Segeln America's Cup
Eine verhängnisvolle Sensation

Seit Monaten tritt der America's Cup auf der Stelle. Vielleicht wäre alles ganz anders gekommen, wenn 2007 nicht der krasse Außenseiter Team China gegen BMW Oracle gewonnen hätte.

Für das Team China war es der größte Sieg seiner America's-Cup-Geschichte. Genau genommen war es auch der einzige. Denn als der krasse Außenseiter am 30. April 2007 sensationell den Topfavoriten BMW Oracle Racing bezwang, knallten bei den Asiaten zum ersten, aber auch zum letzten Mal die Korken.

Noch heute erinnern sich die Chinesen oft und gerne an jenen Tag. Doch Taktiker Sebastien Destremau, damals Teil der 17-köpfigen Crew, hat inzwischen eine ganz andere Sicht auf den Triumph. "Dieser Sieg war der Auslöser für den Rechtsstreit, der heute tausende Jobs gefährdet", schreibt der Franzose in einem Beitrag für das Magazin Sail World.

Rechtsstreit als Folge des "enormen Frusts"

Was zunächst wie Seemannsgarn klingt, erweist sich bei genauem Hinsehen als gar nicht so weit hergeholt. Denn ohne die Niederlage hätte Oracle die Vorrunde als Sieger abgeschlossen und wäre im Halbfinale auf die schlagbaren Spanier getroffen. So aber ging es gegen die starke Luna Rossa aus Italien - wo es eine bittere 1:5-Niederlage gab. Das schlechteste Abschneiden eines US-Teams in der Geschichte des America's Cup war perfekt.

Als Folge hat Destremau "enormen Frust bei Oracle" ausgemacht - der seiner Ansicht nach in einer "feindseligen Herausforderung an die Alinghi" und letztlich dem nicht enden wollenden Rechtsstreit in New York mündete.

In die Falle getappt

Dass es überhaupt soweit kam, hat auch mit wenigen Zentimetern zu tun: Kurz vor dem Start jenes denkwürdigen Rennens bemerkte das China Team an Bord der Amerikaner eine ungewöhnlich niedrig befestigte Führung des Vorsegels. Genau dieses Problem hatte wenige Tage zuvor die chinesische Yacht außer Gefecht gesetzt.

Destremau: "Also haben wir es einfach versucht und die USA 98 mit zahlreichen Wenden unter Druck gesetzt." Die Amerikaner, die wohl aus Leichtsinn eine B-Crew ins Rennen geschickt hatten, hielten aggressiv dagegen. Bis plötzlich das Vorsegel aus der Führung riss. "Die Falle hat perfekt funktioniert", so der gewiefte Taktiker im Rückblick. Die US-Yacht konnte die erste Kreuz nur unter Großsegel absolvieren, die Chinesen zogen vorbei und brachten einen riesigen Vorsprung von 3:15 Minuten ins Ziel.

Das Nachspiel ist bekannt - mit dem bis heute anhaltenden Vakuum als vorläufigen Schlusspunkt. "Und das alles nur wegen eines 2000-Euro-Ersatzteils", so Destremau über die Ironie einer verhängnisvollen Sensation.

© SID

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