstellung lag dem Verband eine Empfehlung vor, Ullrich und Bock wegen deren Verstrickungen ins DDR-Dopingsystem nicht mehr zu beschäftigen. Nach WDR-Informationen hatte das Präsidium des damaligen Deutschen Sportbunds (DSB) – dem Vorgänger des Deutschen Olympischen Sportbunds – im Mai 1991 dem DSV eine entsprechende Mitteilung gemacht.

Das geht aus einem Brief des DSB-Justiziars Jochen Kühl an den Sportausschuss des Deutschen Bundestages hervor. Demnach sei eine Kommission des DSB-Präsidiums über Doping-Fragen überzeugt gewesen, dass „im Skilanglauf und im Biathlonsport der ehemaligen DDR flächendeckend gedopt worden ist und hierüber alle Trainer, Ärzte und Funktionäre“ informiert gewesen seien.

Die Diskussion um Doping im Biathlon ist nicht neu: Vor einem Jahr hatte die ARD von 30 Athleten berichtet, die Kunden einer Wiener Blutbank gewesen sein sollen. Und bei den Olympischen Winterspielen in Turin 2006 gab es einen handfesten Dopingskandal im österreichischen Olympiateam. Deren früherer Trainer Walter Mayer wurde nach den Spielen lebenslang gesperrt. Am vergangenen Sonntag wurde er sogar festgenommen, weil ihm der Handel mit dem Dopingmittel Epo vorgeworfen wird.

Die deutschen Biathleten verkaufen sich in der Öffentlichkeit allerdings als Saubermänner. Im Januar noch gab die Biathlon-Managerin Petra Behle in einem Handelsblatt-Interview eine Unbedenklichkeitserklärung für die Sportler ab: „Die deutschen Athleten sind sauber.“ Einer der Sponsoren allerdings, Eon Ruhrgas, behält sich eine Ausstiegsklausel für den Fall vor, dass einem deutschen Biathleten ein Dopingvergehen nachgewiesen wird.

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