Schwimmen DM
Licht und Schatten bei Winter-DM der Schwimmer

Die Winter-DM der Schwimmer brachte neben dem Fast-Weltrekord durch Annika Lurz und vier deutschen Rekorden auch einige Rückschläge. Vor allem Britta Steffen und Helge Meeuw waren die Sorgenkinder.

Die Winter-DM und WM-Qualifikation in Hannover brachte für die deutschen Schwimmer Licht und Schatten. Zu den Highlights zählten ein Fast-Weltrekord durch Annika Lurz und vier nationale Bestmarken, auf der Gegenseite standen aber auch Rückschläge und die beiden großen Hoffnungsträger Britta Steffen und Helge Meeuw als kranke Teilzeitarbeiter. Vier Monate vor der WM in Melbourne blieb der erhoffte weitere Leistungsschub nach den starken Auftritten bei der EM im Sommer in Budapest aus.

"Ich habe nie gesagt, dass unsere Athleten sofort über das Wasser fliegen würden. Wir werden mit einem guten und soliden Team nach Melbourne reisen", beschwichtigte Örjan Madsen, Sportdirektor des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV): "Es war etwas holprig. Dass gerade Britta und Helge krank geworden sind, schlägt natürlich ins Kontor. Aber mit der überragenden Annika hatten wir zum Beispiel auch eine richtige Überfliegerin."

Steffen kämpfte gegen die Magen-Darm-Grippe

Doch ausgerechnet die neue Schwimm-Königin Britta Steffen und Helge Meeuw entpuppten sich als Sorgenkinder, deren ärztliche Bulletins den Rest teilweise ins Abseits stellten. Die vierfache Europameisterin zeigte zum Abschluss aber Kämpferqualitäten und qualifizierte sich trotz der Auswirkungen einer Magen-Darm-Grippe über ihre Weltrekordstrecke 100m Freistil in starken 53,78 Sekunden souverän für Australien.

"Ich habe in den letzten beiden Tagen nur im Bett gelegen und dabei ein paar Kilo verloren. Jetzt sind mir zusätzlich auch noch ein paar Steine vom Herzen gefallen", erklärte die 23-Jährige aus Berlin, die nach dem Auftakterfolg über 50m ihren Start und die WM-Qualifikation über 200m abschreiben musste.

Nur ein Ticket für Meeuw

Noch schlimmer erwischte es Europameister Meeuw. Wegen einer starken Erkältung sicherte sich der Neu-Frankfurter, der bei der DM im Sommer in Berlin noch als fünfmaliger Titelträger geglänzt hatte, lediglich als Zweiter über 100m Rücken das Ticket für die WM.

In die Bresche sprang zumindest Annika Lurz. Die Würzburgerin, die bei der EM noch unter ihrem Mädchennamen Liebs Silber gewonnen und danach ihren Trainer Stefan Lurz geheiratet hatte, verpasste über 200m Freistil in 1:56,73 Minuten den Weltrekord von Franziska van Almsick nur um neun Hundertstel. "Im Nachhinein ärgere ich mich schon ein bisschen über die verpasste Chance, aber vielleicht kann ich das ja noch nachholen", sagte Lurz, die in Australien auf drei Strecken an den Start gehen darf.

Ihr Schwager Thomas Lurz über 800m Freistil (7:51,59), die Magdeburgerin Antje Buschschulte über 50m Schmetterling (26,35), Kurzbahn-Europameisterin Janne Schäfer aus Wolfsburg über 50m Brust (30,89) und Daniela Samulski (Wuppertal) über 100m Schmetterling sorgten mit deutschen Rekorden für weitere Höhepunkte. Bezeichnend: Sowohl Annika und Thomas Lurz als auch Schäfer und Samulski hatten im Vorfeld auf das von Madsen verordnete Höhentrainingslager in der Sierra Nevada verzichtet.

Der Norweger will trotzdem an seinem Konzept zur Vorbereitung auf die WM sowie Olympia 2008 festhalten. "Es wäre zu früh, jetzt irgendwelche negativen Rückschlüsse abzuleiten. Wir ziehen das mit Sicherheit weiter durch", erklärte der 60-Jährige, räumte aber auch mögliche Ausnahmen in Einzelfällen ein: "Wir wollen ja nicht mit dem Kopf gegen die Wand rennen."

Hoffnung für Warnecke und Poleska

Der Traum von der erfolgreichen Titelverteidigung bei der WM über 50m Brust ist für Altmeister Mark Warnecke dagegen womöglich geplatzt. Der Essener, der sich im Vorjahr in Montreal mit 35 Jahren zum ältesten Weltmeister gekürt hatte, blieb bei seinem Sieg in 28,18 Sekunden acht Hundertstel über der Richtzeit für Australien.

Örjan Madsen hatte zunächst auch erklärt, hart bleiben zu wollen, machte kurze Zeit später aber einen überraschenden Rückzieher. "Ich werde die endgültige Mannschaft für Australien doch erst am Montag bekannt geben. Es gibt gute Argumente in die eine oder andere Richtung", sagte Madsen, der Warnecke und auch der Olympiadritten Anne Poleska zuvor noch ein "Gnadengesuch" verweigert hatte. "Aber jetzt bin ich zwei Stunden älter und klüger", erklärte der Norweger. Für den Fall, dass er in Melbourne nicht antreten dürfe, hat Warnecke bereits sein sofortiges Karriereende angekündigt.

Auf Madsens Gnade angewiesen ist auch Poleska, die über 200m Brust in 2:28,55 Minuten fünf Hundertstel über der Richtzeit blieb. Die Aktivensprecherin des DSV, die bereits die Teilnahme an der EM im Juli in Budapest verpasst hatte, brach nach dieser Entscheidung in Tränen aus, konnte kurz danach aber wie Mark Warnecke zumindest noch einmal 24 Stunden hoffen.

Janine Pietsch aus Ingolstadt verzichtete auf einen Start über ihre Weltrekordstrecke 50m Rücken. Die Europameisterin reiste wegen der Erkrankung ihrer Mutter vorzeitig ab. In ihrer Abwesenheit sicherte sich die Magdeburgerin Antje Buschschulte in 28,92 Sekunden Titel und WM-Startrecht. Der deutsche Rekordmeister Thomas Rupprath holte sich über 100m Schmetterling in 53,20 Sekunden zwar seinen 64. nationalen Titel, verpasste im Gegensatz zu seiner Weltrekordstrecke 50m Rücken aber um drei Zehntel die WM-Norm.

© SID

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