Segeln America´s Cup
Scheeren: "Wir sollten uns über jeden Sieg freuen"

Syndikatschef Michael Scheeren hat wenige Tage vor Beginn der Herausforderer-Runde für den America´s Cup eine vorsichtige Zielsetzung ausgegeben. Gleichzeitig plant der 49-Jährige bereits die Zukunft.

Im Oktober 2005 löste der gelernte Bankkaufmann Michael Scheeren den nach zahlreichen Querelen geschassten Uwe Sasse an der Spitze des deutschen Segel-Syndikats Team Germany ab. Scheeren, der zuvor als Aufsichtsrat der Kampagne fungierte und noch immer als Kontrolleur beim Hauptsponsor der Mannschaft (United Internet) tätig ist, gelang es, Ruhe in die Führungsebene des ersten deutschen Teilnehmers in der 156-jährigen Geschichte des America´s Cup zu bringen.

Dennoch sah sich auch der 49-Jährige in den vergangenen Monaten immer wieder mit Problemen konfrontiert. Die Fertigstellung der neuen Yacht verzögerte sich und die Ergebnisse bei den Vorregatten (Acts) entsprachen nur selten den Erwartungen. Trotzdem plant Scheeren bereits eine Folgekampagne.

Mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) sprach der gebürtige Hesse über die Chancen seiner Mannschaft bei der am Montag beginnenden Herausforderer-Runde, die Zukunftspläne beim Team Germany und seinen Traum von einer Verpflichtung des dreimaligen Olympiasiegers Jochen Schümann aus Penzberg.

sid: "Mit welcher Zielsetzung gehen Sie in die am Montag beginnende Herausforderer-Runde für den 32. America´s Cup in Valencia? Ihr Skipper Jesper Bank hatte die ursprünglich anvisierten Plätze sechs bis acht zuletzt als außer Reichweite bezeichnet ..."

Michael Scheeren: "Um Platz sechs zu erreichen, müssten wir tatsächlich alle Teams schlagen, die wir schlagen können. Die Rennen werden aber wohl sehr eng. Daher sollten wir uns zunächst mal über jeden Sieg freuen. Wenn wir den achten Platz erreichen, und man sagt, wir haben alles gegeben, ist er mir lieber als ein siebter Rang, wo man diesen Eindruck vielleicht nicht hat. Jeder Rang, den wir weiter nach vorn kommen, ist natürlich schön."

sid: "Wer sind Ihre Favoriten für die Herausforderer-Runde?"

Scheeren: "Meine Favoriten sind die, die alle auf der Rechnung haben. Also BMW-Oracle-Racing aus den USA, das Team New Zealand und die italienische Luna Rossa. Hinzu wird ein Vierter kommen. Beim Act 13 in der vergangenen Woche hat mich besonders das südafrikanische Team Shosholoza beeindruckt."

sid: "Wie beurteilen Sie die beim Act 13 erstmals eingesetzte neue Yacht Germany I? Auch mit Ihr reichte es am Ende nur zu Platz zehn ..."

Scheeren: "Einige Dinge sind noch verbesserungswürdig. Aber man hat gesehen, dass wir mithalten können. Die Verzögerungen bei der Fertigstellung des Bootes waren aber natürlich ein Problem."

sid: "Was hat die Verzögerungen verursacht?"

Scheeren: "Ich möchte da nicht zu sehr ins Detail gehen. Man kann aber niemanden dafür verantwortlich machen. So etwas passiert, wenn man das erste Mal ein solches Projekt angeht. Ein zweites Mal würde es sicher nicht geschehen. Wir haben jetzt unsere Erfahrungen gesammelt. Wir hatten ja einen ganz anderen Plan und wollten schon im Mai 2006 mit der Yacht auf dem Wasser sein. Geschafft haben wir es dann kurz vor Weihnachten. Insgesamt ist es uns aber ganz gut gelungen, die Situation zu bewältigen."

sid: "Wie können solche Probleme künftig vermieden werden?"

Scheeren: "Für eine mögliche Folgekampagne wollen wir uns zwar auch im Segel-Team verstärken. Den größten Bedarf sehe ich bei uns allerdings bei der Mannschaft an Land. Da müssen wir etwas tun."

sid: "Beim Schweizer Titelverteidiger Alinghi ist der Hamburger Rolf Vrolijk für das Bootsdesign zuständig. Wäre er jemand, der Ihnen weiterhelfen könnte?"

Scheeren: "Natürlich wären wir sehr an einer Verpflichtung interessiert, aber man muss sehen, wie seine Vertragssituation zu bewerten ist und ob er überhaupt zu uns kommen würde. Man muss aber nicht nur bei den anderen Teams schauen. Wir haben durch den Technologie-Standort Deutschland so viele Möglichkeiten. Mit einigen Firmen stehen wir schon in Kontakt. Ich rede jetzt aber nicht nur über ein mögliches finanzielles Engagement dieser Unternehmen, sondern vor allem über deren Know-how, von dem wir profitieren könnten."

sid: "Bei Alinghi steht auch der dreimalige Olympiasieger Jochen Schümann unter Vertrag. Viele deutsche Segel-Fans träumen von seiner Verpflichtung für eine mögliche Folgekampagne. Sie auch?"

Scheeren: "Natürlich träume auch ich davon, dass Jochen Schümann für uns segeln wird und mache keinen Hehl daraus. Schließlich wollen wir das bestmögliche Team stellen. Das würde uns ein Stück voranbringen. Wir werden sehen, ob er Bereitschaft signalisiert und Interesse daran hat, zu uns zu kommen."

sid: "Wollen Sie auch mit ihrem derzeitigen Skipper und Steuermann Jesper Bank über 2007 hinaus zusammenarbeiten?"

Scheeren: "Jesper Bank hat einen Vertrag bis Ende 2007 und soll auch danach ein wichtiger Baustein unserer Kampagne sein. In welcher Rolle das sein wird, muss man abwarten. Er könnte Skipper, Steuermann oder auch Sportdirektor sein. Darüber werden wir nach dem Cup im Detail miteinander reden."

sid: "Wie konkret sind Ihre Planungen für eine Folgekampagne?"

Scheeren: "Wir haben schon lange gesagt, dass wir weitermachen wollen. Jetzt ist jede gute Leistung für die Folgekampagne wichtig und hilfreich. Man muss aber abwarten, wo der Cup hingeht und wie das Format aussieht. Am schlechtesten wäre es natürlich, wenn wir erst in vier Jahren in Neuseeland wieder segeln und bis dahin keine Acts austragen würden."

sid: "Das Hauptproblem dürfte dann die Sponsorenakquise sein ..."

Scheeren: "Wenn der Cup in Europa bliebe, würde uns das die Sponsorensuche natürlich erleichtern. Das geht aber nicht nur uns so, sondern trifft auch auf die meisten anderen Teams zu."

© SID

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