Schwimmen WM
Gold und Weltrekord: Biedermann düpiert Phelps

Paul Biedermann hat bei der Schwimm-WM in Rom den zweiten Coup gelandet und die 200m Freistil mit Weltrekord vor Michael Phelps gewonnen. Helge Meeuw holte über 100m Rücken Silber.

Paul Biedermann reckte die Siegerfaust in den Himmel von Rom und ließ sich von 15 000 ausgelassenen Zuschauern im Foro Italico feiern: Deutschlands neuer Schwimm-Supermann hat das "Gladiatorenduell" gegen Michael Phelps gewonnen und den scheinbar unschlagbaren Rekord-Olympiasieger über 200 Meter Freistil mit Weltrekord entzaubert. Mit dem Sieg über Phelps und seinem zweiten WM-Titel in der Ewigen Stadt machte sich Biedermann unsterblich.

1:42,00 Minuten leuchteten auf der Anzeigetafel. 96 Hundertstel schneller als der alte Weltrekord von Phelps bei Olympia in Peking. Mit etwa einer Länge distanzierte Biedermann seinen Widersacher, der erst 1,22 Sekunden später anschlug. Eine gute Stunde nach Biedermanns Gold holte Helge Meeuw mit Silber über 100m Rücken in 52,54 Sekunden hinter dem Japaner Junya Koga (52,26) eine weitere Medaille für das DSV-Team. Helge Meeuw freute sich "riesig. Damit hätte ich nie gerechnet", sagte der Frankfurter.

"Das ist das Größte. Ein Traum ist wahr geworden", jubelte derweil Biedermann nach dem Triumph im Kräftemessen mit dem gestürzten Giganten und Franziska van Almsick meinte als ARD-Expertin: "Paul ist mit Sicherheit der neue Star. So klar hätte ich das nicht erwartet. Mir fehlen die Worte" Während sich Phelps nach dem abrupten Ende seiner fünfjährigen Siegesserie enttäuscht die Badekappe vom Kopf riss und mit leerem Blick aus dem Becken stieg, ging Biedermanns Blick hoch zur Tribüne, wo seine Familie und Freundin mitgefiebert hatten. Dann fiel der 22-Jährige aus Halle/Saale seinem Heimtrainer Frank Embacher in die Arme.

"Noch nicht der alte Michael Phelps"

"Michael war beim Start und an den Wenden schneller. Ich wusste, dass ich ihn während des Rennens schlagen musste", erklärte Biedermann, der sogar Mitgefühl mit Phelps hatte: "Er ist nach Peking mit Sicherheit noch nicht in Top-Form. Das ist noch nicht der alte Michael Phelps."

Biedermann erfüllte sich mit dem Coup einen Lebenstraum. Zwei Tage zuvor hatte er über die doppelte Distanz gewonnen und dabei den sieben Jahre alten Weltrekord des Australiers Ian Thorpe unterboten.

Phelps zeigte im ungewohnten Moment der Niederlage Größe und erwies sich als fairer Verlierer. "Man muss anerkennen, dass Paul der Bessere war. Er hat ein starkes Jahr. Ich war hier nicht in der Lage, ihm Paroli zu bieten. Glückwunsch", sagte der entthronte Superstar aus den USA, der seit Olympia 2004 in Athen auf dieser Strecke ungeschlagen war. Biedermann war schon im Vorlauf und Halbfinale schneller als Phelps gewesen. In Rom geht er am Freitag noch mit der 4x200-Meter-Freistilstaffel an den Start. Phelps hielt sich immerhin über 200m Schmetterling schadlos und zog ins Finale ein - allerdings auch nur als Zweiter seines Halbfinals.

Europarekord durch Feldwehr

Trotz neuem deutschen Rekord (1:07,01) reichte es für Sarah Poewe im Finale über 100m Brust nur zu Platz acht, der Sieg ging an die US-Amerikanerin Rebecca Soni (1:04,93). Hendrik Feldwehr konnte sich mit neuem Europarekord über 50m Brust in 26,83 Sekunden als Zweitbester für das Finale qualizifieren. "Das war ein perfektes Rennen", meinte der Essener zufrieden. Johannes Neumann (Riesa) schied als 15. (27,43) aus. Als Schnellster der Halbfinals sorgte der Südafrikaner Cameron van der Burgh in 26,74 ebenso für eine neue Weltbestmarke wie die Britin Gemma Spofforth, die über 100m Rücken in 58,12 knapp vor der bisherigen Rekordinhaberin Anastassija Sujewa (58,18) gewann.

Gold über 1500m der Frauen gab es für die Gastgebernation Italien. Alessia Filippi siegte mit Europarekord von 15:44,93 Minuten. 400m-Freistil-Weltmeisterin und Lokalmatadorin Federica Pellegrini drückte ihren eigenen Weltrekord über die halbe Distanz auf 1:53,67 Minuten.

© SID

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