Segeln America's Cup
Ewiges Duell an Land und im Wasser

Der Streit zwischen Alinghi und BMW Oracle Racing weckt Erinnerungen an eines der kuriosesten Kapitel des America's Cup. Schon 1988 musste ein New Yorker Gericht am grünen Tisch über ein ungleiches Duell entscheiden.

Juristische Scharmützel gehören seit jeher zu einem "richtigen" America's Cup dazu. Das war schon 1 851 so, als ein Protest gegen die Siegeryacht America wegen Abkürzens der Strecke ohne Erfolg blieb, und setzte sich bis 2007 fort. In Valencia musste zuletzt das Duell zwischen Desafio Espanol und Mascalzone wiederholt werden, nachdem die Italiener unerlaubte Veränderungen am Mast vorgenommen hatten.

Der Gang vor ein ordentliches Gericht ist dagegen noch immer die Ausnahme. Und doch ist der aktuelle Streit zwischen Alinghi und BMW Oracle Racing kein Einzelfall. Denn schon einmal kamen Formulierungen aus der uralten Stiftungsurkunde von 1 887 unter die juristische Lupe, und schon einmal war es der Oberste Gerichtshof in New York, der sich mit der berühmtesten Regatta der Welt beschäftigen musste.

Ungleiches Duell sorgt für Ärger

1987 war es, als der neuseeländische Bänker Michael Fay Titelverteidiger Dennis Conner herausforderte und eine riesige 27-Meter-Yacht ins Rennen schickte. 30 Jahre lang war der Cup in 12-Meter-Booten ausgetragen worden, Segel-Legende Conner lehnte ab. Doch Fay ging ein erstes Mal vor Gericht - und gewann: Am 25. November bestätigte die New Yorker Richterin Carmen Beauchamp Ciparick die Gültigkeit der Herausforderung.

Der unter Zeitdruck geratene Conner reagierte prompt - und baute zwei kleine, praktisch unschlagbare Katamarane. Fay klagte erneut und verwies auf die Stiftungsurkunde, wo von einem Duell "ähnlicher Boote" die Rede ist. Doch Richterin Ciparick wies die Anschuldigungen als "voreilig" zurück und verschob das Urteil bis nach dem Cup.

Urteil fast ein Jahr nach dem Rennen

Es kam, wie es kommen musste: Das ungleiche Duell im September 1988 ging überlegen an Conner der neuseeländische Herausforderer zog prompt erneut vor Gericht. Während die Segelwelt aufstöhnte, erkannte das oberste Gericht New Yorks in erster Instanz überraschend den "Kiwis" den Sieg zu. Nun ging Conner in Berufung. Mit Erfolg: Die Richter entschieden in letzter Instanz, die Stiftungsurkunde schreibe nicht Fairness vor und kenne keine explizite Regeln, wonach beide Teams die gleiche Bootskategorie zu segeln hätten. Der Sieg des überlegenen Katamarans war damit gültig - fast ein Jahr nach dem Rennen.

Unschöne Kratzer hatte der legendäre America's Cup durch diese monatelange Posse dennoch abbekommen. "Für die meisten Enthusiasten war der Geist des Rennens nun gänzlich verloren", heißt es im Standardwerk "Die Geschichte des America's Cup" zu dem als "Mismatch" bekannt gewordenen Duell. Worte, die fast 20 Jahre später aktueller klingen denn je.

© SID

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