Schwimmen WM
Rupprath versöhnt mit Silber - Phelps überragend

Bei der WM in Melbourne ist das DSV-Team weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben, auch wenn Thomas Rupprath zum Abschluss Silber gewann. Michael Phelps schwamm mit seinem fünften Weltrekord zum siebten Gold.

Der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) ist "Down Under" am Tiefpunkt angelangt. Bei der WM in Melbourne (Australien) schwammen die deutschen Athleten hinter den Zielsetzungen her. Auch Sprintspezialist Thomas Rupprath konnte die desolate Bilanz mit seiner Silbermedaille über 50m Rücken nicht mehr aufhellen. Erstmals blieben Deutschlands Schwimmer in der 34-jährigen WM-Geschichte ohne Titel.

"Es gibt nichts zu beschönigen. Wir stehen auf einer brennenden Plattform", sagte DSV-Sportdirektor Örjan Madsen. Nach dreimal Silber und einmal Bronze hat der 61-Jährige den Glauben an eine Wende zum Guten in Peking aber noch nicht verloren. "Diese Situation kann auch ein Vorteil sein. Denn nur wenn etwas sehr schmerzt, ist die Bereitschaft zu notwendigen Veränderungen da", erklärte Madsen und forderte "volle Kraft voraus" von den Athleten: "Es muss noch härter gearbeitet werden."

Rückendeckung bekam Madsen von DSV-Präsidentin Christa Thiel, die das Team in die Pflicht nahm: "Diese Situation hatten wir im Jahr 2000 auch, und danach ist ein Ruck durch die Mannschaft gegangen."

Rupprath sorgt für versöhnlichen Abschluss

Für einen versöhnlichen Abschluss sorgte zumindest Rupprath über die nicht-olympische Strecke 50m Rücken. Der Weltrekordler aus Rostock musste sich in 25,20 Sekunden nur dem Südafrikaner Gerhard Zandberg (24,98) geschlagen geben. Der Wuppertaler Steffen Driesen (25,29) belegte hinter dem Briten Liam Tancock (25,23) Platz vier.

Nach den Sternstunden bei der EM im Vorjahr in Budapest konnte in Melbourne nur Annika Lurz völlig überzeugen. Die Würzburgerin blieb über 200m Freistil 96 Hundertstel unter der alten Bestmarke von Franziska van Almsick, scheiterte aber an der neuen Weltrekordlerin Laure Manaudou. Steffen rief über 100m Freistil ihre Weltrekordzeit nicht ab. Die hätte zum WM-Titel gereicht. So blieb für die Berlinerin die Schlussfolgerung: "Das ist eine gute Motivation für Peking."

Zum Abschluss schwamm Steffen als Vierte über 50m Freistil in 24,79 Sekunden ebenso an einer Medaille vorbei wie Kurzbahn-Europameisterin Janne Schäfer aus Wolfsburg, die über 50m Brust in 31,35 Rang fünf belegte. Mit der Staffel über 4x200m Freistil hatte Steffen zusammen mit Lurz, Meike Freitag und Petra Dallmann als Zweite den Titel verpasst und den Weltrekord an Australien verloren.

Enttäuschend verlief die WM für die langjährige Erfolgsgarantin Antje Buschschulte und ihrem Freund Helge Meeuw, der stellvertretend für die zum großen Teil peinlichen Vorstellungen der Männer stand. Titelverteidiger Mark Warnecke scheiterte bei seinem letzten internationalen Auftritt über 50m Brust im Vorlauf. Nach Platz 15 des Lagen-Quartetts am Sonntag fanden die Staffel-Endläufe erstmals in der WM-Geschichte ohne deutsche Beteiligung statt.

Wie es geht, demonstrierten Michael Phelps und die US-Amerikaner, die 20 von 40 Titeln in den Beckenwettbeweren holten. Der Superstar holte in Australien sieben Titel, zog am bisherigen WM-Rekordhalter Ian Thorpe vorbei und zog mit seinem Landsmann Mark Spitz gleich, der bei Olympia 1972 in München siebenmal Gold gewonnen hatte.

Am letzten Tag triumphierte Phelps über 400m Lagen mit 4:06,22 Minuten und Weltrekord Nummer fünf. Der Traum vom achten Gold platzte jedoch im Vorlauf mit der Lagenstaffel nach einem fatalen Wechselfehler von Ian Crocker. Den zweiten Weltrekord zum Abschluss steuerte Katie Hoff bei ihrem Sieg über 400m Lagen in 4:32,89 Minuten bei.

Dopingspekulationen um Thorpe überschatten WM

Überschattet wurde das letzte WM-Wochenende von den Dopingspekulationen um Thorpe. Australiens ehemaliger Schwimm-Star bestritt am Sonntag allerdings jegliche Doping-Vergehen. "Das ist Müll. Es geht um meine Ehre. Die werde ich verteidigen", sagte der fünfmalige Olympiasieger auf einer Pressekonferenz vor über 250 Medienvertretern.

Nach einem Bericht der französischen Sporttageszeitung L"Equipe wurden bei Thorpe bei einem Test im Mai 2006 erhöhte Werte von Testosteron und Wachstumshormonen festgestellt. Der 25-Jährige wurde nach eigenen Angaben von der Australischen Anti-Doping-Agentur Asada informiert, dass es sich dabei um seine Probe handelt. Der Weltverband Fina sprach nicht von einem positiven, sondern von einem "auffälligen" Test, und hat den Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne angerufen, um den Fall weiter zu verfolgen.

© SID

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