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Biedermann: "Ich bin kein One-Hit-Wonder"

Im SID-Interview spricht Schwimm-Star Paul Biedermann über sein erfolgreiches Jahr 2009, seine Erwartungen für die Kurzbahn-EM und die Herausforderungen im kommenden Jahr.

Vier Weltrekorde, zwei Weltmeistertitel, den achtfachen Olympiasieger von Peking Michael Phelps auf seiner Paradestrecke enttrohnt: Erfolgreicher hätte das Jahr für Paul Biedermann kaum laufen können. Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) blickt der Berliner auf sein Erfolgsjahr zurück und wagt einen Ausblick auf die Herausforderungen, die im neuen Jahr durch den Wegfall der High-Tech-Anzüge auf die Athleten zukommen.

SID: "Herr Biedermann, zuletzt lagen Sie wegen einer Grippe flach. Fühlen Sie sich für die am Donnerstag beginnende Kurzbahn-EM in Istanbul fit?"

Paul Biedermann: "Ich bin seit einer Woche wieder im Wasser und fühle mich ganz gut. Mal schauen, was am Ende dabei herauskommt."

SID: "Ähnlich hatten Sie sich vor der WM nach einer Infektion mit dem Epstein-Barr-Virus und vor dem Kurzbahn-Weltcup in Berlin nach einem Muskelfaserriss im Oberschenkel ausgedrückt. Am Ende erzielten Sie zwei Siege mit zwei Weltrekorden..."

Biedermann: "Es scheint fast so, als würde ich es darauf anlegen. Im Ernst: Die Dinge sind nicht miteinander zu vergleichen. Weltrekorde sind dieses Mal wohl nicht von mir zu erwarten, aber unterschätzen sollte man mich auch nicht."

SID: "Sie haben ein phänomenales Jahr hinter sich, wurden Doppel-Weltmeister, vierfacher Weltrekordler und gelten als Favorit bei der Wahl zum Sportler des Jahres. Haben Sie den ganzen Erfolg bereits verarbeitet?"

Biedermann: "Damit habe ich kein Problem. Ich bin sehr bodenständig und hebe nicht ab, da passt mein Umfeld schon auf mich auf. Mir kommt zugute, dass mein Erfolg sehr kontinuierlich angestiegen ist, ich bin kein sogenanntes One-Hit-Wonder. Aber Fakt ist auch, dass 2009 ein Wahnsinnsjahr war. Wenn man einen Michael Phelps schlagen kann, dann ist das nicht von schlechten Eltern. Aber man darf sich darauf nicht zu viel einbilden."

SID: "Jetzt sind Sie der Gejagte. Beflügelt Sie dieser Druck?"

Biedermann: "Ich lasse keinen Druck an mich heran. Ich weiß, dass ich jeden schlagen kann, aber auch, dass gute Leute aus Osteuropa nachrücken, die mir das Leben zur Hölle machen wollen. Ich bin vorbereitet."

SID: "Auch auf die Zeit nach der Ära der High-Tech-Anzüge im kommenden Jahr?"

Biedermann: "Es lief mit den Anzügen zuletzt gut für mich, keine Frage. Aber man darf nicht vergessen, dass ich erst spät davon profitiert habe. Ich werde das bis zum Ende auskosten. Danach beginnt eine neue Zeitrechnung, in der sich alle umstellen müssen."

SID: "Sie haben bereits angekündigt, deshalb eine Diät machen zu müssen...?"

Biedermann: "Ja, ich muss zusehen, dass ich künftig über Wasser bleibe. Ich werde mich jetzt noch gesünder ernähren und wohl öfter auf meine geliebten Döner verzichten müssen. Auch Weihnachten wird hart. Aber ich bin froh, kein Skispringer zu sein."

SID: "Seit dem Amtsantritt von Bundestrainer Dirk Lange und Sportdirektor Lutz Buschkow vor einem Jahr geht es mit dem deutschen Schwimm-Team aufwärts. Woran liegt das?"

Biedermann: "Sie haben viele Dinge durchsetzen können, die auch schon ihr Vorgänger Örjan Madsen geplant hatte. Dirk Lange ist zudem genau der richtige Bundestrainer. Er macht klare Ansagen und motiviert ungemein. Genau das brauche ich."

SID: "Lange sagt, sie könnten der Michael Schumacher des Schwimmsports werden. Wie gehen Sie damit um?"

Biedermann: "Ich verehre 'Schumi' sehr, aber niemand weiß, ob ich auch die nächsten Jahre konstant erfolgreich sein werde. Noch gebe ich nicht so viel auf große Lobeshymnen."

SID: "Im Team sollen Sie gemeinsam mit Britta Steffen Vorbild für die jüngeren Sportler sein. Liegt Ihnen diese Rolle?"

Biedermann: "Es ist schön, wenn andere Kollegen in mir ein Vorbild sehen, das macht mich stolz. Ich versuche, dieser Rolle gerecht zu werden und mich auf meine Leistungen zu konzentrieren."

SID: "Was also ist in Istanbul möglich?"

Biedermann: "Ich will meinen Titel über 400 Meter Freistil verteidigen und über 200 Meter ins Finale kommen. Mindestens. Aber die EM ist nur ein Bonus, denn ich habe in diesem Jahr schon mehr erreicht als erhofft."

SID: "Sie hätten die EM auch auslassen können, so wie Britta Steffen..."

Biedermann: "Das kam für mich nicht in Frage. Ich sehe es als meine Pflicht, dort teilzunehmen, schließlich kommt das dem DSV zugute."

SID: "Was kommt danach?"

Biedermann: "Ich starte noch einmal in St. Petersburg und fahre danach zur Sportlerwahl. Dann mache ich zwei Wochen Urlaub mit meiner Freundin in Halle. Es wird Zeit, mal wieder die Seele baumeln zu lassen."

© SID

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