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Sechs Anklagen im Wettskandal

Fünf Monate nach dem Bekanntwerden des Wettskandals im deutschen Fußball hat die Berliner Staatsanwaltschaft Anklage gegen sechs Beschuldigte eingereicht und zugleich sieben Verfahren eingestellt.

dpa BERLIN. Fünf Monate nach dem Bekanntwerden des Wettskandals im deutschen Fußball hat die Berliner Staatsanwaltschaft Anklage gegen sechs Beschuldigte eingereicht und zugleich sieben Verfahren eingestellt.

Michael Grunwald, Sprecher der Staatsanwaltschaft, bestätigte am Wochenende der dpa, dass das Schriftstück bei der 12. Strafkammer des Landgerichts Berlin eingereicht wurde. Die Anklage wegen banden- und erwerbsmäßigen Betrugs betrifft die ehemaligen Schiedsrichter Robert Hoyzer und Dominik Marks, die drei kroatischen Brüder Ante, Filip und Milan S., die Betreiber des Berliner Café King, sowie Fußball-Profi Steffen Karl, der zuletzt für den Chemnitzer FC in der Regionalliga kickte.

In der 250-seitigen Anklageschrift werden rund zwei Dutzend Fußballspiele aufgelistet, deren Ausgang durch Manipulation beeinflusst worden sein soll. Gegen andere der ursprünglich rund 20 Verdächtigen werden die Verfahren weiter geführt. Dazu zählt nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" auch der Dresdner Schiedsrichterbetreuer Wieland Ziller, der in einem Geständnis eingeräumt haben soll, 40 000 Euro kassiert zu haben. Mit seiner Aussage habe Ziller zugleich Bundesliga-Schiedsrichter Jürgen Jansen entlastet.

"Wir haben bislang keine Mitteilung vom DFB oder einer anderen Seite bekommen", sagte Volkmar Köster, Hauptgeschäftsführer des Zweitligisten 1. FC Dynamo Dresden, zu dieser Veröffentlichung. "Wenn es offizielle Ergebnisse gibt, werden wir wie angekündigt reagieren: Dann wird es eine personelle Entscheidung geben."

Zu den sieben Personen, gegen die die Verfahren eingestellt wurden, gehörten insgesamt sechs Profis, darunter der Rumäne Laurentiu-Aurelian Reghecampf (Alemannia Aachen) sowie die beiden Dresdner Volker Oppitz und Thomas Neubert. "Der Junge ist rein gewaschen", sagte Reghecampf-Anwalt Helmut Reitz, dessen Mandant von Skandal-Schiedsrichter Hoyzer belastet worden war, den "Aachener Nachrichten".

Schriftlich wurden auch Oppitz und Neubert durch die Staatsanwaltschaft Berlin über die Einstellung ihrer Verfahren wegen fehlenden Tatverdachts informiert. Hoyzer hatte behauptet, ihre Namen vom vermeintlichen Drahtzieher Ante S. gehört zu haben. "Obwohl ich mir von Anfang an nichts vorzuwerfen hatte, bin ich erleichtert, dass die Sache vom Tisch ist", sagte Neubert der "Sächsischen Zeitung" (Samstag-Ausgabe). "Ich hatte nie ein schlechtes Gewissen, weil ich wusste, dass ich hundert Prozent unschuldig bin." Die Polizei hatte am 2. Februar seine Wohnung und auch die seiner Eltern in Cottbus durchsucht. "Ich hoffe nur, dass die Einstellung des Verfahrens genauso öffentlich gemacht wird wie die haltlosen Verdächtigungen", erklärte Neuberts Teamgefährte Oppitz.

Dynamo-Torhüter Ignjac Kresic war vom Landgericht Berlin bereits Mitte Mai frei gesprochen worden. Wie seine Anwälte mitgeteilt hatten, sei ihr Mandant rehabilitiert. Zudem wurde die Anordnung der Hausdurchsuchung bei Kresic für rechtswidrig erklärt, "weil nicht einmal der dazu erforderliche Anfangsverdacht" vorgelegen habe. "Für mich ist das Thema lange durch", erklärte der Keeper. Vor zehn Tagen habe er Besuch von der Staatsanwaltschaft bekommen. Auf den Fotos, die ihm vorgelegt wurden, erkannte er niemanden. "Danach haben sie sich bei mir entschuldigt und gesagt: Es hat sich erledigt", fügte er hinzu. Weiter schwebend ist das Verfahren gegen Dynamo-Spieler Torsten Bittermann, der wie Ziller an Eides statt erklärt hatte, mit dem Wettskandal nichts zu tun zu haben.

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