Schwimmen WM
Lurz sammelt weiter Gold - Maurer Fünfte

Thomas Lurz hat bei der WM in Rom nach dem Sieg über fünf Kilometer auch über die doppelte Distanz Gold gewonnen. Angela Maurer musste sich hingegen mit Platz fünf zufrieden geben.

Als sich Thomas Lurz zum Doppel-Weltmeister gekürt hatte, griff Deutschlands Freiwasserkönig erstmal zum Handy und gab die frohe Kunde an "Mama und Freundin" weiter. Mit seinem achten WM-Titel hat der Würzburger nicht nur seine Familie froh gestimmt, sondern auch als erfolgreichster Langstreckler der Welt zur Russin Larisa Ilschenko aufgeschlossen und dem Deutschen Schwimm-Verband (DSV) das zweite Gold innerhalb von 24 Stunden beschert.

Während Ex-Weltmeisterin Angela Maurer über zehn Kilometer als Fünfte an einer Medaille vorbeischwamm, war Lurz "schon etwas stolz". Sein zweiter Erfolg am Lido di Ostia vor den Toren Roms bedeutete dem Olympiadritten besonders viel: "Die Olympia-Distanz hat noch einen höheren Wert als die fünf Kilometer am Dienstag. Nun muss ich das erstmal alles verarbeiten."

Nach einem Wechselbad der Gefühle bestach Lurz wie am Tag zuvor mit einem unwiderstehlichen Schlussspurt. In 1:52:06,9 Stunden verwies er den US-Amerikaner Andrew Gemmell auf Platz zwei. Der Wiesbadener Christian Reichert endete auf Rang 29.

Protest um Bronze

Auf seine Medaille muss Lurz aber noch warten, da ein Protest und Gegenprotest von Italien und den USA um Platz drei läuft. Der Weltverband Fina entscheidet am Donnerstag.

Vom Protest ist Lurz nicht betroffen, dafür musste er im Wasser zittern. "Auf dem letzten Kilometer hat sich alle zehn Meter meine Gefühlslage geändert. Am Ende habe ich nur noch das blaue Zielband gesehen und gedacht: Da muss ich als Erster die Hand dran haben", meinte Lurz.

Es funktionierte. Dabei profitierte Lurz auch davon, dass Olympiasieger Maarten van der Weijden seine Karriere nach Peking beendet hatte und Titelverteidiger Wladimir Diatschin nicht am Start war. Zudem schwamm US-Boy Francis Crippen an der letzten Boje vorbei. "Da habe ich auch das nötige Glück gehabt", sagte der Angehörige der Bundeswehr-Sportfördergruppe.

Auf den Doppel-Coup stieß Lurz "als Bayer mit einem Glas Weißbier" an. Viel Zeit zum Feiern oder Entspannen bleibt nicht. Nach der WM will Lurz in den Weltcup einsteigen. Das ganz große Ziel bleibt Olympia 2012 in London.

Maurer kann mit Platz fünf leben

Die Olympia-Vierte Angela Maurer verpasste zwar als Fünfte wie in Peking knapp eine Medaille, war aber trotzdem nicht unglücklich. "Ich habe alles gegeben und bin zufrieden", sagte die 33-Jährige aus Mainz: "Es war ein ziemliches Getümmel, ein paarmal wurde mir die Brille abgeschlagen. Aber ich will mich nicht beklagen. So ist das Geschäft."

Im Ziel hatte Maurer 3,8 Sekunden Rückstand auf die Britin Keri-Anne Payne (2:01:37,1), die sich nach Platz zwei bei Olympia WM-Gold vor der Russin Jekaterina Seliwerstowa und Martina Grimaldi aus Italien schnappte. Olympiasiegerin und Titelverteidigerin Ilschenko war zur Hälfte des Rennens mit muskulären Problemen ausgestiegen. Stefanie Biller (Schwabmünchen-Nördlingen) landete auf Rang 26.

Maurer hofft nun am Samstag über die "Marathonstrecke" 25 Kilometer auf einen Triumph wie bei ihrem WM-Titel 2006. "Da werde ich nochmal angreifen", sagte die Polizeibeamte.

Keine DSV-Prämien für Steffen und Co.

Unruhe gab es vor dem Umzug der Schwimmer von Ravenna nach Rom am Donnerstag. Das Team um Doppel-Olympiasiegerin Britta Steffen wird nicht in den Genuss von DSV-Prämien kommen. "Das ist wie in einer Familie. Wenn wenig Geld da ist, kann man nichts ausgeben", sagte DSV-Sportdirektor Lutz Buschkow dem Sport-Informations-Dienst (SID): "Die Sportler sind mit dafür verantwortlich, dass wir keinen Ausrüstervertrag mehr haben. Jetzt will ich kein Geheule hören."

Buschkow selbst will sich nach der bisherigen Nullnummer der Wasserspringer in der Funktion als kommissarischer Bundestrainer selbst "kritisch hinterfragen", doch einen Nachfolger gibt es zunächst nicht. "Ich überprüfe mich selbst, ob ich durch die Doppelbelastung zu wenig Zeit für die Springer hatte", sagte Buschkow.

© SID

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