Segeln America's Cup
Schümann: "Alle müssen sich dem Ziel unterordnen"

Mit einer neuen Crew geht das United Internet Team Germany in den 33. America's Cup. "Wir wollen eine Truppe aufbauen, die einander vertraut", beschreibt Teamchef Jochen Schümann im Interview die Stärken der Mannschaft.

Sechs Wochen nach seiner Verpflichtung hat Jochen Schümann eine schlagkräftige Truppe für den 33. America's Cup vorgestellt. "Wir wollen zeigen, dass wir ganz vorne landen können", sagte der Teamchef des United Internet Team Germany in Valencia im aktuellen Interview.

Frage: Welche Rolle hat bei der Crew-Zusammenstellung die Nationalität der Segler gespielt?

Jochen Schümann: Wir haben nicht auf den Pass geschaut. Eine nationale Quote macht für mich keinen Sinn. Wen man international bestehen will, muss man sich entsprechend aufstellen. Wir wollen ins Halbfinale und da zählt am Ende nur die Leistung.

Frage: Haben Sie und Steuermann Karol Jablonski die Entscheidungen gemeinsam getroffen?

Schümann: Da haben viele mitgeredet. Natürlich Karol, aber auch andere Entscheidungsträger. Wir wollen eine Truppe aufbauen, die einander vertraut. Und wir wollten verhindern, dass in der Mannschaft zwei Fraktionen entstehen. Alle müssen sich dem großen Ziel unterordnen, das macht ein starkes Team aus.

Frage: Entsprechen die Namen Ihren Vorstellungen?

Schümann: Sonst hätten wir uns nicht für diese Leute entschieden. Richtig zufrieden können wir aber erst sein, wenn wir die ersten Wettkämpfe erfolgreich gestaltet haben. Wir haben jetzt ein Boot, mit dem man auch die Alinghi schlagen kann. Wenn uns das gelingt und die Segler merken, wie viel Spaß Gewinnen macht, setzt das weitere Kräfte frei. Dann will man dieses Gefühl öfter spüren. Wir wollen zeigen, dass wir ganz vorne landen können.

Frage: Werden Sie auch an Bord gehen?

Schümann: Ich bin natürlich weiterhin Segler. Aber meine Rückenverletzung hindert mich derzeit noch, daher führt Karol im Moment das Segelteam. Meine Situation ist ähnlich wie bei der Alinghi, wo ich ebenfalls die sportliche Leitung inne hatte und an Land viel Arbeit erledigen muss. Sobald wir gut funktionieren, werde ich mehr Zeit für das Segeln haben.

Frage: Was sagen Ihre Ärzte?

Scümann: Im August bin ich operiert worden und seither auf dem Weg der Besserung. Ich fange derzeit wieder an, richtig Sport zu treiben. Wenn nächstes Jahr die Saison beginnt, bin ich vollkommen fit und denke nicht mehr über meinen Rücken nach.

Frage: Was halt Sie von der künftigen, größeren Bootsklasse?

Schümann: Das werden Geschosse. Die Segler müssen athletischer sein als je zuvor. Es wartet ein Sport mit all seinen Herausforderungen auf uns: Fitness, Koordination, Kraft und Bootsgefühl werden entscheidend. Der Umgang mit den Booten wird schwer für uns alle.

Frage: War es richtig, neue Boote einzuführen?

Schümann: Ja! Alle warten auf einen spektakulären Wettbewerb. Der America's Cup soll die Krone des Segelns sein. Also muss man auch ein Boot haben, mit dem ein normaler Segler nichts anfangen kann, bei dem er denkt: Da steig ich besser nicht drauf.

Frage: Also Formel-1-Wagen statt Familienautos?

Schümann: Der Vergleich liegt nahe. Wir haben künftig doppelt so viel PS, um in der Auto-Sprache zu bleiben. Das ist ein riesiger Unterschied. Daher sind auch drei Segler mehr an Bord. Den 20 Crew-Mitgliedern wird alles abverlangt.

Frage: Wird das deutsche Team zwei neue Boote bauen?

Schümann: Darauf bereiten wir uns vor. Wir wollen zwei Boote, auch um eines für den Fall eines Totalschadens in der Hinterhand zu haben. Ansonsten müssten wir aus dem gesamten Cup ausscheiden. Alle starken Teams werden ein zweites Boot bauen, um sich für einen solchen Fall zu wappnen.

Frage: Das klingt aber eher nach Kostenexplosion als nach Einsparungen...

Schümann: Die Investition in die Zukunft ist richtig. Wenn man sich in einem Technologie-Wettbewerb befindet, muss man nach vorne gehen. Klar wird das nicht billiger. Aber wir schaffen hier ein völlig neues Boot, daher bekommen wir für unser Geld auch viel mehr zurück. So muss man das sehen.

Frage: Bis wann möchten Sie mit dem neuen Boot auf dem Wasser sein?

Schümann: Am liebsten gestern... Nein, natürlich so schnell wie möglich. Wir wollen lernen und schauen was hält und was kaputt geht. Bis Ende 2008 müssen wir segeln, um eine zweite Yacht bauen zu dürfen.

Frage: Entsteht das Boot wieder in Kiel?

Schümann: Ja, auf der Knierim-Werft, wo schon die Germany I konstruiert wurde. Das ist die einzige deutsche Werft, die mit Rennschiffen dieser Größenordnung Erfahrung hat.

Frage: Die angefangene, aber durch die neuen Regeln überholte GER 101 wird also nicht beendet?

Schümann: Richtig. Das ist noch eine gute Fingerübung für uns zum Testen. Das darf man dem deutschen Team auch nicht als Fehler ankreiden. Zu der damaligen Zeit war das die richtige Entscheidung.

Frage: Wie bewerten Sie den anhaltenden Rechtsstreit?

Schümann: In den vergangenen Tagen war das US-Team BMW Oracle Racing hier in Valencia und hat gut gelaunt gegrillt. Scheinbar gibt es einen Grund zum Feiern. Die Regeln sind da, und sie sind gut. Eigentlich gibt es keinen Grund mehr, vor Gericht zu sitzen. Wir alle wollen 2009 segeln Auch BMW. Irgendwann machen die Egos einen Diener und ziehen sich zurück. Ich bin optimistisch.

© SID

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