Segeln America's Cup
Sir Thomas Lipton - der "Beste aller Verlierer"

Zwischen 1 899 und 1930 versuchte Thomas Lipton fünfmal, den America's Cup zurück nach Europa zu holen. Fünfmal scheiterte der Teebaron aus Großbritannien. Heute ist "Sir Tommy" eine Legende im Cup-Zirkus.

Am Ende fühlten selbst die Amerikaner mit Sir Thomas Lipton mit. Fünfmal hatte der Teebaron aus Großbritannien zwischen 1 899 und 1930 versucht, den America's Cup zurück nach Europa zu holen. Fünfmal scheiterte er. "Der Großteil der Amerikaner hätte den Cup trotz seiner Bedeutung gerne abgegeben - so groß war ihre Bewunderung und Sympathie für den alten Sportsmann", schrieb Konkurrent Harold Vanderbilt nach dem Finale 1930.

Doch Liptons Lebenstraum sollte nie in Erfüllung gehen. Im Oktober 1931 starb der Geschäftsmann, ohne den "Auld Mug" je in Händen gehalten zu haben. Nach 81 Jahren endete damit ein Leben, das genug Stoff für eine Hollywood-Verfilmung geliefert hatte.

Vom Tellerwäscher zum Millionär

Begonnen hatte es 1 850 in Glasgow, wo Lipton als Sohn armer irischer Eltern das Licht der Welt erblickte. Doch das Leben als Laufbursche langweilte den ehrgeizigen Teenager schnell. Im Alter von 15 Jahren wanderte er in die USA aus, sammelte erste Erfahrungen in einem New Yorker Lebensmittelgeschäft und eröffnete vier Jahre später in seiner Heimatstadt Glasgow seinen ersten eigenen Laden. Auch dank revolutionärer Ideen im Bereich der Werbung baute der Selfmademan in den kommenden Jahrzehnten eine Marke auf, die noch heute ein Begriff ist.

Mit zunehmendem Erfolg wuchs auch der Wunsch, den schon damals legendären America's Cup zu gewinnen. 1 899 war die Zeit reif für den ersten Anlauf: Lipton, der noch nie einen Fuß auf ein Segelboot gesetzt hatte, forderte im Namen des Royal Ulster Yacht Club die amerikanische Colombia heraus. Die grüne Farbe der Yacht und ihr Name Shamrock ("Kleeblatt") wählte er aus Verbundenheit zu seiner Heimat Irland.

Erster Anlauf scheitert deutlich

Bei seiner Premiere erhielt Lipton allerdings seine erste Lektion. Taktische Fehler und ein gebrochener Mast sorgten für einen 0:2-Rückstand, ehe die Amerikaner in einem spannenderen letzten Rennen auch den entscheidenden dritten Punkt holten. Doch der Gentleman aus Europa, der umgehend zum Ehrenmitglied des New York Yacht Club ernannt wurde, hatte Blut geleckt.

Nur zwei Jahre später folgt mit der Shamrock II der nächste Versuch. Erneut ging es gegen die Colombia, erneut endete der Vergleich 0:3. Doch die Abstände waren auf eine Minute geschmolzen, der Sieg durchaus in Reichweite. Kein Zweifel also: 1903 sollte die Shamrock III endlich den Cup holen. "Hoffentlich wirke ich nicht zu aufdringlich", meinte der inzwischen zum Ritter geschlagene Lipton schmunzelnd.

Solche Sorgen waren jedoch unbegründet, kassierte der hartnäckige Herausforderer doch seine dritte Niederlage. Gegen die Reliance, die mit über 42 Metern größte Yacht, die je im America's Cup segelte, gab es ein deutliches 0:3. Anschließend zog sich Lipton zurück - ehe die Sehnsucht nach der "Kanne" 17 Jahre später doch wieder die Oberhand gewann. 1920 hieß es: Vorhang auf für die Shamrock IV.

Drei vergebene Matchbälle

Gegen die Resolute schien es endlich zu klappen. Erstmals seit 1 871 ging der Herausforderer in Führung und baute den Vorsprung sogar durch einen deutlichen Sieg im zweiten Rennen auf 2:0 aus. Lipton hatte drei Matchbälle, um seinen Traum in die Realität umzusetzen. Doch es sollte nicht sein: Am Ende hieß es 2:3.

Einmal noch kam der von den Amerikanern verehrte "Sir Tommy" zurück. 1930 war es, als die neu entwickelte Shamrock V gegen die Enterprise antrat - und wieder hoffnungslos verlor, diesmal mit 0:4. "Ich kann nicht gewinnen. Ich kann nicht gewinnen", stammelte der inzwischen 80-Jährige fassungslos und frustriert.

Es sollte der letzte Versuch von Thomas Lipton bleiben. Der Pokal, der "mehr als 30 Jahre lang mein einziger Zeitvertreib" war, kehrte erst 2003 nach Europa zurück. Ganz ohne Cup blieb jedoch auch Lipton nicht. Aus Respekt vor seinem unbändigen Willen überreichten ihm die Amerikaner kurz vor seinem Tod einen eigens gefertigten Pokal. "Für den Besten aller Verlierer", lautete die treffende Widmung.

© SID

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