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Olympiasiegerin Happe feiert 80. Geburtstag

Bei den Olympischen Spielen 1956 in Melbourne holte die Schwimmerin Ursula Happe in 2:53,1 Minuten über 200m Brust sensationell die Goldmedaille. Am heutigen Freitag feiert Happe ihren 80. Geburtstag.

Als erste deutsche Schwimmerin überhaupt hat Ursula Happe bei den Olympischen Spielen 1956 in Melbourne eine Goldmedaille geholt. In 2:53,1 Minuten siegte Happe über 200m Brust und sorgte für eine Sensation. Eigentlich war Ursula Happe um kurz nach halb zehn aber viel zu müde. "Es war doch längst Schlafenszeit, ich wäre viel lieber ins Bett gegangen", erinnert sie sich an die Müdigkeits-Attacke vor dem Wettkampf.

Happe noch immer aktiv

Am heutigen 20. Oktober wird Happe 80 Jahre alt, dann wird wohl das ständige Klingeln des Telefons die Dortmunderin daran hindern, das zu tun, was sie immer noch jeden Tag tut: Schwimmen. "2000 Meter bringe ich täglich hinter mich. Das ist viel mehr als zu meiner aktiven Zeit", erzählt Happe: "Aber ich habe jetzt ja auch mehr Zeit."

Als sie mit 30 Jahren am anderen Ende der Welt zu Olympiagold schwamm, war sie alles andere als ein Profi. Morgens um sechs schwang sich die Europameisterin von 1954 auf ihr Fahrrad und radelte zum einzigen Hallenbad mit 25-m-Bahn in Dortmund: "Wenn ich Glück hatte, ließ mich der Hausmeister schon vor halb sieben rein." Einen Kilometer konnte sie höchstens trainieren, dann ging es im Eiltempo wieder nach Hause, auf die Kinder aufpassen, da Ehemann Heinz Günter zur Arbeit musste.

Niemand hatte ihr den olympischen Coup zugetraut, auch Ursula Happe selbst hatte nicht wirklich daran geglaubt. "Aber irgendeine musste am Ende ja gewinnen", meint sie. Dabei war es schon schwer genug, überhaupt nach Australien zu kommen. Über Hamburg, Stockholm, Anchorage, Hawaii und die Fidschi-Inseln kam sie damals erst nach einer echten "Weltreise" (Happe) inklusive Motorschaden mit dem Flugzeug in Melbourne an.

Unfreiwillige Gemüseschlacht im Flugzeug

Auch auf dem Rückweg gab es Turbulenzen. Das gerade servierte Gemüse flog den Passagieren, darunter DSB-Präsident Willi Daume und NOK-Chef Karl Ritter von Halt, um die Ohren. Happes Goldmedaille, die heute "irgendwo im Schrank" liegt, wurde in ihrem Plastikkästchen hin- und hergewirbelt, so dass die Goldbeschichtung ab war, ehe Happe die Plakette zu Hause vorzeigen konnte. In der Heimat wählten die Fans die gebürtige Danzigerin dennoch zum zweiten Mal nach 1954 zur Sportlerin des Jahres.

Zu ihrer kleinen Geburtstagsfeier erwartet Happe, die den Schwimmsport noch immer intensiv verfolgt und manche Leistung unwahrscheinlich nennt ("Es gibt so viele Mittel"), die sechs inzwischen erwachsenen Enkel und die vier Kinder. Dabei sein wird auch Sohn Thomas, der sich in die olympischen Annalen eintrug, als er 1984 in Los Angeles mit der deutschen Handball-Nationalmannschaft Silber gewann.

Eigene Briefmarke in der Dominikanischen Republik

Für Ursula Happe gab es 1956 weder Mittelchen noch monetäre Belohnung. Dafür findet sie nach kurzem Suchen ein kurioses Erinnerungsstück: Eine Briefmarke mit ihrem Bild - erschienen 1960 in der Dominikanischen Republik. "Da stehe ich gerade auf dem Startblock" erzählt sie. 17 Dominikanische Pesos war die schwimmende Ursula Happe wert.

© SID

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