Segeln America's Cup
Vom Berliner Steppke zum dreifachen Olympiasieger

Bis zum Engagement bei einer deutschen Cup-Mannschaft war es für Jochen Schümann ein langer Weg. Drei Olympiasiege zieren die Karriere des erfolgreichsten deutschen Seglers, die nun beim Team Germany gekrönt werden soll.

Es war das noch fehlende i-Tüpfelchen einer bereits einzigartigen Karriere. Fast alles hatte Jochen Schümann erreicht, war mit drei Olympiasiegen und zwei America's-Cup-Triumphen zur Galionsfigur des deutschen Segelsports aufgestiegen. Nur ein letztes Ziel blieb übrig: Mit einem deutschen Team um den America's Cup segeln. Im September war es endlich soweit. "Für mich geht ein Traum in Erfüllung", sagte der 53-Jährige, als sein Wechsel zum United Internet Team Germany perfekt war.

Erste Segel-Erfahrungen auf dem Müggelsee

Bis zu jenem Tag war es jedoch ein langer Weg. Als Jochen Schümann am 8. Juni 1954 in Berlin das Licht der Welt erblickte, konnte wirklich niemand ahnen, dass nur elf Jahre später eine einzigartige Segelkarriere beginnen würde.

Im Frühjahr 1966 begann der elf Jahre alte Steppke bei der AG Bootsbau/Segeln in der 2. Polytechnischen Oberschule Berlin-Köpenick mit dem Segelsport auf dem Müggelsee. Das klassische Jugendboot Optimist ermöglichte die ersten Erfahrungen und unzählige Trainingsstunden. Der damals noch kleine Jochen verblüffte seine Trainer mit seinem ungeheuren Fleiß und seiner Ausdauer.

Trainer Bernd Dehmel, der den Segler von 1972 bis ins Jahr 2000 betreut hat, erinnert sich an einen anstrengenden und ehrgeizigen Schützling: "Er ist alles andere als pflegeleicht", so Dehmel, "immer weiter, immer weiter, das ist sein Motto." Das hat ihm große Erfolge beschert. 1976 holte er in Kingston seine erste olympische Goldmedaille im Finn-Dinghi, 1988 und 1996 folgte Olympia-Gold im Drei-Mann-Boot Soling, Europameister wurde er gleich neunmal, Weltmeister zweimal. Kein anderer deutscher Segler ist erfolgreicher.

Hartnäckigkeit, Disziplin und Ehrgeiz

Hartnäckigkeit, Disziplin und Ehrgeiz bescheinigen ihm die Kollegen und ganz gleich in welchem Boot er sitzt, Jochen Schümann will immer gewinnen, immer alles geben. Das war im Soling so und auch in den Admiral's-Cup-Kampagnen, die er mit und für seinen Namensvetter Hans-Otto Schümann (Hamburg) bestritten hat. Die Eigenschaften des deutschen Top-Seglers bewogen Alinghi-Chef Ernesto Bertarelli, Jochen Schümann 1999 als Sportdirektor für sein ehrgeiziges America's-Cup-Projekt in die Schweiz zu holen.

Jochen Schümanns Ehefrau Cordula dürfte gewusst haben, was da auf die Familie zukommt, zu der die Kinder Ulrike (geb. 1978) und Andreas (geb. 1981) gehören: Verzicht auf das Familienoberhaupt. Indes ist Cordula Schümann keine Frau, die darüber klagt. Sie hat es immer akzeptiert, dass ihr Mann dem Sport hohe Priorität einräumt.

Gleichwohl dürfte es für die Familie nicht leicht gewesen sein, als Schümann vom bayrischen Penzberg in die Schweiz übersiedelte und sich voller Energie in die Arbeit stürzte. Das Ergebnis ist bekannt: Der historische Cup-Triumph im Jahr 2003. Im vergangenen Juni folgte vor Valencia die erfolgreiche Titelverteidigung. Im Gegensatz zum ersten Triumph war Schümann aber nicht mehr an Bord.

Schümann wechselt zu "seiner" Kampagne

Und so wurden zunehmend Spekulation laut, ein Wechsel zum deutschen Team stehe bevor. Selbst der Däne Jesper Bank, bis dato Steuermann beim Team Germany, sagte stets, "dass dies eigentlich Jochens Kampagne ist. Ich bin nur sein Stellvertreter". Aus den Gerüchten wurden schließlich Fakten, und im September war es soweit: Im noblen Bayerischen Yachtklub am Starnberger See lief Jochen Schümann erstmals im Uitg-Dress auf.

Dabei ist sich Schümann durchaus bewusst, dass er mit dem Engagement auch ein Risiko eingeht. Als zweimaliger Cup-Gewinner gilt er als unantastbar. Sollte seine Rückkehr nach Deutschland nicht den erhofften Erfolg bringen, könnte seine makellose Reputation Schaden nehmen. Doch der 53-Jährige ergriff die Chance dennoch mutig.

Das Konzept des Team Germany hat ihn überzeugt. Syndikats-Chef Michael Scheeren setzt nicht auf leere Ankündigungen, sondern auf deutsche Tugenden. Fleiß, Ordnung und gutes Zeitmanagement haben nicht nur Schümann, sondern auch weitere Sponsoren angelockt. Die Voraussetzungen wirken ideal. Nun muss nur noch gesegelt werden.

© SID

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