Segel-Unfälle
Auf einem Riff so groß wie der Bodensee

Mit einer rund 20 Meter langen Yacht strandeten Segler mitten im Meer. Sie „übersahen“ ein Riff im Indischen Ozean. Die Teilnahme am Weltrennen ist beendet. Das Missgeschick ist nicht das Einzige.
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HamburgDie Nachricht versetzte Wettfahrtleitung, Konkurrenten und Tausende von Segelfans in Aufregung und Erstaunen: Das Schiff eines dänischen Teams, gesponsert vom Windanlagenhersteller Vestas, war bei einem Rennen um die Welt auf dem Unterwasser Riff Cargados Carajos Shoals östlich von Mauritius gestrandet.

Beide Ruder gebrochen, massiver Wassereinbruch im Heck, der Kiel zwischen den Steinen verkeilt. Die Yacht wurde durch die Wellen immer wieder auf die Steine gedrückt, die Kielbombe brach ab, und das Schiff neigte sich gefährlich zur Seite. Skipper Chris Nicholson verließ mit seiner Crew bei Anbruch des neuen Tages daher das Schiff. Zu ernst schätzte der Segler die Gefahr ein, dass die Yacht auseinanderbrechen könnte.

Bei Veranstaltern, Seglern und Konkurrenten war die Erleichterung zu hören, dass bei dem Aufprall mit einer Fahrtgeschwindigkeit von rund 19 Knoten keiner verletzt wurde. Dabei fragt man sich doch: Wie konnte das passieren? Wie konnte ein professionelles Segelteam und vor allem ein gut dotierter Navigator dieses Riff, das in etwa die Ausmaße des Bodensees hat, auf dem Seeweg von Kapstadt nach Abu Dhabi übersehen?

Eine offizielle Erklärung des Teams steht noch aus. Es wird vermutet, dass Navigator und Skipper beim Abstecken des Kurses in der elektronischen Seekarte eine zu große Ansicht gewählt haben, so dass das Riff in der Karte nicht dargestellt wurde. Eine Panne, die das Team nun im schlimmsten Fall mit dem Ausscheiden aus dem Rennen bezahlen muss, denn wann und wie die stark beschädigte Yacht von dem Riff geborgen wird, ist derzeit unklar. Bisher heißt es vom Team Vestas nur nebulös: „Wir können jetzt sagen, dass der Unfall auf menschliches Versagen zurückzuführen ist.“

Von den Konkurrenten gab es Mitleid und tröstende Worte für die Pechvögel. Favorit des Weltrennens Volvo Ocean Race und Skipper beim Team „Abu Dhabi“ Ian Walker sagte: „Als wir da vorbei kamen, haben wir auch gesagt, dass es sehr einfach ist, die Felsen in der Nacht zu treffen. Gott sei Dank passierten wir das Hindernis bei Tag. Es ist sehr schwierig, es auf der elektronischen Seekarte zu identifizieren.”

Und auch von den Seglern des Teams „Dongfeng“ kam das vorsichtige Eingeständnis, dass sie auch fast die Riffkette übersehen hätten. So erklärte Skipper Charles Riou: „Da sind ein paar wunderschöne Inseln in der Mitte von Nirgendwo, aber leider genau in der Mitte unserer Route. Die sind auf den elektronischen Seekarten echt schwer zu finden, man muss schon sehr genau heranzoomen, um sie zu entdecken, aber warum soll man etwas so stark vergrößern, wenn man gar nicht weiß, dass da etwas ist?“

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